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Aus der Region

Kindererziehung besonders betroffen

Kirchen luden konfessionsverbindende Paare zu Begegnungstag ein

Einander mit Salböl gesegnet: Eine katholisch-evangelische Familie zeichnet sich gegenseitig -auch als Symbol für den einen Glauben -das Kreuz Christi auf Stirn und Hände.

Halle -"Im Blick auf die Kindererziehung ist die Situation konfessionsverbindender Familien nicht einfach. Die Probleme beginnen damit, zu entscheiden, zu welchem Religionsunterricht ein Kind in der ersten Klasse geht. Dann steht die Frage nach der Erstkommunion ..." Dorothe und Reinhard Börnicke haben diese Situation vor etlichen Jahren durchlebt. "Meine Frau, die evangelisch ist, war damals, als unsere Kinder zur Erstkommunion und später zur Firmung gingen, selbst am Altar nicht erwünscht", erinnert sich Börnicke. "Und das, obwohl sie sich als Protestantin nach Kräften bemühte, sie katholisch zu erziehen! Heute braucht der evangelische Partner zwar nicht mehr wie der katholische zu unterschreiben, die Kinder zum katholischen Glauben zu führen. Aber leichter ist die Situation dennoch nicht."

Was Börnickes als Vertreter des "Netzwerkes konfessionsverbindender Paare und Familien in Deutschland" beschrieben, konnten die am 18. Oktober in Halle zu einem Begegnungstag versammelten katholisch-evangelischen Familien gut nachvollziehen und vor allem die älteren unter ihnen bestätigen. Acht Paare mit insgesamt zwölf Kindern waren der Einladung des Bistums Magdeburg, der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen und der Evangelischen Kirche Anhalts in die Pfarrei Dreieinigkeit in Halle gefolgt.

Ehepaar Börnicke aus Dorndorf (Rhön) war zu diesem zweiten Begegnungstag in Sachsen- Anhalt eingeladen, um das seit drei Jahren auch in Deutschland vertretene "Netzwerk konfessionsverbindender Paare und Familien" vorzustellen. "Eine konfessionsverbindende Ehe nimmt die Einheit der Kirche vorweg", so Börnicke, der ansonsten vor einem Verwischen der noch trennenden Unterschiede eher warnte. "Konfessionsverbindende Paare, die sich zu Wort melden, sind im positiven Sinn ,Stachel im Fleisch' der Kirchen".

Das Netzwerk konfessionsverbindender Familien hatte im Sommer in Rom seine zweite Weltkonferenz. In den Berichten der Länder sei eine sehr unterschiedliche Praxis deutlich geworden, so Börnicke. Während es etwa in Großbritannien fast kein ökumenisches Miteinander von Gemeinden gebe, hätten Österreicher von einer sehr großzügigen Praxis erzählt. Und in Südafrika hätte sogar die Bischofskonferenz aufgerufen, gemeinsam Eucharistie zu feiern. "Primäre Aufgabe des Netzwerkes ist es, an der Basis zueinander zu führen, so Börnicke. "Wir wollen unseren Kirchenleitungen aber auch deutlich machen: Hier sind nicht wenige, die an der Trennung unmittelbar leiden. Ihr müsst euch um sie kümmern."

Die Erfahrungen, die die Familien aus Sachsen-Anhalt nach Halle mitbrachten, waren unterschiedlich. "Für mich ist es eine Bereicherung, verschiedene Glaubensrichtungen näher zu kennen", sagte eine Teilnehmerin. Positiv wurden die in vielen Gemeinden bestehenden Gelegenheiten konfessionsübergreifenden Tuns registriert. Sie reichen von ökumenischen Gottesdiensten über Chöre und Kreise bis zur Teilnahme evangelischer Kinder an den Religiösen Kinderwochen oder als Gäste in Messdienergruppen und der gegenseitigen Einladung zum Gemeindefest. Und auch von der "wohltuenden Erfahrung", nicht vom Tisch des Herrn der anderen Kirche abgewiesen zu werden, wurde berichtet.

Aber auch Probleme kamen zur Sprache. "Wenn sich beide Partner in ihren Gemeinden engagieren, geht das nur mit Abstrichen, und es ist schwer, gangbare Entscheidungen zu treffen", stellte Dagmar Schöbel aus Calbe fest. "Der Austausch über Einzelfragen etwa bei der religiösen Kindererziehung kam heute zu kurz und müsste bei einer künftigen, vielleicht zweitägigen Begegnung eine größere Rolle spielen", sprach Norbert Schöbel ein Anliegen der überwiegend jungen Familien aus. Und neben der Betonung des verbindenden einen Glaubens sollte einmal deutlich dargestellt werden, worin das wirklich Trennende besteht.

Am Ende des Tages feierten die Familien mit dem Eislebener Pfarrer Dieter Tautz, Cornelia Altmann von der Kirche der Kirchenprovinz Sachsen in Magdeburg und der Sandersdorfer Gemeindereferentin Monika Wiedenmann einen Segnungs- und Agapegottesdienst. Dabei zeichneten sie sich mit Salböl gegenseitig das Kreuz Christi auf Stirn und Hände und teilten Brot und Wein miteinander.

Eckhard Pohl

Wiedenmann,
Tel. (0 34 93) 8 94 71.
Netzwerk:
Beate und Jörg Beyer,
Tel. (0 70 71) 76 34 21;
E-Mail: konfessionsverbindend@oekumene.net

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 43 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 26.10.2003

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