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Die Stimme der Jugendlichen

Junge Pfarrgemeinderäte trafen sich in Neuhausen zum Erfahrungsaustausch

Jugendliche Pfarrgemeinderatsmitglieder bei ihrer Tagung Neuhausen (fun) - "Ich bin von älteren Jugendlichen gefragt worden. Die fanden es wichtig, dass jemand von der Jugend im Pfarrgemeinderat ist. Da sich kein anderer aus unserer Gruppe gefunden hat, habe ich diese Verantwortung auf mich genommen." "Hast Du es schon einmal bereut?" "Nein." - So antwortet ein Jugendlicher, als er über seinen Weg in den Pfarrgemeinderat befragt wird. Er gehörte zu insgesamt 15 Teilnehmern eines Treffens für junge Pfarrgemeinderatsmitglieder im Neuhausener Don Bosco Haus.
Die Veranstaltung, organisiert vom BDKJ, war die erste dieser Art. Die Idee dazu entstand vor knapp einem Jahr, nach der vergangenen Pfarrgemeinderatswahl. Damals hatte der BDKJ eine Handreichung für junge Pfarrgemeinderatsmitglieder herausgegeben. Unter dem gleichen Motto wie das Heft stand die Veranstaltung in Neuhausen: "Ihr seid das Licht der Welt". Zwischen 16 Jahren und Ende 20 waren die jungen Menschen, die aus Reichenbach/Mengelsdorf, Görlitz, Lübben, Spremberg, Peitz, Senftenberg, Cottbus, Jauernick und Weißwasser gekommen waren.
Der Jüngste unter ihnen, gerade 16 Jahre alt, ist Thomas Wiedemann. Seit fast einem Jahr ist er im Pfarrgemeinderat der Görlitzer St.-Jakobus-Gemeinde. Die Gemeindereferentin hatte ihn angesprochen, ob er nicht Lust dazu hätte: "Meine Motivation war, dass ich die Interessen der Jugendlichen vertreten und außerdem einmal sehen wollte, wie der Pfarrgemeinderat funktioniert und arbeitet." In Neuhausen habe er festgestellt, dass viele die gleichen Erfahrungen aber auch Probleme und Sorgen haben.
"Als jüngstes Mitglied muss man alles genau erklären, sich rechtfertigen und glaubwürdig wirken", war zum Beispiel beim schriftlichen Erfahrungsaustausch zu lesen. "Es ist deprimierend, wenn der Pfarrer über 50 Prozent der Sitzungen fehlt", bemängelte ein anderer. Doch nicht nur Negatives war zu finden: "Für das Selbstbewusstsein ist es eine tolle Erfahrung - man kann etwas bewirken, mitbestimmen, mit Vertretern aller Altersklassen ins Gespräch kommen."

Es sei wichtig, dass Jugendliche einbezogen werden und dass ihre Interessen in der Gemeinde vertreten werden, sagte beim folgenden Auswertungsgespräch Bildungsreferent Ferdinand Liedke, der das Treffen gemeinsam mit Diözesanjugendseelsorger Bosco Marschner und zwei Praktikantinnen leitete. Motivierend für die Jugendliche sei es insbesondere, wenn ihnen Vertrauen entgegengebracht werde.

Dies bestätigten dann auch die jungen Pfarrgemeinderatsmitglieder. Sie wollen von der Gemeinde und vom Pfarrer ernst genommen werden. Sie wünschen sich eine gute Kommunikation in der Gemeinde zwischen den verschiedenen Altersklassen, verbunden mit der Möglichkeit, von der Mehrheitsmeinung abweichende Positionen äußern zu dürfen. Sie möchten daran mitwirken, das Gemeindeleben - gerade in kleineren Gemeinden - zu stärken. Nicht immer hätten Pfarrgemeinderäte dafür genügend Spielraum. Mitunter seien die Pfarrer zu dominant und nähmen die Entscheidungsfähigkeit des Pfarrgemeinderats nicht richtig wahr, merkten einige Jugendliche kritisch an.

In Gruppenarbeit besprachen die Kursteilnehmer beispielhaft ein konkretes Problem und werteten die Ergebnisse anschließend gemeinsam aus. Von dieser Projektarbeit - so die allgemeine Meinung - könne auch in die Gemeinden viel mitgenommen werden.

Die jungen Pfarrgemeinderäte beschlossen, sich im Sommer ein weiteres Mal zu treffen. Dann soll es vor allem um Rechte und Pflichte eines Pfarrgemeinderats gehen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 5 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 04.02.2001

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