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Bistum Magdeburg

Kampf gegen Jahrtausende alte Krankheit

Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk in Magdeburg

DAHW Mitarbeiterinnen Renate Reichelt (li.) und Marion Mirbach Magdeburg (dw) - "Was, Lepra gibt es immer noch?", bekommen Mitarbeiter des Deutschen Aussätzigen-Hilfswerkes (DAHW) bei ihren Informationsveranstaltungen immer wieder zu hören. Öffentlichkeitsarbeit gehört zu den wichtigsten Aufgaben von Renate Reichelt, die seit 1992 die Magdeburger Außenstelle des DAHW leitet. "Je intensiver über die Situation der Lepra-Infizierten informiert wird, umso größer ist die Hilfsbereitschaft, die sie hier bei uns erfahren", sagt sie. Höhepunkte ihrer Arbeit sind deshalb die Vortragsreisen, bei denen Fachleute hautnah von ihrem Einsatz in Lepragebieten Indiens, Pakistans, Brasiliens und Tansanias berichten. Mit ihrer Kollegin Marion Mirbach bereitet Renate Reichelt diese Reisen durch Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt vor und begleitet die Gäste zu den öffentlichen Veranstaltungen. Die prominenteste Referentin ist wohl die aus Leipzig stammende Ärztin Ruth Pfau, die in den vergangenen Jahren mehrmals von ihrem Einsatz in Pakistan erzählt hat.
Wenn gerade keine Vortragsreise organisiert werden muss, ist Renate Reichelt selber häufig unterwegs. Besonders von Schulklassen wird sie als Referentin angefragt. Im Unterricht erzählt sie nicht nur von den Auswirkungen und Heilungschancen der Krankheit, sondern gibt auch Hintergrundwissen über soziale, kulturelle und politische Zusammenhänge weiter. So erfahren die Schüler, wie schwierig es ist, Erkrankte frühzeitig ausfindig zu machen. Häufig gehören sie zu den untersten sozialen Schichten, zum Teil leben sie in entlegenen Regionen. Das vor 48 Jahren gegründete Aussätzigen-Hilfswerk legt seit einigen Jahren immer mehr Wert darauf, den Patienten über die vergleichweise preiswerte medikamentöse Behandlung hinaus weitere Hilfen anzubieten, damit sie trotz ihrer Behinderungen ihren Platz in der Gesellschaft finden. Je nach den Bedürfnissen bekommen Erkrankte zum Beispiel Kleindarlehen oder andere Unterstützung für den Aufbau eines gesicherten Lebensunterhaltes oder den Bau geeigneter Unterkünfte für ihre Familien.
Bei den Schülern, aber auch in Gruppen und Gemeinden rufen die Vorträge von Renate Reichelt und den DAHW-Gästen vielfältige Echos hervor. In einer Reihe von Schulen, Pfarreien und soziokulturellen Zentren sind Basare, Aktionen und Ausstellungen zugunsten der Leprahilfe bereits zur festen Tradition geworden, an den verschiedensten Orten gibt es spontane Einzelaktionen, zum Beispiel ein Benefizlauf oder ein runder Geburtstag, an dem sich das Geburtstagskind anstatt von Geschenken Spenden für das DAHW wünscht.
Wer einen Basar organisieren und dort auch Produkte aus Lepra-Rehabilitationswerkstätten und Kooperativen verkaufen möchte, dem können die Mitarbeiterinnen der Magdeburger DAHW-Außenstelle Kontakt zum Damian-Versand vermitteln. Das unabhängige süddeutsche Unternehmen ist von Mitgliedern einer DAHW-Aktionsgruppe gegründet worden und stellt Waren auf Kommissionsbasis zur Verfügung.

Durch Einzelspenden und unterschiedlichste Aktionen sind in Sachsen-Anhalt 1999 insgesamt 88 000 Mark an Spenden beim DAHW eingegangen, in Sachsen waren es 182 000 Mark und in Thüringen 126 000 Mark.

Gemeinden, die die Arbeit des Hilfswerks unterstützen möchten, empfiehlt die Magdeburger Ansprechpartnerin, "vorhandene Potentiale" zu nutzen: Die St.-Norbert-Gemeinde in Magdeburg-Buckau etwa, in deren Pfarrhaus sich das DAHW-Büro seit 1995 befindet, hat schon mehrfach Benefizkonzerte mit Chor und Schola der Gemeinde und Gastchören veranstaltet.

Die Buckauer Katholiken sammeln insbesondere für die tansanische Leprasiedlung Ifakara. Mit diesem nahm die Leprahilfe der Studentengemeinden in der DDR 1968 ihren Anfang. Initiatoren waren damals die Studenten der Magdeburger KSG, die bei einer Wallfahrt nach Rosenthal die Adresse von Ifakara zugesteckt bekommen hatten. Viele Magdeburger KSGler blieben der Ifakara-Hilfe auch nach ihrer Studentenzeit noch treu und bildeten einen Kreis, der das afrikanische Projekt mit zahlreichen kleinen Hilfssendungen unterstützte. Zu diesem Kreis gehörte auch Renate Reichelt.

Verbindung nach Ifakara hält auch die Jenaer Studentengemeinde, die ein Ausbildungsprojekt für junge Menschen dort fördert.

Nähere Informationen beim Deutschen Aussätzigen-Hilfswerk, Renate Reichelt, Kapellenstraße 3, 39104 Magdeburg, Telefon (03 91) 4 01 50 84, E-Mail: dahw.magdeburg@t-online.de

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 5 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 04.02.2001

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