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Wie mit Erbstücken Kunst erhalten wird

Eine Verkaufsaktion der Erfurter Domgemeinde soll zusätzlich Geld in die Kasse bringen

Interessante Angebote: Der Erfurter Dompfarrer Reinhard Hauke (ganz rechts) öffnete das Schmuckkästchen der Domgemeinde und will mit dem Erlös die Kunstwerke der Bischofskirche erhalten.

Erfurt -Der Mann hat Ideen. Ob "niederschwellige Angebote" in der Seelsorge wie Segnung am Valentinstag, Lebenswendefeiern oder Weihnachtsgottesdienste für Nichtchristen. Der Erfurter Dompfarrer Reinhard Hauke ist für seine Aktionen längst über die Grenzen des eigenen Bistums bekannt. Jetzt hat sich der ruhelose Öffentlichkeitsarbeiter wieder etwas Neues einfallen lassen. Eine Schmuckaktion startete am 20. August im Gemeindehaus der St. Severigemeinde auf dem Erfurter Domberg. Gegen eine angemessene Spende wurden Schmuckstücke im Wert von rund 20 000 Euro angeboten, die aus Erbschaften an die Domgemeinde stammen. Grund der ebenso spektakulären wie medienwirksamen Veranstaltung sind die leeren Kassen auch in der Domgemeinde. Der Erlös dient dazu, dringende Restaurierungen von Kunstwerken des Domes zu finanzieren. Allein die Sanierung eines gotischen Kreuzes kostet zum Beispiel 6000 Euro.

Etwa 30 Liebhaber von Schmuck haben sich an diesem Abend auf dem Domberg eingefunden, um die Angebote zu begutachten. "Teilweise absolute Experten", erfährt Dompfarrer Hauke aus den Gesprächen mit ihnen. Begehrt sind vor allem kleinere Stücke wie Ringe oder Armbänder. Der Einzelwert der Schmuckstücke bewegt sich zwischen 50 und 2250 Euro. Veronika Meinung und Kristina Schleiff aus der Domgemeinde wollen zwar nichts kaufen, haben sich die Aktion aber trotzdem nicht entgehen lassen. "Bei den knappen Kassen, kommt das gerade richtig", ist Frau Meinung überzeugt. "Hoffentlich lohnt sich das auch".

Die evangelische Christin Mechthild Luke aus Erfurt war ebenso neugierig: Ihr hat es ein Biedermeyer-Ring angetan. Ob sie den aber gekauft hat, will sie nicht sagen. Jedenfalls findet sie die Aktion gut und vor allem nützlich. Ein Angebot für einen Ring, für den es noch keine Expertise gab, hat Friederike Queisser, die erst seit Mai in Erfurt lebt, gemacht. Den Zettel mit "ihrem Preis" drauf steckt sie in einen Karton, der am Eingang des Gemeindesaales aufgestellt ist. "Wenn die Expertise für den Ring da ist, schreibe ich Sie an und dann werden sie sehen, ob sie richtig gelegen haben", scherzt Dompfarrer Hauke mit seiner "Kundin". Frau Queisser ist von der Verkaufsaktion ebenfalls begeistert. "Es ist doch schade, wenn der ganze Schmuck irgendwo rumliegt und es keine Verwendung dafür gibt", meint sie.

Dass die Erbstücke an die Gemeinde jetzt "rumliegen" hat allerdings seinen Grund. Etwa die Hälfte der Stücke stammt aus der DDR-Zeit und war für die Anschaffung und Reparatur von liturgischen Geräten bestimmt. Wie so vieles waren auch Edelmetalle in der DDR Mangelware. Gold und Silber für Kelche oder Hostienschalen zum Beispiel mussten sich die Gemeinden selbst besorgen, was man vor allem durch Altmaterial bewerkstelligte. Ein mühseliges Verfahren. Nach der Wende änderte sich die Situation schlagartig. Altmaterial zu verwenden würde heute die Herstellung von liturgischen Geräten verteuern.

Die vorhandenen Schmuckstücke so Hauke, sollen aber trotzdem den Kunstwerken im Dom zugute kommen. Mit dem ersten Echo auf seine Aktion ist der Dompfarrer zufrieden -was sie gebracht hat, wird die Auswertung zeigen. Hauke "Vielleicht ist es auch eine Anregung für andere Gemeinden, Ähnliches zu machen"

Andreas Schuppert

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 35 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 31.08.2003

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