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Bistum Görlitz

Hilfe aus der Apotheke Gottes

Im Kräutergarten von Gabriele Schröder wachsen rund fünfzig verschiedene Heilpflanzen

Kraft der Natur: Gabriele Schröder möchte mit ihrem Garten von der heilenden Wirkung der Kräuter erzählen.

Groß Beuchow (mim) -"Der Herr lässt die Arznei aus der Erde wachsen, und ein Vernünftiger verachtet sie nicht." In großen Buchstaben steht dieser Vers aus der Bibel (Sirach 38,4) auf einer Tafel am Eingang des Kräutergartens im kleinen Örtchen Groß Beuchow, nahe Lübbenau. In Form eines großen 40 mal 25 Meter großen Kreuzes erstrecken sich hier die unterschiedlichsten Kräuter- und Naturheilpflanzen, von Brennessel bis Beinwurz, von Johanniskraut bis Sauerklee -stets sorgfältig mit Namensschildern versehen und einem Verweis auf die Krankheiten, bei denen den Kräutern heilende Wirkung zugesprochen wird.

Über ein Jahr lang hat Gabriele Schröder an der Umsetzung dieses Gartens geplant. Sogar nach Thüringen und Bayern ist sie gefahren, um seltene Kräuter zu pflücken, die nur in höheren Lagen zu finden sind. "Aber die meisten Pflanzen wachsen ja gleich vor unserer Tür. Wir erkennen sie nur nicht, sondern nennen sie schlichtweg Unkraut", sagt Gabriele Schröder.

Und eben aus diesem Grund hat die 44-Jährige den Garten geschaffen. "Hier können die Menschen all die schönen Kräuter, die Gott uns geschenkt hat, kennen lernen", sagt sie. "Ich möchte ihnen zeigen, welch heilende Wirkung Kräuter aus der Apotheke Gottes haben können. Ich selbst habe schon viele gute Erfahrungen mit den Heilpflanzen gemacht."

Ob Halsschmerzen, Magen- Darm-Krankheiten oder Gelenk- Beschwerden: Gegen jede Krankheit scheint in Gabriele Schröders Garten sprichwörtlich ein Kraut zu wachsen. Ihr stetiger Begleiter ist dabei das Buch von Maria Treben "Gesundheit aus der Apotheke Gottes", nach dessen Aussagen sie ihren Garten angelegt hat. "Ich war sofort faszniniert von all den Kräutern und ihren Heilkräften bei den verschiedensten Krankheiten", sagt Frau Schröder. Von da an eignete sie sich ein umfangreiches Wissen über die Wirkung der einzelnen Pflanzen an, stellte Tinkturen her und machte bei größeren wie kleineren Wehwehchen von diesen Gebrauch.

Pflanzenheilkunde aus Sicht der Schulmedizin

Trotz aller Überzeugung von der Heilkraft ihrer Kräuter betont Gabriele Schröder: "Ich bitte jeden, der zu mir kommt, erst einen Arzt aufzusuchen." Ein Schild im Garten weist die Besucher zudem darauf hin, dass Frau Schröder "für mögliche gesundheitliche Schäden keine Haftung" übernimmt. "Man möchte sich ja nicht in die Nesseln setzen", sagt sie.

Aus Sicht der Schulmedizin ist die Anwendung von Heilpflanzen vor allem bei schwerwiegenden Erkrankungen umstritten: "Das Schlimme daran ist, dass erfolgreichere Maßnahmen der Schulmedizin hinausgezögert werden", sagt Professor Hans- Willi M. Breuer, Ärztlicher Leiter des St.-Carolus-Krankenhauses in Görlitz. "Während sich die Menschen auf paramedizinische Maßnahmen einlassen, verlieren sie kostbare Zeit, in der schulmedizinische Maßnahmen die Krankheit hätten aufhalten, zurückhalten oder stabilisieren können."

Dennoch räumt Professor Breuer auch ein, dass einige Wirkungen von Kräutern wissenschaftlich nachgewiesen sind. "Knoblauch zum Beispiel wirkt blutverdünnend", sagt er. "Doch im Vergleich zu einem einfachen Aspirin hat Knoblauch eine vielfach schwächere Wirkung." Entscheidend sei, die Erfolge von Kräutern immer in Relation zu sehen. "Und da, wo es um lebensbedrohliche Krankheiten geht, darf eine schulmedizinische Therapie keinesfalls hinausgezögert werden", appelliert der Arzt eindringlich.

Seit der offiziellen Segnung des Kräutergartens am 13. Juli durch Diakon Alois Klein aus Gröditsch und den Luckauer Pfarrer Horst Lischka kann sich nun jeder Interessierte persönlich ein Bild von der Vielfalt und der Kraft der Kräuter machen. Rund 50 Leute waren am Tag der Segnung bereits neugierig nach Groß Beuchow gekommen. In Zukunft bietet Gabriele Schröder Foto: Mürmann Zu zweit die Aufgabe bewältigt: Pfarrer Bernhard Kirschstein diktierte seiner blinden Schwester Hedwig Fritsch den Bibeltext. Großräschen -Wenn die fertig gebundene Bistumsbibel ab September durch die Gemeinden geht, kann jeder Einzelne die individuellen Handschriften seiner Bistumsmitglieder darin bewundern. Einmal sind die Buchstaben geschwungen, mit vielen Wellen und Bögen in schwarzer Tinte, ein anderes Mal kaum lesbar mit vielen Haken und blauem Kugelschreiber geschrieben. Und dann gibt es zwei Seiten in der Bistumsbibel, auf der sind keine Buchstaben und keine Tinte zu sehen -sie scheinen auf den ersten Blick leer zu sein. Erst durch genaueres Hinsehen und vorsichtiges Fühlen wird der Betrachter merken, dass der Text auf diesen Seiten aus vielen kleinen kreisrunden Erhebungen besteht -aus Blindenschrift. Hedwig Fritsch aus Großräschen hat diese Seiten abgeeinmal im Monat sowie auf Anfrage Führungen durch ihren Garten an. Abschließender Höhepunkt ist immer die gemeinsame Herstellung von zwei Kräutertinkturen. "Jeder soll die Möglichkeit nutzen können, die Apotheke Gottes kennen zu lernen und anzuwenden", sagt Gabriele Schröder.

Führungen sind am 16. August,
13. September und 11. Oktober
jeweils um 14 Uhr,
Gartenstraße 1,
Groß Beuchow.
Weitere Infos bei Gabriele Schröder
Tel. (0 35 42) 4 66 03.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 31 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 03.08.2003

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