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Bistum Erfurt

Dauerhafte Freundschaften entstanden

Zehn Jahre deutsch-rumänische Jugendbegegnungen im Banat

Beim Puddingkochen: Im Jugendhaus Weidenthal treffen sich deutsche und rumänische Jugendliche.

Erfurt -Ein kleines Haus im rumänischen Seminikgebirge, das sonst eigentlich 20 Personen eine einfache Unterkunft bietet, wird am 9. August wohl aus den Nähten platzen. Alle, die in den letzten Jahren an den jährlichen Begegnungstreffen einheimischer Jugendlicher mit jungen Thüringern teilgenommen haben, sind zur Feier des zehnjährigen Bestehens dieses Jugendhauses in Weidenthal (Brebu Nou) eingeladen. Ein großes Festbüffet mit rumänischen und deutschen Köstlichkeiten, ein buntes Kulturprogramm aus beiden Ländern und eine große Dia-Show bilden den angemessenen Rahmen dafür.

Heimliche Treffen zu kommunistischen Zeiten

Die Feier findet statt im Rahmen einer Jugendbegegnung vom 4. bis 18. August statt. Je zehn bis 15 Teilnehmer aus beiden Ländern verbringen wie schon in den Jahren zuvor die meiste Zeit davon in diesem Jugendhaus. Auf dem Programm stehen neben der Jubiläumsfeier auch eine Stadtführung durch Caransebes, ein deutsch-rumänischer Märchenabend, ein Austausch der Jugendlichen über das rumänische und das deutsche Bildungssystem, ein Arbeitseinsatz -Ausund Weiterbau des Speisesaals -ein Besuch der orthodoxen Kirche und der Caritas-Sozialstation in Resita, eine Wanderung zum Seminik sowie eine Exkursion nach Timisoara.

"Es ist immer wieder unheimlich interessant, so ein Land im Aufbruch zu erleben. Die Offenheit und übergroße Gastfreundschaft der Menschen, die zum großen Teil mit sehr wenig auskommen müssen, sowie die wunderschöne Landschaft faszinieren mich sehr", schwärmt Martina Müller (27), die von Beginn an die Begegnungstreffen in Rumänien begleitet und darüber hinaus auch privat das Land besonders liebgewonnen hat. "Mich zieht es immer wieder in diese Region, weil sich inzwischen zahlreiche enge Freundschaften gebildet haben und die Geschichte dieses Landstücks mich sehr beeindruckt. Ich kann mir daher sehr gut vorstellen, dort auch für einen längeren Zeitraum zu leben", so die gebürtige Erfurterin.

Die Repressalien der sozialistischen Diktatur hatten viele Einwohner des ehemaligen Banater Böhmerdorfes rund 150 Kilometer südwestlich von Timisoara zwangsweise oder freiwillig zum Verlassen der Heimat veranlasst. Seit 1976 war deshalb auch das alte Pfarrhaus nicht mehr bewohnt. Nach den politischen Veränderungen in Mittel- und Osteuropa entstand Anfang der 90er Jahre die Idee, dieses ehemalige Pfarrhaus zu einer Jugendbegegnungsstätte auszubauen.

"Kirchliche Jugendarbeit war zu sozialistischen Zeiten streng verboten", erinnert sich Martina Müller, "der damals zuständige Pfarrer, Reinhold Lovasz, versammelte zwar einige Jugendliche in der Sakristei der kleinen Kirche des Ortes, ansonsten gab es aber kaum Möglichkeiten. Am Anfang haben wir deshalb gemeinsam mit den rumänischen Jugendlichen Radtouren und Zeltlager organisiert, weil sie so etwas gar nicht kannten. Irgendwann stellte sich aber auch die Frage nach ordentlichen räumlichen Voraussetzungen für diese Begegnungstreffen."

Im Frühjahr 1993 erfolgten die ersten Baumaßnahmen gemeinsam durch rumänische und deutsche Jugendliche. Der nach der Wende gerade neu gegründete Verband Katholischer Pfarrjugendgruppen (VKPJ) in Thüringen übernahm die Patenschaft für dieses Projekt. Viele Einrichtungsgegenstände wie Betten, Matratzen, Stühle, Tische, Lampen oder Geschirr und Besteck nahmen die deutschen Jugendlichen damals mit nach Rumänien, um die Voraussetzungen zu schaffen, dass im August desselben Jahres bereits das erste Begegnungstreffen im umgebauten Jugendhaus stattfinden konnte. Neben dem Ortspfarrer war damals auch der Jugendpfarrer des Bistums Erfurt, Gregor Arndt, mit dabei. Er begleitete viele Jahre diese Jugendbegegnungen und pflegt bis heute zahlreiche Kontakte zu Menschen in dieser Region.

Thüringer Verein kümmert sich um Kontakte

In den vergangenen zehn Jahren hat sich im und um das Jugendhaus eine Menge getan. Zu den jährlichen Treffen gehörten auch immer Arbeitseinsätze der Jugendlichen. So wurde das gesamte Haus renoviert, sanitäre Einrichtungen geschaffen und eine Küche eingerichtet. Der alte Schuppen ist zu einem gemütlichen Gruppenraum umgebaut worden und im ehemaligen Küsterhaus wurden Duschen und Toiletten installiert. Es stehen mittlerweile vier Schlafräume zur Verfügung und auch Campingmöglichkeiten sind reichlich vorhanden.

Finanziert wurde dies alles fast ausschließlich durch Spenden aus Deutschland sowie durch die Unterstützung der Caritas in Caransebes und den Franziskanerinnen aus Salzkotten, die mit einem kleinen Kloster vor Ort vertreten sind. In Thüringen hat sich inzwischen ein eigener Verein "Jugendhaus Weidenthal" gegründet, der sich gemeinsam mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Thüringen e.V. um den Ausbau des Projektes und um die Kontakte bemüht.

Robert Weidler

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 31 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 03.08.2003

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