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Aus der Region

Gesungene Gebete und ein Hit über Mutter Teresa

Angela Wiedl und Oswald Sattler auf Kirchenkonzert-Tournee

Angela Wiedl und Oswald Sattler "Ob jemand getauft ist und zu einer Kirche gehört, das hängt doch oft damit zusammen, wann und wo er geboren und aufgewachsen ist", sagt Oswald Sattler. Der Volksmusikstar weiß, wovon er spricht. Er stammt aus Südtirol, und dort ist man katholisch. Das Publikum, vor dem er in diesen Wochen zusammen mit seiner aus Bayern stammenden Kollegin Angela Wiedl auftritt, stammt überwiegend aus Ostdeutschland. Hier gehört man mehrheitlich zu keiner Kirche. Trotzdem kommen die Menschen in Scharen zu den Kirchenkonzerten nach Grimma, Freiberg, Bernburg und in die 13 anderen ostdeutschen Orte. Hier erleben sie ein zweistündiges Programm, in dem die beiden Volksmusiker traditionelle Kirchemusik und neue religiöse Lieder mit passenden Hits aus ihrem eigenen Repertoire verbinden.

Fromme Musik vor ungetauften Zuhörern? "Jeder Mensch glaubt an etwas", ist Sattler sicher und meint das durchaus in religiösem Sinn. "Und man kann nie in einen anderen Menschen hineinsehen, was, woran und wie intensiv er glaubt." So wie in seiner Heimat Südtirol viele Leute Religion mit Tradition verwechselten, könnte es ja im Osten Deutschlands möglich sein, dass mancher auch ohne Taufschein und Kirchenmitgliedschaft ein religiöser Mensch ist.

Auf alle Fälle möchte Sattler seine Zuhörer mit den religiösen Texten erreichen und ihnen etwas Positives für ihr Leben mitgeben. Ein Beispiel ist sein Kyrie: "Herr, erbarme dich unser, dass uns die Hoffnung nie fehlt. Auf den geschundenen Schultern trägst du das Kreuz der Welt ... Herr, erbarme dich, führe uns zum Licht, lass das Gute siegen, statt hassen im Herzen lieben ..."

Besonders beeindruckend ist Sattlers musikalische Auseinandersetzung mit dem Thema Tod: "... Wenn der kühle Nebel kommt, schau ich nochmal ins Land, wo ich ein Teil der Schöpfung war und Glück und Liebe fand. Bevor mein Herz für immer schweigt, sag ich noch, ich bereu'. Herr, mein letzter Atemzug bittet dich, verzeih. Und atme ich die Seele aus nach Erdenjahren hier, dann sei ihr gnädig, großer Gott, und lass sie ein bei dir." Tod ist für Sattler ein Teil der Natur. Und der Gedanke an ihn erschrecke ihn nicht. Wichtig sei es aber, jeden Tag so zu leben, dass man sich nichts vorzuwerfen habe.

Viele Lieder, die Oswald Sattler an diesem Abend singt, sind Gebete. Dass sich Glaube im Alltag ausdrücken muss, ist ein Thema der Lieder, die Angela Wiedl in diesen Konzerten singt. Sie erzählt vom Umgang der Menschen miteinander oder von der bedrohten Schönheit der Schöpfung. "Wir sind alle Kinder Gottes, und vor ihm sind alle gleich, jeder soll hier glücklich werden, Groß und Klein und Arm und Reich", heißt es beispielsweise. Oder: "Erhalte, was Gott uns geschenkt. Die Berge, die Täler, die Seen, all die Flüsse und Wälder, Wiesen und Felder, all das ist unendlich schön. Drum erhalte was Gott uns geschenkt, all die Wunder, die uns heut gehör'n, sind so einmalig, niemand darf sie zerstör'n."

Natürlich fehlt auch einer der größten Hits von Angela Wiedl nicht: "Mama Teresa" (erster Platz der ZDF-Jahreshitparade 1994) handelt von Mutter Teresa. Was beeindruckt die Sängerin an dieser Frau? "Unter den schlimmsten Umständen war sie für die Ärmsten da, um Gott und den Menschen zu dienen", antwortet sie. Im Lied drückt sie das so aus: "Mama Teresa war stets da, dort wo die Not am größten war. Mama Teresa steht allein gegen ein Meer von Traurigkeit. Ihre Hand hat viele Sorgen geheilt, sie hat ihr Brot mit den Armen geteilt ..." Eine kleine Hilfe dazu ist übrigens auch das Lied: Weil alle daran Beteiligten auf ihre Einnahmen verzichten, wird der Erlös den Schwestern von Mutter Teresa zur Verfügung gestellt werden. Bisher sind das über 75 000 Euro. mh

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 11.09.2003

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