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Aus der Region

Mit einem Gebet ins Schuljahr

Seelsorger an Schulen wollen Kindern und Jugendlichen Mut machen

Dresden -Montagabend wird die Lutherkirche in Dresden voll sein. Rund 600 Schüler, Lehrer, Eltern und Ehemalige des katholischen Benno-Gymnasiums feiern ihren Gottesdienst zum Schuljahresbeginn. So wie hier in der sächsischen Landeshauptstadt gehört die Feier in einer Kirche für viele Schulen ganz einfach zum Start ins neue Jahr dazu. "Besonders den Neuen wollen wir Mut und Kraft geben", sagt Jesuitenpater Michael Beschorner, Seelsorger am Benno-Gymnasium. Feierlich ziehen die Fünftklässler in die volle Kirche ein. Ältere Mädchen und Jungen übergeben ihnen während des ökumenischen Wortgottesdiens-tes kleine tönerne Fische: Symbole ihrer neuen Schule und des christlichen Glaubens, der das Gymnasium prägt.

Schulseelsorge hat schon längst nicht mehr allein die Schüler im Blick. Für die Schulgemeinschaft aus Schülern, Lehrern und Eltern am Benno-Gymnasium ist der Gottesdienst wichtiger Treffpunkt nach den Ferien. Der Abendtermin kommt diesem Bedürfnis entgegen, sagt Pater Beschorner.

Unterschiedliche religiöse Hintergründe und Kenntnisse fordern die Seelsorger heute heraus. Katholiken, Protestanten und Ungetaufte sitzen zusammen. Häufig passt dann ein Wortgottesdienst besser in die Schullandschaft als die klassische Eucharistiefeier.

Segen von der Pastorin

Vermutlich einmalig ist die ökumenische Situation am katholischen Mall../../inckrodt-Gymnasium in Dortmund. Hier amtiert neben Pfarrer Joachim Göbel eine evangelische Pastorin, die eigens für diesen Job an einer katholischen Schule von ihrer Landeskirche abgestellt worden ist. So gibt es nun an der Dortmunder Schule neben ökumenischen Gottesdiensten Eucharistiefeiern für die katholischen und Abendmahlfeiern für die evangelischen Schüler. Und gemeinsam werden Pfarrer und Pastorin die neuen Kinder zum Schulbeginn begrüßen und ihnen den Segen spenden: "Wir fangen mit Gott an", diese Botschaft soll die Mädchen und Jungen begleiten, sagt Pfarrer Göbel.

Vor allem an den vielen weltlichen Schulen kann die Botschaft nicht immer von Priestern oder anderen kirchlichen Mitarbeitern überbracht werden. Oft engagieren sich Religionslehrer, christliche Schüler und Eltern im Gottesdienst. Fachleute der Bistümer begleiten mit Angeboten zur Fortbildung diesen Einsatz. Burghard Förster aus dem Schuldezernat Limburg erkennt gar in der Schulseelsorge "einen Grundauftrag des Religionsunterrichts". Dabei wissen auch die Experten wie Winfried Verburg, Schulabteilungsleiter im Bistum Osnabrück: "Die Ansprüche wachsen!" Aufmerksame Lehrer und Seelsorger werden oft zu ersten Ansprechpartnern, wenn Schüler in einer Krise stecken.

So ist es konsequent, dass die Schulseelsorge längst über die Kapelle und den Meditationsraum hinausreicht: Religionslehrer begleiten Klassen zu Tagen der Orientierung, bieten Sprechstunden an, laden ins Kloster ein oder besuchen mit Schülern Obdachlosenprojekte. Kinder, Eltern und Lehrer können so an der Schule die "froh und heilmachende Wirkung des christlichen Glaubens" (Bischofskonferenz 1996) erfahren. Für viele auch an kirchlichen Schulen, so hat es Pfarrer Göbel erfahren, ist es der erste Kontakt zum Christentum überhaupt. In einigen Fällen wird mehr daraus. Ihren Wiedereintritt in die Kirche begründete eine Mutter in Hannover jüngst mit erlebten Anstößen in den Schulgottesdiensten ihrer Kinder.

Bernhard Remmers

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 34 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 25.08.2003

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