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Bistum Görlitz

Auf dem Weg ins größere Europa

Seminar der christlichen Eisenbahner in Cottbus

Eine Kerze zur Erinnerung: Josef Homberg überreicht sie den Gubiner Eisenbahnern.

Cottbus (ks / tdh) -"Die Vergangenheit müssen wir bewältigen, damit Zukunft möglich wird", sagte Josef Homberg von der Arbeiter- und Betriebsseelsorge des Bistums Speyer den über 40 "Christlichen Eisenbahnern", die aus ganz Deutschland nach Cottbus gekommen waren. Das Seminar vom 13. bis 16. Oktober stand in Vorbereitung auf die Osterweiterung der Europäischen Union (EU) im nächsten Jahr unter dem Thema "Gemeinschaft stiften".

Das Fachsimpeln unter Eisenbahnern war Anknüpfungspunkt dieser Tage. Inhaltlich ging es um mehr, um Schritte und Wege aufeinander zu. Es ging darum, sich ein Bild von anderen Regionen, anderen Menschen, anderen Empfindungen zu machen. Waclaw Schulta aus Gdansk (Danzig) von der "Katholischen Gemeinschaft der Eisenbahner Polens" (KSKP) berichtete vom christlichem Engagement unter Eisenbahnern seiner Heimat. Dabei lud er die deutschen Eisenbahner zur polnischen Eisenbahnerwallfahrt ein, die jeweils am zweiten Sonntag im November nach Tschenstochau stattfindet. Bis zu 20 000 Eisenbahner nehmen an dieser Wallfahrt teil.

Aus Gubin waren die Eisenbahner Miroslaw Penconek und Ryczard Zielinsky nach Cottbus gekommen. Ihre Teilnahme sprach für die Kontakte, die in der Region inzwischen zwischen den Christen diesseits und jenseits der Neiße gewachsen sind.

Wichtiger als die offiziellen Statements des Seminars waren die persönlichen Gespräche, die sich aus den Themenkreisen ergaben. Manche dauerten bis in die später Nacht hinein. Eberhard Arnold aus Rostock erzählte beispielsweise den Eisenbahnern aus dem Raum Mannheim von seinen Benachteiligungen im Berufsleben nach der Bespitzelung durch die Stasi. Maria und Heinz Sandmann aus Offenbach wollten von den Cottbusern wissen wie es möglich ist, dass in diesen Breiten immer noch so viele junge Familien und Jugendliche regelmäßig die Sonntagsgottesdienste besuchen. Seine Sorge um den Arbeitsplatz in der Instandhaltung schilderte Jörg Schneider aus Bensheim. Arbeitslosigkeit ist also auch ein Thema im Darmstädter Raum.

Anlass für gute Gespräche bot die von Ulrich Constantin aus Cottbus organisierte Busfahrt mit Besuchen eines Braunkohlentagebaus vor den Toren der Stadt. In der Stiftskirche von Neuzelle fühlte sich Peter Heigl aus Prien am Chiemsee wie in seiner bayerischen Heimat. Und natürlich gab es auch Eisenbahntypisches: die Besichtigungen des Ausbesserungswerkes und eines Betriebsfeldes, eines Lehrmodells für den Stellwerksdienst. Ein Gang durch die Altstadt von Cottbus war ein weiterer Programmpunkt.

Der Wortgottesdienst am Schlusstag nahm noch einmal das "Aufeinander Zugehen" in Lied, Lesung und Gebet auf. So beteten die Eisenbahner: "Bitten wir Gott, den alleinigen Herrn der Geschichte, dass er unsere Schritte aufeinander zu segne, lenke und leite".

Für das Jahr 2004 ist das Seminar der christlichen Eisenbahner in Heiligenstadt im Eichsfeld geplant. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Eisenbahner (ACE) Deutschlands ist ein loser Verband der von der Arbeiter- und Betriebsseelsorge des Bistums Speyer mit Sitz in Kaiserslautern geleitet wird. Etwa 1000 Eisenbahner in ganz Deutschland fühlen sich ihr verbunden und halten durch ein zweimal jährlich erscheinendes Infoblatt Kontakt zueinander. Jährlich finden Einkehrtage beziehungsweise Gemeinschaftstage und ein mehrtägiges Seminar statt.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 43 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 26.10.2003

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