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Aus der Region

"Öl soll Leben fördern, nicht den Tod"

Appell der Bischöfe Zentralafrikas an die Christen im Norden

Brazzaville - "Unser Öl sollte ein Instrument des Lebens sein und nicht eines, das den Tod über unser Volk bringt!" Zu diesen drastischen Worten fanden die Bischöfe von Kongo-Brazzaville, als 1999 einer der schlimmsten Kriege in der Geschichte des Landes zu Ende ging. Regierungs- und Rebellen-Milizen bekämpften einander - vordergründig ging es um die Interessen politischer Parteien, doch im Hintergrund der Auseinandersetzungen, die zur Flucht von 800 000 Menschen aus ihren Dörfern führten, stand der Kampf um die Verteilung des Ölreichtums im Land.

Öl für Waffen

Die Bischöfe Kongo-Brazzavilles (dem "kleinen" Nachbar zur Demokratischen Republik Kongo) haben daraufhin das Thema der Ölförderung auf die Tagesordnung ihrer zentralafrikanischen Bischofskonferenz gesetzt und dort eine Erklärung verabschiedet, in der sie ihre Empörung darüber äußern, dass die Ölfirmen es zulassen, dass die von ihnen gezahlten Gelder nicht öffentlich im Staatshaushalt ausgewiesen werden und dass die Regierungen Zentralafrikas die Öleinnahmen für den Ankauf von Waffen für Armee und Sicherheitsdienste verwenden statt für die Entwicklung des Landes. Die Bischöfe richten sich aber auch explizit an ihre Mitchristen im Norden, wo die Ölkonzerne, die die Reichtümer ihres Landes ausbeuten, beheimatet sind: "Wir wünschen uns, dass Ihr zum Echo unserer Stimme werdet und unsere Botschaft in Eure Länder hineintragt." Die katholischen Hilfswerke in Europa und in Nordamerika sind dieser Aufforderung gefolgt und unterstützen die Informations- und Lobby-Arbeit der afrikanischen Bischöfe zum Thema Öl. Und sie beteiligen sich - ebenso wie ihre afrikanischen Partner - an der internationalen Kampagne "Publish what you pay". Übersetzt heißt das: "Veröffentlicht Eure Zahlungen an die Regierungen".

Der Appell richtet sich an Ölfirmen wie Shell oder Exxon. Denn bisher fühlen sich die Ölfirmen verpflichtet, die Zahlungen und Abgaben, die sie an die Regierungen in den Förderländer leisten, geheim zu halten. "Wir nehmen an, dass ein Großteil dieser Gelder in dunkle Kanäle fließt - etwa in den Kauf von Waffen oder schlicht in die privaten Kassen von Regierungsmitgliedern", sagt Christiane Overkamp vom Zusammenschluss der katholischen Hilfswerke Cidse mit Sitz in Brüssel.

Dank des internationalen Drucks der Kampagne "Publish what you pay" haben die ersten Staaten bereits angekündigt, die Geldflüsse aus der Ölförderung offen zu legen. Die Cidse-Geschäftsführerin begrüßt diese Entwicklung, betont aber, dass es nun darauf ankomme, die veröffentlichten Zahlen auch analysieren zu können. Denn: "Nur wenn sich Kirche und Zivilgesellschaft genug Kompetenz in diesen Fragen aneignen, werden sie gegenüber der Regierung ihre Mitbestimmung über die sinnvolle Verteilung der Gelder einklagen können."

Bettina Stang

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 33 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 18.08.2003

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