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Auf zwei Minuten

Dienst an Gott und den Menschen

Wenn wir am Gottesdienst teilnehmen, flüchten wir nicht aus unserer Alltagswelt und aus unserer Vera

Pater Damian

Ein Priester aus Haiti berichtet: Sonntagsmesse auf einem Außenposten. Die Leute freuen sich schon lange darauf. Während des Bußaktes zu Beginn der Messe entdecken sie, dass im Dorf Streit herrscht: Zwei Familien sind zerstritten. Traurig stellen sie fest, dass sie unter diesen Umständen keine Eucharistie feiern können. Denn Jesus hat gesagt: "Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe" (Mt 5,23-24). Da meldet sich einer: Ich habe Krach mit dem Nachbarn. Wo ist er? Der Nachbar ist nicht da. Man betet, singt, rezitiert den Rosenkranz, bringt Fürbitten vor, bis der andere Mann gefunden ist und zur Versammlung stößt. Hoffentlich machen sie Frieden, damit wir die Eucharistie feiern können! Die beiden sprechen sich vor der Gemeinde aus, versöhnen sich -nehmen teil an der allgemeinen Freude. Jetzt haben wir beiseite geschafft, was der Bruder gegen seinen Bruder hatte, jetzt können wir Gottesdienst feiern. (nach W. Hoffsümmer).

Hier wird deutlich: Gottes- und Menschendienst gehören unlösbar zusammen. Wenn wir am Gottesdienst teilnehmen, flüchten wir nicht aus unserer Alltagswelt und aus unserer Verantwortung, sondern wir nehmen unser ganzes Leben, unsere Beziehungen zu anderen Menschen mit hinein in die Feier. Wie die Liebe zu Gott und zum Nächsten untrennbar sind, so sind Gottes- und Menschendienst aufeinander bezogen. Der eine Dienst ist ohne den anderen sinnlos, leer, unglaubwürdig. In der Feier der Eucharistie lassen wir uns ein auf die Lebenspraxis Jesu Christi. Er war mit seinem göttlichen Vater innig verbunden in Gebet und Liebe, und er suchte die Zeit und Stille für das Gespräch mit Gott, wenn immer es möglich war: "In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten" (Mk 1,35). Und gleichzeitig kümmert er sich um die Menschen, verkündet ihnen die frohe Botschaft, heilt sie von vielen Krankheiten, befreit sie von sie knechtenden Dämonen.

Im Gottesdienst gewinnen wir Kraft für ein Leben, das anderen Mut und Hoffnung geben kann. Wenn wir einander unser Fehlverhalten, unsere gegenseitigen Verletzungen, unsere Verweigerung zur Kommunikation vergeben, dann geben wir uns selbst und den Brüdern und Schwestern die Chance, einen neuen Anfang zu setzen. Es wird uns nicht immer möglich sein, uns mit einem Bruder, einer Schwester, "die etwas gegen uns haben" vor dem Gottesdienst ins Einvernehmen zu setzen. Aber wäre unser Gottesdienst nicht viel ehrlicher und lebensbezogen, wenn wir wenigstens im Herzen uns versöhnten mit allen, die etwas gegen uns und gegen die wir etwas haben?

Pater Damian Meyer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 41 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 13.10.2003

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