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Bistum Erfurt

Der Dank ist stärker als die Trauer

Nach 133 Jahren schließen die Schwestern von der heiligen Elisabeth ihre Niederlassung in Gotha

Dankbar für viele Jahre in Gotha: Schwester Renata, Schwester Aloysia, Schwester Bonaventura und Schwester Imelda (von links).

Gotha (as) -Sie werden an allen Ecken und Enden fehlen: Sonntags in der Kirchenbank, im Bild der Stadt, aber vor allem den Menschen, mit denen sie in den vielen Jahren vertraut geworden sind: Die Schwestern von der heiligen Elisabeth. Schweren Herzens hat sich der Orden entschlossen aus Altersgründen die Niederlassung in Gotha aufzugeben. Damit geht eine über 133-jährige Ära zu Ende. Am vergangenen Sonntag haben sich die vier Ordensfrauen, Schwester Renata, Schwester Aloysia, Schwester Bonaventura und Schwester Imelda von der Gemeinde St. Bonifatius offiziell verabschiedet.

"Dieser Abschied ist natürlich mit Trauer verbunden, aber dennoch sollte der Dank heute überwiegen", betonte Diözesan-Caritasdirektor Bruno Heller im Gottesdienst, den er zusammen mit Pfarrer Georg Schuchardt und Kaplan Roland Genau hielt. Die Schwestern seien immer da gewesen, wo Menschen in Not waren, ohne dabei nach der Konfession zu fragen. "Damit haben Fotos: Schuppert Foto: Schuppert sie auf ihre Weise die Liebe zum Nächsten, gespeist aus der Liebe zu Gott, gelebt." Auch wenn die Schwestern Gotha jetzt verließen: "Im Gebet werden sie mit der Stadt und mit der Gemeinde immer verbunden bleiben", betonte Heller.

Und die vier Ordensfrauen mussten an diesem Tag viele Hände schütteln. Vertreter der Stadt und des Landkreises waren gekommen, um sich zu verabschieden. Die Gemeinde bedankte sich mit einer Feierstunde, bei dem auch die Jüngsten mit einer Flötengruppe mitmachten. Die Schwestern in Gotha waren von Anfang besonders in der ambulanten Krankenpflege tätig, betreuten in Kriegszeiten die Verwundeten, führten bis zum Schluss ein kleines Altersheim und übernahmen verschiedene Arbeiten in der Gemeinde.

Für die Berliner Regionaloberin, Schwester Dominika, ist die Schließung der Niederlassung zwar bedauerlich, aber nicht hoffnungslos. "Ich bin mir sicher, dass engagierte Laien die Aufgaben der Schwestern übernehmen können", meint sie. In diesem Jahr müsse die Gemeinschaft insgesamt fünf Niederlassungen -allein drei im Bistum Erfurt -schließen. Die Gothaer Schwestern werden neue Aufgaben in Halle und Dresden übernehmen. Und noch ein Trost gibt es: Die Schwestern von der heiligen Elisabeth werden im Bistum weiter in Leinefelde und Weimar tätig sein.

Die Entstehung der Schwesterngemeinschaft geht auf Clara Wolff zurück, die 1842 im schlesischen Neisse die Initiative zur ambulanten Krankenpflege ergriff und begann, sich um bedürftige Patienten in deren Wohnungen zu kümmern. Ihr schlossen sich bald drei weitere Frauen an: die Geschwister Mathilde und Maria Merkert sowie Franziska Werner. Am 27. September 1842 stellten die vier Frauen ihre Arbeit unter den Segen der Kirche und schlossen sich zu einer Gemeinschaft zusammen. Ihr Einsatz fand schnell Anerkennung und Unterstützung.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 42 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 20.10.2003

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