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Auf zwei Minuten

Schick doch einen anderen

Jesus hat seine Jünger auch nicht unter Musterknaben ausgesucht. Für uns ist das Trost und Ermutigun

Pater Damian

"Man müsste doch ... Man sollte aber jetzt ..." Dass etwas geschehen muss, das sieht jeder ein. "Würden Sie diese Aufgabe, bitte, übernehmen, Herr Müller!" -"Warum ich, ich bin dafür nicht geeignet. Frau Lehmann kann das viel besser." Wir alle haben Erfahrung damit, wie wir versuchen, uns vor einer Aufgabe und der Verantwortung zu drücken. Der Chef oder der Leiter einer Versammlung schaut in die Runde und sucht einen, der die Arbeit übernimmt. "Hoffentlich schaut er mich nicht an, ich habe doch schon genug zu tun und kenne mich in der Sache nicht aus. Andere können die Aufgabe viel besser erledigen."

Gott sicherte Mose seinen Beistand zu

Solche Ausreden und Ausflüchte sind uralt. Schauen wir auf Mose. Er hat versucht, sich dem Auftrag Gottes mit solchen Reden zu entziehen. Worum ging es? Gott hatte sich dem Mose als der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und Jakobs im brennenden Dornbusch offenbart als "Ich bin der ‚Ich-bin-da'." (Ex 3). Er zeigt sich als Gott, der Erbarmen mit seinem Volk Israel hat und es aus der Sklaverei in Ägypten befreien will. Und jetzt sucht er sich ausgerechnet den Schafhirten Mose als sein Werkzeug aus: "Und jetzt geh! Ich sende dich zum Pharao. Führe mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten heraus!" Und Mose antwortet: "Wieso ich? Wer bin ich schon! Ich habe außerdem einen Ägypter erschlagen." Gott versichert dem Mose, dass er bei ihm sein werde. Und er gibt ihm verschiedene Zeichen seiner wunderbaren Macht, die er dem Mose übertragen will. Das genügt Mose dennoch nicht. Er versucht es mit einer neuen Ausflucht: "Aber bitte, Herr, ich bin keiner, der gut reden kann ... Mein Mund und meine Zunge sind nämlich schwerfällig." Der Herr aber entgegnet: "Ich bin mit deinem Mund und weise dich an, was du reden sollst." Mose weigert sich dennoch: "Aber bitte, Herr, schick doch einen andern!" Wir kennen den Fortgang der Geschichte: Mose gehorcht schließlich und führt das Volk gegen alle Widerstände in die Freiheit.

Es ist schon eigenartig, wie Gott die Schwachen und Unvollkommenen für seine Aufgaben auswählt. Auch der Prophet Jeremia versucht sich der Sendung zu entziehen mit dem Hinweis auf seine Jugend: "Ach, mein Gott und Herr, ich kann doch nicht reden, ich bin ja noch so jung" (Jer 1,6). Und Jesus hat seine zwölf Jünger auch nicht unter Musterknaben ausgesucht. Für uns ist das Trost und Ermutigung: Gott kann mit jedem Menschen etwas anfangen. Er mutet uns viel zu!

Pater Damian Meyer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 34 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 25.08.2003

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