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Bistum Erfurt

Jesus ist nicht nur für Katholiken da

Die Katholiken von Artern feierten das 100-jährige Jubiläum ihres Gotteshauses

Handschellen zum Jubiläum: Aber der Arterner Polizeichef, Karl-Ullrich Schlaudruff (rechts) wollte Pfarrer Otto Stöber nicht gleich festsetzen. Kirche kann auch durchaus 'fesselnd' sein, meint er.

Artern (as) -Die "Stadt der Träume" lag noch im Schlummer, als sich die Katholiken von Artern aufmachten: Dieser Tag der deutschen Einheit war für sie und ihre Gäste ein besonderer, denn sie feierten das 100-jährige Weihejubiläum ihrer Kirche St. Bonifatius. Generalvikar Georg Jelich war gekommen, der frühere Pfarrer Franz Stitz und Freunde aus der Partnergemeinde Einbeck im Bistum Hildesheim. Sogar ein Missionar aus Brasilien feierte den Gottesdienst mit.

Und wenn schon mal von Träumen die Rede ist. "St. Bonifatius ist ein Kirchentraum", sagte Generalvikar Jelich in seiner Festpredigt. "Ein Ort, wo sich Gott und Mensch begegnen". Die Kirche sei keine Isolierkanne, die die Wärme für sich behalte. In einer Kirche werde dem Menschen zugesagt. "Hier bist du willkommen, egal in welcher Lebenslage du dich befindest." Für den Christen von heute gelte es, dieses Willkommen Gottes weiterzusagen. Jelich: "Jesus ist nicht nur für die Katholiken, sondern für alle Menschen gekommen." Wichtig sei aber ebenso, dass Gott den Menschen brauche, um sein Heil zu wirken.

Nach dem Gottesdienst gab es Grußworte mit den besten Wünschen für die Gemeinde -eins sogar aus dem fernen Saratow von Bischof Clemens Pickel, dessen Eltern bis 1989 im Arterner Pfarrhaus wohnten und der in dieser Kirche seine Primiz feierte. Der Polizeichef von Artern, Karl-Ullrich Schlaudruff, überreichte dem sportbegeisterten Pfarrer Otto Stöber nicht nur Bälle, sondern auch ein paar Handschellen.

Aber weder der Generalvikar noch der Pfarrer sollten abgeführt werden, was nach Schlaudruffs Überzeugung eine echte Schlagzeile gewesen wäre, sondern es soll bedeuten: Kirche kann auch fesselnd sein. Und die Beamten der gegenüberliegenden Polizeistation sind oft zu Gast im Pfarrhaus. "Manchmal haben wir schon überlegt, ob wir die ,110' nicht umleiten sollen", sagte der Polizeichef, der am Kirchweihjubiläum auch Protagonist der MDR-Reihe "Artern -Stadt der Träume" war.

Die Gemeinde in Artern, die heute Teil des Seelsorgebereiches Heygendorf, Roßleben, Wiehe und Donndorf ist, gehört erst seit 1994 zum Bistum Erfurt. In den letzten Jahren wurden an der Kirche umfangreiche Sanierungsarbeiten vorgenommen:
Unter anderem wurden das Dach der Kirche und des Wohnhauses erneuert, der Turm saniert sowie die Dielung der Kirchenfußbodens ersetzt. Dankbar dafür ist die Gemeinde vor allem dem Bistum und dem Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken, die mit kräftigen Finanzspritzen nachhalfen. Ein besonderer Höhepunkt im Gemeindeleben war der Besuch des Apostolischen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Giovanni Lajolo, am 22. April 2000. Und auch wenn die Zahl der Katholiken in Artern kleiner geworden ist: Der Glaube ist auch in dieser kleinen Gemeinde immer noch lebendig.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 41 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 13.10.2003

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