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Aus der Region

Weder Euphorie, noch Skepsis

Zur Situation eines Berufes

Welche Zukunft hat der Beruf Gemeindereferent/in? Dr. Katharina Seifert von der entsprechenden Ausbildungsstätte in Freiburg sprach unter anderem darüber kürzlich in Magdeburg. Anlass war die Schließung des dortigen Seminars. Frau Seifert berichtete von einer "Zukunftskonferenz" in Freiburg:

... Die Themen waren auf unser Anliegen abgestimmt. So wurde zusammengetragen "worauf wir stolz sind" in der Ausübung des Berufes Gemeindereferent, Gemeindereferentin und "was wir bedauern". Ich wähle einige Beispiele aus:

Worauf wir stolz sind: dass Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten Beziehungsarbeiter sind und dafür ausgebildet werden; dass sie immer mehr als Seelsorgerinnen und Seelsorger wahrgenommen werden; dass sie eigenständig, professionell arbeiten und Leitungskompetenz haben; dass sie eng mit Ehrenamtlichen zusammenarbeiten und sie für ihre Arbeit befähigen; dass der diakonische Aspekt durch die ganze Berufsgeschichte präsent ist; dass Interesse besteht an der Entwicklung des Berufes und die Wertschätzung der pastoralen Berufe gefördert wird.

Was wir bedauern: dass Struktur- und Organisationsfragen mehr Zeit in Anspruch nehmen als die Seelsorge; das Wachsen der Berufsunzufriedenheit; dass es zu wenig Austausch über Glaubensfragen gibt. Wir bedauern die Binnensprache und Binnenkirchlichkeit; dass der Same des Evangeliums im Unkraut des Alltags erstickt; dass es kaum Aufstiegschancen gibt.

Beim Blick in die Zukunft dürfen Visionen nicht fehlen. Deshalb einige Visionen: Erstens: Die Kirche wirkt missionarisch. Zweitens: Sie ist Kirche in Einheit und Vielfalt. Drittens: Wir faszinieren, wirken überzeugend und authentisch und leben mit Leidenschaft und Gelassenheit unseren Auftrag in der Kirche. Viertens: Es haben sich Hausgemeinden gefunden. Fünftens: Kollegiale Strukturen haben sich in der Kirche etabliert. Sechstens: Es gibt Bedarfsermittlung in den Gemeinden und eine Prioritätensetzung in der Pastoral durch die Bistumsleitung. Siebentens: Es gibt Personalentwicklung. Achtens: Die Bezahlung erfolgt nach Tätigkeiten und Verantwortungsbereichen und nicht nach Studienabschluss. Neuntens: Gemeinde- und Pastoralreferenten haben eine gemeinsame Berufsbezeichnung. Zehntens: Die Orte des Glaubens sind untereinander vernetzt.

Was behindert die Umsetzung solcher Visionen? Fehlende längerfristige Konzepte, der Anspruch einer flächendeckenden Pastoral, mangelnde Flexibilität der Berufsträgerinnen und Berufsträger und des Systems Kirche überhaupt, das Pfarreiprinzip, die Standespolitik, ein sich breit machender negativer Blickwinkel, Angst vor Veränderung.

Bis zu diesem Teil war eine große Kreativität und Ideenreichtum der Teilnehmenden zu spüren. Schwieriger wurde es, als nach möglichen Projekten gesucht wurde und wer sich dafür stark macht, sie anzustoßen oder umzusetzen ...

Auch wenn dieser Abschluss etwas ernüchternd war, so wurde doch ein breiter Austausch angeregt. Die Themen und Fragen, die umtreiben, waren auf dem Tisch. Personen, die nicht ständig mit Gemeindereferenten Kontakt haben, versicherten, ihnen sei manches bewusst geworden, darunter waren auch Vertreter aus dem Ordinariat. Für mich bleibt es ein großes Erlebnis, wie diese unterschiedlichen und anfangs fremden Menschen miteinander in Kontakt kamen und gearbeitet haben. Hierarchien spielten kaum eine Rolle.

Klar wurde: Unsere Arbeit darf weder von Euphorie noch von Skepsis geprägt sein. Sie braucht eine nüchterne, tiefgreifende Hoffnung, die fest im Leben steht und doch die Perspektive sucht ...

Alles hat seine Zeit in der Geschichte. Das lehren uns die Ausgrabungen am Dom hier in Magdeburg. Die Geschichte ist Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen. Wichtiger als archäologische Spuren früherer Zeiten ist zu erfahren, wie in dieser konkreten Zeit Heil gewirkt wurde. Es wird einmal kaum archäologische Spuren vom Seminar für Gemeindepastoral im Neustädter Bierweg geben. Aber hier ist Großartiges in schwerer Zeit bewirkt worden. Es hat einen tiefen Sinn in sich.

Der Schatz des Glaubens schenkt Hoffnung und lässt uns zukunftsfähig sein. Zukunft beginnt heute! Ich wünsche uns allen einen vertrauensvollen Aufbruch in die Zukunft!

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 32 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 11.08.2003

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