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Aus der Region

Die Mega-Hitze ist hausgemacht

Schöpfungsgemäßes Handeln tut not

München/Köln/Gais - "Um Jakobi heiß und trocken, kann der Bauersmann frohlocken": Schön wär's, nach der Wetterregel für Ende Juli. Aber nein: Die Ernte ist großenteils hin, Fische sterben in den aufgeheizten Gewässern, die Wäldern sind trocken wie Zunder. In Italien, wo seit Ostern keine nennenswerten Niederschläge fielen, rief laut Agenturberichten der Pressedienst der Bischofskonferenz dazu auf, Wasser zu sparen und um Regen zu beten. Nicht genug, meint der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der diözesanen Umweltbeauftragten in Deutschland, Gotthard Dobmeier. "Nur die Spitze des Eisbergs" sei die jüngste Hitzewelle. In den Überflutungen der letzten Jahre und der Trockenheit dieses Sommers sieht er Kapriolen einer Entwicklung, deren Ursachen hausgemacht sind. Der Wettersegen nach der Messe gewinnt für ihn einen ernsten Hintergrund: "Es geht an die Lebensgrundlagen."

Was das heißt, wissen Seelsorger in chronisch dürregeplagten Ländern wie Tansania, wo acht von zehn Menschen direkt vom Ackerbau leben. Fehlt der Regen, gibt es Hunger. Während dann die katholischen Gemeinden ihre Not in Fürbitten fassen, versuchen Priester der traditionellen Religionen mit Tieropfern dem Himmel Segen abzuringen. "Wenn der Regen kommt, weiß man eh nicht, welchem Gebet das zuzuschreiben ist", sagt Pater Wolfgang Büth, der als Missionar der Weißen Väter über 30 Jahre in dem ostafrikanischen Land verbrachte. Aber von der "größeren Gelassenheit" der Tansanier könnten europäische Mitchristen lernen - sie erleichtere nicht nur den seelsorglichen Umgang, sondern helfe auch, die Notlage rational anzugehen.

Grund zur Selbstbesinnung gibt es genug. "Wir können augenblicklich auf niemanden besser schimpfen als auf uns selbst", sagt der Meteorologe Sven Plöger, Wetter-Moderator der ARD. Dass die Durchschnittstemperatur im vergangenen Jahrhundert um 0,6 Grad anstieg, geht auf das Konto menschlicher Einflüsse, da ist Plöger "zu 95 Prozent" sicher. Welche Folgen die scheinbar minimale Veränderung haben kann, lehrt ein Blick in die letzte Eiszeit: Damals war es im Jahresmittel nur vier Grad kälter, aber Europa lag unter einer kilometerdicken Eisschicht. Jetzt erwartet der Experte eine Hebung der Durchschnittstemperatur um zwei bis drei Grad - wenn sich unser Verhalten nicht ändert. "Der Mensch vergewaltigt das Klima, und dann schlägt es zurück."

Dass der einzelne zum Treibhauseffekt so gut wie nichts beitrage, hält er für eine schnöde Ausrede. "Leiten Sie Ihre Autoabgase ins Wageninnere, dann merken Sie den Effekt sehr schnell." Eine drastische Pädagogik, doch allzu viele Zeitgenossen, meint Plöger, entschuldigten sich mit der Untätigkeit der anderen, und kaum jemand erfasse die Zeiträume, in denen sich Klimaentwicklung abspielt. Nach meteorologischen Maßstäben gleicht das Leben eines Menschen, biblisch gesprochen, dem Gras, das morgens aufblüht und abends dahinwelkt. Hier sieht der Wettermann denn auch den "Part der Kirchen": eine Ethik für umweltgerechtes Handeln zu vermitteln, die auf Verantwortung für kommende Generationen statt auf der Angst vor Bußgeldern fußt.

Goldene Worte für den kirchlichen Umweltexperten Dobmeier: Den Energieverbrauch habe jeder selbst in der Hand, Autofahrern redet er ins Gewissen, nach Möglichkeit öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad oder die eigenen Beine zu nutzen. Auch bei Flugreisen rät er zum Abwägen. Nicht die Vorliebe für ferne Länder sei das Problem, "sondern wie ich die Vorliebe do siere". Dobmeier selbst macht's vor - und erholt sich in diesen Tagen beim Radeln am heimischen Chiemsee.

Burkhard Jürgens

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 33 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 18.08.2003

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