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Bistum Erfurt

Kommen Frauen in der Bibel überhaupt vor?

Frauen-Gemeinschaftstag stand im Zeichen der Bibel

Bibelquiz: Wer war der dritte Sohn Salomos? Klüschen Hagis -"Meinst du, die Bibel kann uns Antworten auf heutige Fragen geben? Kommen Frauen in der Bibel überhaupt vor?" Das Anspiel am Beginn des Gottesdienstes beim Gemeinschaftstag der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) am 23. August ließ zunächst nichts Gutes ahnen. Die Bibel haben doch Männer geschrieben, heißt es, "es gibt doch keine Geschichten von Frauen, und wenn, dann sollen wir dienen oder Leiden aushalten".

Großer Irrtum: Frauen spielen eine starke Rolle in der Bibel. Das beweisen die Geschichten von Elisabeth, die noch im hohen Alter ein Kind bekam, von Marta und Maria oder von der Syrophönizierin, wo der Leser erfährt, dass Jesus nicht nur zu den Juden, sondern zu allen Menschen gekommen ist. Fazit: "Jesus kennt uns Frauen. Er schätzt und liebt uns und will uns sein Heil schenken."

"Bibelfest" -unter diesem Motto stand der kfd-Gemeinschaftstag auf dem Klüschen Hagis, zu dem etwa 500 Frauen gekommen waren. Im Jahr der Bibel Grund genug auf Entdeckungsreise zu gehen -welche Rolle spielen Frauen in der Bibel oder wie ist Jesus mit ihnen umgegangen? "Da gibt es auch vieles, was unverständlich ist", gesteht Edith Wilhelm aus Niederorschel, die den Tag auf dem Klüschen ebenso wie die Frauengruppe aus Deuna mit vorbereitet hat. "Zum Beispiel, warum Jesus Frauen manchmal sehr hartnäckig und schroff abweist."

Der Erfurter Bischof Joachim Wanke, der den Gottesdienst mit dem kfd-Diözesanpräses Detlev Hagen sowie Pfarrer V../../incenz Hoppe aus Deuna und Dechant Engelbert Dietrich aus Worbis hielt, machte den Frauen Mut: Es gelte, in der Bibel die Mitte zu erkennen und in den Alltag zu nehmen. Den Glauben könne man nicht an Äußerlichkeiten festmachen -das Herz muss dabei sein. "Gott neu entdecken an der Hand Jesu Christi. Wenn das neu begriffen wird, hat man die innere Mitte des Christentums erfasst", sagte der Bischof. Wanke rief dazu auf, auch in den Frauengruppen Schriftlesungen zu halten, um die Bibel besser zu verstehen. In der Schrift gebe es Stellen, von denen man einfach nicht genug kriegen könne.

Nach dem Gottesdienst gab es beim Picknick Kulinarisches aus der Bibel. Einige Frauengruppen haben verschiedene Bibelrezepte ausprobiert -da gab es zum Beispiel eine Datteltorte oder "Saras Fladenbrot". Und wer wirklich bibelfest war, zeigte sich beim anschließenden Bibelquiz. Manche Fragen waren so knifflig, dass sogar der Exeget Joachim Wanke scharf nachdenken musste.

Besinnung, Kraft schöpfen, Gemeinschaft finden. Das ist der Sinn der kfd-Gemeinschaftstage Frauen sind in der Gesellschaft auch heute noch benachteiligt. Viele Frauen haben die doppelte Last von Haushalt und Beruf meist allein zu tragen, werden für die gleiche Arbeit geringer bezahlt -von den Schwierigkeiten, die allein Erziehende haben, ganz zu schweigen. Da braucht es eine starke Lobby für die Frauen, ist die Erfurter kfd-Diözesanvorsitzende Maria Sommer überzeugt, jemand, der die Stimme für sie erhebt. Die Katholische Frauengemeinschaft engagiere sich deshalb nicht nur in den Pfarrgemeinden, sondern versuche auch politischen Einfluss zu nehmen und die Interessen der Frauen zu vertreten.

Die kfd hat bundesweit etwa 700 000 Mitglieder -im Bistum Erfurt gibt es 13 kfd-Gruppen, die sich mit einer Ausnahme - Weimar -alle im Eichsfeld befinden. Den Begegnungstag auf dem Klüschen Hagis gibt es seit 10 Jahren. Die kfd-Gruppen sind in den Gemeinden ehrenamtlich aktiv, organisieren Basare für soziale Anliegen, übernehmen aber auch Beratungs- und Hilfsdienste, zum Beispiel für allein Erziehende . Andreas Schuppert

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 03.09.2003

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