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Bistum Erfurt

"Wir sind nicht für uns selbst da"

Der Pastoralkongress richtete den Blick in die Zukunft

Arbeit in der Werkstatt: In der Kilianikapelle war die Gastfreundschaft der Gemeinden das Thema.

Erfurt (as) -Mucksmäuschenstill ist es, als Elke Schwarz aus ihrem Leben erzählt. Im Gebäude der Thüringer Landesentwicklungsgesellschaft haben sich an diesem Freitagabend rund 240 Katholiken zum Pastoralkongress versammelt. Und der begann mit einem Paukenschlag: Elke Schwarz, Adelheid Naumann, Rene Schmücking und Sven Gerlach berichteten darüber, wie sie zum Glauben gefunden oder ihn wieder gefunden haben: Auf Umwegen, mit persönlichen Rückschlägen, nach intensiver Suche und dann mit einer bewussten Entscheidung.

Gott packt zu -auch bei denen, die, wie Elke Schwarz, "mit der Bibel jahrelang nichts anfangen konnten" und denen die Gottesdienste zunächst fremd waren. Gott packt zu -auch bei Nichtchristen. Und die standen im Zentrum des Pastoralkongresses: "Das Evangelium -Licht für uns. Licht für alle" lautete das Motto. Dabei ging es nicht um ein "Anliegen für heute und morgen", wie Bischof Joachim Wanke sagte, sondern um die Wiedergewinnung und Grundbestimmung des Christseins. Wanke: "Wir sind nicht für uns selbst da. Wir haben als katholische Christen für alle Bürger in diesem Land eine Aufgabe. Ohne das Evangelium Jesu Christi fehlt Thüringen etwas Entscheidendes". Dafür müssten sich die Christen sensibilisieren. "Aufbewahrtes Manna verdirbt. Glaube, der nicht unter die Leute kommt, wird schal. Der Christ, der nur sich selbst bewahren will, wird ungenießbar", betonte der Bischof.

Dabei stehen die Chancen für religiöse Aufbrüche nicht schlecht -das zeigte vor allem ein Vortrag der Jenaer Kulturwissenschaftlerin Christel Köhle- Hezinger. Bei der Arbeit mit ihren Studenten habe sie ein breites Interesse an religiösen Themen entdeckt, das sich oft auch in ganz persönlichen Bekenntnissen äußere -ein Potenzial, das die Kirchen nutzen sollten.

Gäste sollen sich in der Gemeinde Zuhause fühlen

Zur Sache ging es am Samstag in den so genannten Werkstätten. In der Gruppe "Übersetzer gesucht -heute von Gott reden" machte der Thüringer MDRHörfunkchef Matthias Gehler deutlich, dass es nicht nur darum geht, was man, sondern vor allem, wie man es sagt.

Die Gruppe "Gastgeber gesucht -Gemeinde für uns und für andere", die der Diözesanjugendseelsorger des Bistums Gäste sollen sich in der Gemeinde Zuhause fühlen Dresden-Meißen, Gregor Giele, leitete, fragte vor allem nach Möglichkeiten, Fremde aufzunehmen, nicht nur im Vorübergehen, sondern so, dass sie sich "Zuhause fühlen". Weitere Gruppen beschäftigten sich mit persönlicher Spiritualität, der Rede von Gott in den Medien sowie praktischen Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit. Die Ergebnisse des Kongresses werden in einer Dokumentation zusammengefasst und den Gemeinden zur Verfügung gestellt.

Was hat der Pastoralkongress für die Teilnehmer gebracht, was werden sie mit nach Hause nehmen? "Angesprochen hat mich besonders der Vortrag des Bischofs", sagt Walburga Gassmann aus Kefferhausen. Wichtig war für sie auch das gemeinsame Gebet, zu dem sich die Tagungsteilnehmer immer wieder zusammengefunden haben.

Und der Leiterin der Caritas- Sozialstation in Worbis, Marie- Theresia Adler, haben vor allem die persönlichen Glaubenszeugnisse beeindruckt. Zuhause werde sie von ihren Eindrücken berichten. "Aber die Atmosphäre des Kongresses werde ich wohl nicht wiedergeben können, man muss dabei gewesen sein."

Stärkung im Glauben und der Mut, das Evangelium nicht für sich zu behalten. Das war nicht nur die Kernbotschaft des Pastoralkongresses, sondern ist Auftrag an alle Christen in Thüringen. Ohne die Begeisterung dämpfen zu wollen, warnte Bischof Wanke allerdings vor zu hohen Erwartungen: "Es ist nicht gesagt, dass unser Bemühen, in diesem Land das Evangelium bekannt zu machen, sofort und auf die Schnelle die Kircheneintrittszahlen erhöhen wird", betont er. Zu groß sei die innere Distanz zur Institution Kirche, die viele Ursachen habe. Die Kirche werde aber auf lange Sicht wieder an Überzeugungskraft gewinnen -in einigen lebendigen Gemeinschaften schon heute.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 42 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 20.10.2003

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