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Bistum Görlitz

Wo sich alle Christen wohlfühlen

RKW: Kinder aus Guben und Neuhausen entwarfen ein "Evan-kath-odoxes" Gemeindezentrum

Mit Stroh, Holz und Leim eifrig bei der Arbeit: Teilnehmer der Religiösen Kinderwoche der Gemeinden Guben und Neuhausen bauen ein gemeinsames Zentrum für evangelische, katholische und orthodoxe Christen.

Neuhausen (mim) -Wo können Christen jeder Konfession ihre Gemeinsamkeiten erleben? Kinder und Jugendliche aus den Gemeinden St. Trinitas in Guben und St. Hedwig in Neuhausen können diese Frage seit letzter Woche ganz leicht beantworten: "In einem ,Evan-kath-odoxen' Gemeindezentrum." Diesen Treffpunkt für Christen des evangelischen, katholischen und orthodoxen Glaubens haben sie nämlich am vergangenen Freitag als Miniatur im Rahmen ihrer Religiösen Kinderwoche (RKW) geschaffen.

"Mehr als du glaubst verbindet uns" lautet das Thema der RKW in diesem Jahr. "Nicht die Unterschiede sollen unter diesem Motto beleuchtet werden, sondern die Gemeinsamkeiten aller Christen sollen herausgestellt werden", sagt Diözesanjugendseelsorger Norbert Zwingmann. "Ein Thema, ganz im Blick auf den ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin." So bauten die Kinder auf einer Fläche von einem Quadratmeter kleine Gebäude aus Holz, malten Bäche und Brücken und über dem ganzen Werk prangte ein großes Kreuz -das Zeichen, das alle Christen verbindet.

Bereits während der vorherigen Tage hatten sie sich mit drei christlichen Konfessionen näher befasst. So lernten die Kinder etwa, dass evangelische, katholische und orthodoxe Christen das Bekenntnis zum dreieinigen Gott, die Taufe sowie das Gebet gemeinsam haben.

Religiöse Kinderwochen verbinden die Gemeinden

Dass der Glaube Christen miteinander verbindet, das zeigen die Gemeinden aus Guben und Neuhausen mittlerweile seit neun Jahren durch ihre gemeinsamen Religiösen Kinderwochen. "Unsere Gemeinde in Neuhausen war immer zu klein für eine eigene RKW", sagt Stefanie Brux, Mitorganisatorin der Kinderwoche. "Also haben wir uns 1994 mit der Gemeinde in Guben zusammen getan. So haben wir nun an die 50 Teilnehmer vom Vorschulalter bis zum 18. Lebensjahr."

Mit den Jahren sind zwischen den Kindern beider Gemeinden wahre Freundschaften gewachsen. "Die Vorfreude auf die Kinderwochen ist immer riesig, da jeder hier viele Freunde wieder trifft", weiß Frau Brux. "Außerdem können auch Freunde mitgebracht werden, die vielleicht einmal neugierig auf die RKW sind." So war es etwa bei den beiden Cousinen Linda (14) und Claudia (13) aus Neuhausen: "Ich bin katholisch und meine Cousine Linda ist evangelisch", sagt Claudia, während beide eifrig am "Evan-kath-odoxen" Gemeindezentrum" weiter basteln. "Weil wir viel miteinander unternehmen, habe ich sie mal gefragt, ob sie nicht mitkommen möchte." Und Linda ergänzt: "Mir hat die RKW gut gefallen, so dass ich nun jedes Jahr mitkomme."

Allerdings ist fraglich, wie lange diese gemeinsamen Kinderwochen noch stattfinden können. "Viele unserer Kinder sind mittlerweile zu Jugendlichen herangewachsen. Neue Kinder aus niedrigeren Schulklassen kommen kaum hinzu", bedauert Stefanie Brux. "Zudem müssen die Eltern seit einiger Zeit einen Großteil der Kosten selbst tragen." Dennoch hoffen alle, im nächsten Jahr das zehnjährige Jubiläum der gemeinsamen Kinderwochen feiern zu können. An den ehrenamtlichen Helfern wird das jedenfalls nicht scheitern. "Es ist toll, wie viele junge Menschen sich jedes Jahr freiwillig als Helfer melden", freut sich Verena Michalczyk, Gemeindereferentin in Guben. "Als Kinder kamen sie in die RKWs und sind mit ihnen aufgewachsen. Dadurch haben viele Gefallen an der Jugendarbeit gefunden."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 33 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 18.08.2003

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