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Auf zwei Minuten

Gebt Ihr ihnen zu essen

Gedanken von Pater Damian

Die Speisung der 5000 durch Jesus wird von allen Evangelisten berichtet. Nach der Fassung des Matthäus, Markus und Lukas traten die Jünger an Jesus heran mit dem Vorschlag, die Leute zu entlassen, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können. Jesus aber erwidert: "Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen etwas zu essen!" ..."Wie viele Brote habt ihr? Geht und seht nach!" Und die Jünger stellen fest: "Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns." Vor Jahren wurde in einem Film mit dem Titel "Das erste Evangelium" über die wunderbare Brotvermehrung berichtet. Man sah viele hungrige Menschen, fünf Brote und zwei Fische und einen Stapel leerer Körbe. Auf einmal waren alle diese Körbe gefüllt, und die Apostel begannen, die Brotstücke an die Menschen auszuteilen. So aber wird das Wunder in den Evangelien nicht beschrieben! Im Film sieht das ganze nach Zauberei aus, als wollte man sagen: Erst das Wunder, dann kommt der Glaube. Im Evangelium aber ist es umgekehrt. Jesus stellt seine Jünger auf die Glaubensprobe und lässt sie das Wenige an die Menge austeilen. Im Glauben an Jesus beginnen sie auszuteilen. Und siehe da: Es reicht für alle, alle werden satt, und es bleiben noch zwölf Körbe mit Resten übrig. Sozusagen unter der Hand geschieht das Wunder.

Ich möchte hier keine längere Auslegung dieser Geschichte versuchen, sondern nur den einen Satz, der mich fasziniert, herausstellen: Gebt ihr ihnen zu essen! Das ist eine große Herausforderung: Wagt es mit dem Wenigen! Wagt es, die große Armut in der Welt mit euren fünf oder zehn Euro zu bekämpfen. Wenn das alle tun, geschieht das große Wunder. Wagt es mit dem Wenigen an Güte, an Liebe -im Glauben! Ihr werdet Großes vollbringen. Gott wirkt daraus ein Wunder. Gerade in schwierigen Situationen werden wir an Gott verwiesen. Von Jesus heißt es: "Er nahm die fünf Brote, blickte zum Himmel hinauf und sprach den Segen" (Mt 14,19). Nach dem Bericht des Evangelisten Johannes rechnet der Jünger Philippus aus, dass nicht einmal 200 Denare genug sind, dass jeder nur ein wenig bekommt. Und Andreas meint: "Was sind fünf Gerstenbrote und zwei Fische für so viele?"

Gotthold Ephraim Lessings Vater, der Pastor Primarius Magister Johann Gottlieb Lessing, und der Hamburger Hauptpastor Erdmann Neumeister streiten sich um die Ehre der Verfasserschaft eines Chorals, in dem die wunderbare Speisung der Fünftausend durch Jesus geschildert wird. In diesem Lied "Mein lieber Gott soll walten" findet sich die ergreifende und humorvolle Strophe: "Andreas hat gefehlet, Philippus hat gezählet, sie rechnen wie ein Kind. Mein Jesus kann addieren und kann multiplizieren, auch da, wo lauter Nullen sind."

Pater Damian Meyer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 39 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 25.09.2003

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