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Bistum Görlitz

Typisch katholisch oder was?

Daniel Benkö möchte bei seiner Arbeit als angehender Gemeindereferent Vorurteile aufbrechen

Daniel Benkö:

Neuzelle -Seine langen lockigen Haare trägt er zu einem Zopf zusammengebunden, in seiner linken Augenbraue steckt ein Piercing, und früher ging er auch gern einmal auf ein Heavy- Metal- Konzert. Wer Daniel Benkö zum ersten Mal sieht, vermutet selten, dass dieser junge Mann bei der katholischen Kirche angestellt ist. "Ich möchte die Mauern in den Köpfen der Leute durchbrechen und zeigen: Auch als Katholik kann man gut drauf sein", sagt der 27-jährige Gemeindeassistent der Pfarrei Beata Maria Virgo in Neuzelle.

Wie er genau dazu kam, den Beruf des Gemeindereferenten ergreifen zu wollen, das weiß Daniel Benkö gar nicht mehr so recht. "Als Kind wollte ich eigentlich Schauspieler werden und war ein großer Winnetou- Fan", sagt er schmunzelnd. "Nach der Schule habe ich dann eine Lehre als Tischler angefangen. Doch die Aussichten auf einen festen Arbeitsplatz waren sehr schlecht."

Den Bezug zur Kirche hatte der 27-Jährige jedoch schon immer. In seiner Heimatgemeinde in Bischofswerda im Bistum Dresden-Meißen engagierte er sich schon früh in der Jugendarbeit. "Entscheidend für meinen Werdegang als Gemeindereferent waren wohl meine Kontakte zur Franziskusgemeinschaft im Bistum Dresden-Meißen, Eingeladen zum Schlossfest eine Gemeinschaft, deren geistiger Mittelpunkt Jesus ist", so Benkö. "Dort verbrachte ich einige Zeit als Sabath-Gast und spielte sogar mit dem Gedanken in die Gemeinschaft einzutreten."

Bis ihn eines Tages ein Mitglied der Gemeinschaft fragte, ob er sich nicht vorstellen könne, als Gemeindereferent zu arbeiten. "Anfangs wusste ich noch nicht einmal, welche Aufgaben ein Gemeindereferent hat", sagt Benkö. Nachdem er sich genauer informiert hatte, bewarb sich der junge Mann 1997 für die Ausbildung als Gemeindereferent über das Bistum Dresden- Meißen. "Damals waren aber noch so viele Leute an dem Beruf interessiert, dass ich abgelehnt wurde." Ein Jahr später bewarb er sich erneut, diesmal über das Bistum Görlitz. Mit Erfolg: Im September 1998 wurde ihm mitgeteilt, dass er die Ausbildung im damaligen Seminar für Gemeindepastoral in Magdeburg beginnen kann. "Das war erst einmal ein kleiner Schock für mich, denn mittlerweile war ich bei einer Zeitung als Journalist und Fotograf tätig und hatte neue interessante Eindrücke gesammelt", so Benkö. Seinem Glauben blieb er trotz mancher kritischer Auseinandersetzungen stets treu. Und so begann Daniel Benkö in Magdeburg die Ausbildung zum Gemeindereferenten.

"Das erste halbe Jahr der Ausbildung ist mir sehr schwer gefallen", sagt der Gemeindeassistent rückblickend. "Es folgte ein theologischer Hammer nach dem anderen, und wäre nicht nach einem halben Jahr mein erstes Gemeindepraktikum gekommen, dann würde ich sicher heute nicht hier sitzen." Das Praktikum absolvierte der angehende Gemeindereferent in der Gemeinde von Doberlug-Kirchhain unter Pfarrer Norbert Joklitschke, dem heutigen Pfarrer von Spremberg. "Der Pfarrer und ich waren Partner", so Benkö. "Er hat ein ehrliches Interesse an mir und meinem Lernprozess gezeigt. Die Neugierde an dem Beruf steht und fällt mit der Person des Pfarrers, bei dem man sein Praktikum absolviert."

Bei Daniel Benkö war diese Neugierde seither ungebändigt. "Das Interessante an dem Beruf ist, dass ich mit Leuten jeden Alters arbeite, sei es im Religions- Unterricht der Kinder, in Jugend- oder Seniorenkursen", so der Gemeindeassistent. Neben diesen und anderen Aufgaben, in der Gemeinde ist Daniel Benkö in Neuzelle auch für die Kirchenführungen auf dem Gelände des dortigen Klosterstifts zuständig. "120 000 Touristen kommen jährlich. Unter denen sind auch viele, die Kirche nur als Kunst sehen und nicht gläubig sind", sagt Benkö. "Das gibt mir die Möglichkeit Leute zu erreichen, die sonst nicht in die Kirche gehen und ihnen Jesus Christus näher zu bringen. Eine besondere Aufgabe, wie ich finde."

Seit August 2001 ist Daniel Benkö in der Neuzeller Kirchengemeinde tätig. Mittlerweile hat der Hobby-Sänger und -Bassist dort eine kleine Jugendband aufgebaut, die von Zeit zu Zeit die Gottesdienste mitgestaltet. "Es ist schön, wenn Kinder und Jugendliche im Gottesdienst mitwirken", sagt Benkö. Bis 2004 dauert seine Assistentenzeit in Neuzelle noch. "Ich kann mir sehr gut vorstellen", sagt der 27- Jährige, "dann einige Jahre in dem Beruf eines Gemeindereferenten zu arbeiten" und mit langen Haaren und Piercing ein Stück Vorurteil gegen einen typischen Katholiken aufbrechen. Denn: "Piercing und Haare bleiben dran", sagt Daniel Benkö schmunzelnd.

Michaela Mürmann

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 34 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 25.08.2003

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