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Bistum Görlitz

Auf dem Glauben ruht das Leben

Die Kolpingsfamilie in Bernsdorf feierte 50-jähriges Jubiläum

Ehrung der Jubilare: Kolpingschwester Carmen Thomschke gratuliert Siegfried Scholz, Jochen Ermer und Ursula Gerischer (von rechts) zum Mitgliedsjubiläum.

Bernsdorf -War es Übermut, war es Wahnsinn oder einfach die tiefe Überzeugung, das Richtige zu tun? Im Jahr des Arbeiteraufstandes, als nach dem 17. Juni auch der letzte Widerstand gegen die DDR-Regierung gebrochen schien, gründeten in der Gemeinde St. Joseph in Bernsdorf eine Handvoll Wagemutige die Kolpingsfamilie -und verschrieben sich damit einer Sache, die dem Sozialismus ganz und gar nicht in den Kram passte. Am vergangenen Wochenende feierte die Bernsdorfer Kolpinger ihr 50-jähriges Jubiläum -froh darüber, die stürmischen Zeiten überstanden zu haben und voll Zuversicht in die Zukunft blicken zu können.

Motto des Tages war natürlich ein Wort des Gesellenvaters: Auf dem Glauben ruht das Leben. Bischof Rudolf Müller hielt den Festgottesdienst am Sonntag, befreundete Kolpingsfamilien aus den Bistümern Münster, Dresden-Meißen, Berlin und Görlitz waren gekommen, um zu gratulieren.

Kolping -das ist für die 32 Bernsdorfer Mitglieder nicht Vereinsmeierei, sondern festes Programm, Lebensgrundlage. "Kolping hat Ideale vertreten, für die es sich auch heute noch zu leben lohnt", betont der Vorsitzende der Bernsdorfer Kolpinger, Siegfried Scholz, der auch auf eine 25-jähriges Mitgliedschaft zurückblicken konnte. 50 Jahre ist Jochen Ermer schon dabei, ebenfalls Silberjubilarin war Ursula Gerischer. Dora Palat, Valentina Silbernagel und Herbert Necas wurde in die Gemeinschaft an diesem Wochende aufgenommen. "Wir wollen für andere da sein und verstehen uns als Teil der Gemeinde", so der Vorsitzende. Über allen müsse aber der Glaube stehen.

Das betonte auch Bischof Rudolf Müller in seiner Predigt während des Festgottesdienstes. Glaube, so Müller, sei keine Privatsache, sondern richte sich an alle Menschen. Deshalb sei es für die Christen entscheidend, Fundamente zu schaffen, die nicht nur das eigene christliche Leben stärken, sondern auch anderen Zuversicht geben könnten. "Lebendig glauben heißt, mit der Existenz Gottes in meinem Leben rechnen", sagte der Bischof. Besonders wichtig sei deshalb das Gebet in der Familie.

Eine inzwischen über zehnjährige Freundschaft verbindet die Bernsdorfer Kolpingsfamilie mit der in Brake im Bistum Münster, mit über 40 000 Mitgliedern der größte Diözesanverband weltweit. Seit dem Beginn dieser Partnerschaft ist Anita Gärtner aus Brake bei gemeinsamen Treffen dabei -und sie ist auch diesmal von der Weser in die Lausitz gekommen. Die Hausfrau ist stellvertretende Münsteraner Diözesanvorsitzende und engagiert sich besonders für Frauen, die durch ungewollte Schwangerschaften in Not geraten oder allein erziehend sind. An der Bernsdorfer Kolpingsfamilie bewundert sie vor allem das Engagement, was sie in den Kolpingsfamilien des Westens oft vermisst. "Was mich an den Kolpingsfamilien im Osten auch fasziniert, ist die tiefe Frömmigkeit und die Bereitschaft, auch mit kleinen Dingen zufrieden zu sein. Davon können und müssen wir im Westen lernen", sagt Frau Gärtner. Höhepunkt der gemeinsamen Treffen seien die Oldenburger Kolpingtage.

Die Kolpingsfamilie von Bernsdorf ist umgekehrt froh, dass ihr die Eingliederung in die Verbandsstruktur nach der Wende relativ problemlos gelungen ist. Heute engagiert sie sich besonders im sozialen Bereich, organisert Spenden und Transportleistungen für das Hartmut- Kania-Haus der Caritas in St. Petersburg. Solidaritätsaktionen gab es auch für die Hochwassergeschädigten. In Bernsdorf ist man überzeugt: Das soziale Werk Kolpings ist heute aktueller denn je.

Andreas Schuppert

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 32 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 11.08.2003

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