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Bistum Magdeburg

Betroffene mit Hilfswerken zufrieden

Caritas legt ein Jahr nach dem Jahrhunderthochwasser Fluthilfe-Bilanz vor / Hilfe geht weiter

Magdeburg (cpi/db) -Ein Jahr nach der Flut sind die Schäden des Jahrhunderthochwassers vielerorts kaum noch zu sehen. Durch die finanzielle Hilfe aus Spendenmitteln konnte auch im Bistum Magdeburg rasch mit dem Wiederaufbau begonnen werden. Ein Jahr nach der Flut hat die Bistumscaritas mehr als 4300 Anträge bearbeitet und bereits 11,6 Millionen Euro ausgezahlt. Das sind rund 80 Prozent der Spendengelder, wie der katholische Wohlfahrtsverband am 21. August vor Journalisten in Magdeburg mitteilte.

"Seit Beginn der Flutkatastrophe war die Caritas vor Ort und stand den Betroffenen gemeinsam mit den beiden anderen großen Hilfsorganisationen Diakonie und Rotes Kreuz zur Seite", erinnerte Franz Jorgol, Diözesan-Caritasdirektor, an die Tage und Wochen im vergangenen August, als Elbe und Mulde über ihre Ufer traten und verheerende materielle und immaterielle Schäden verursachten. Schnell sei deutlich geworden, dass Geld allein nicht immer weiterhelfe, so Jorgol. Denn eine Hilfe, die langfristig und nachhaltig wirken soll, durfte nicht nur die materiellen Schäden in Blick nehmen. Wie groß die Not in den einzelnen Haushalten tatsächlich ist, lässt sich nicht nur an der Höhe des Schadens festmachen. Einkommen und Familiengröße, laufende Kredite oder drohender Arbeitsplatzverlust haben einen entscheidenden Einfluss darauf, wie die Betroffenen mit ihrer Situation zurecht kommen.

Um ein klares Bild von den jeweiligen Umständen vor Ort zu bekommen, waren 16 Caritas- Fluthelfer im Bistum Magdeburg unterwegs, darunter Sozialarbeiter, aber auch Baufachleute. Sie besuchten die Flutopfer zu Hause, halfen beim Ausfüllen der Anträge und boten Rat und Hilfe an. Die Mitarbeiter brachten nicht nur Formulare mit, sondern auch Zeit. Denn die von der Flut Geschädigten wollten oft einfach nur über das Erlebte sprechen. "Die Programme zur Auszahlung der Spendengelder wurden von uns ständig weiterentwickelt, der Praxis angepasst und mit Diakonie und Rotem Kreuz sowie dem Land abgestimmt", erläutert Carl de Boor, zuständig für die Caritas-Fluthilfe im Bistum Magdeburg. Dadurch konnten die Hilfsorganisationen den Flutopfern eine größtmögliche, effektive und am tatsächlichen Bedarf orientierte Hilfe zuteil werden lassen. "Durch den ständigen Kontakt und die gute Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen, aber auch den Katastrophenstäben vor Ort sowie den staatlichen Stellen konnte sichergestellt werden, dass das Geld gerecht verteilt wird", so de Boor. Gleichzeitig sei durch die vernetzte Arbeit verhindert worden, die Flutbetroffenen durch verschiedene Arten der Spendenvergabe unnötig zu verunsichern.

Dass dieses Konzept aufgegangen ist, belegt auch eine Umfrage unter Flutbetroffenen der Universität Halle-Wittenberg, die von der Caritas in Auftrag gegeben wurde. Darin zeigten sich die Befragten mit der Unterstützung von Caritas, Diakonie und Rotem Kreuz sehr zufrieden. 53 Prozent gaben an, mehr Hilfe als erwartet bekommen zu haben. In Abgrenzung zu anderen Hilfsangeboten wurde die Arbeit der Caritas und den anderen Wohlfahrtsverbänden als weniger bürokratisch und professioneller eingestuft.

Besonders hob Jorgol die ausgesprochen gute Zusammenarbeit mit den Pfarrgemeinden vor Ort hervor. Diese haben sich in der akuten Not vorbildlich engagiert, halfen beim Verteilen von Lebensmitteln und Kleidern und beteiligten sich bei den Aufräumarbeiten nach der Katastrophe. "Hätten wir nicht auf diese bereits vorhandenen ehrenamtlichen Strukturen zurückgreifen können, wäre eine so erfolgreiche Hilfe in den Flutgebieten gar nicht möglich gewesen", resümiert er. Diese hervorragende Gemeinschaftsleistung schließt auch den Dank an die unzähligen Helfer mit ein, die mit einer Geldspende, mit Kleidung und Hausrat oder bei der Verpflegung der Rettungskräfte geholfen haben.

Die Fluthilfe der Caritas endet nicht mit Antragsschluss für finanzielle Hilfen am 31. August dieses Jahres. "Wir lassen die Flutbetroffenen nicht allein", betont Jorgol. Jeder, der Hilfe benötige, könne sich auch weiterhin an die Caritas-Mitarbeiter wenden. Beratung und Betreuung der Flutbetroffenen gehe da weiter, wo sie nötig sei. Einen besonderen Schwerpunkt legt der katholische Wohlfahrtsverband in der kommenden Zeit auf besondere soziale Härtefälle. Hierzu werden gegenwärtig Richtlinien erarbeitet. Darüber hinaus initiiert und unterstützt der Sozialverband Projekte, die eine Verbesserung des Gemeinwesens zum Ziel haben. "Unser Ziel ist es, die Solidarität und Hilfsbereitschaft, die während der aktuen Gefahrenzeit erlebbar war, auch weiterhin in der Gesellschaft zu fördern", umschreibt de Boor die weitere Arbeit.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 35 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 31.08.2003

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