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Bistum Dresden-Meißen

Europa war das Leitmotiv

Im Bistum fand erstmals ein internationales Familientreffen als Pilotprojekt statt

Andere Familien kennen gelernt: Aiga und Armands Celms aus Tukums in Lettland sind mit ihren beiden Kindern Ieva und Anete nach Schmochtitz gekommen. Armands Celms betont unter anderem:

Schmochtitz -Zum Tischgebet erklingen Gospels. Gesprochen wird englisch, ungarisch, lettisch, sorbisch -und ab und zu auch mal deutsch. International ging es vom 21. Juli bis 2. August im Bischof-Benno-Haus in Schmochtitz zu. Acht Familien -Letten, Ungarn aus Rumänien sowie Sorben und Deutsche -trafen sich zu einer Familienfreizeit in der Oberlausitz.

Die Idee dazu hat Projektleiter Guido Erbrich aus seiner Zeit als Mitarbeiter in der Jugendseelsorge des Bistums mitgebracht, wo internationale Jugendtreffen und Singewochen seit Jahren zum festen Programm gehören. "Wir wollten einfach gucken, ob so etwas auch für Familien funktionieren kann", erläutert Erbrich das Anliegen der Veranstaltung, die in diesem Jahr als Pilotprojekt stattfand. Eine Mischung aus Urlaub und thematischen Angeboten -Begegnung und Austausch von Menschen, die in Zukunft in einem vereinigten Europa noch näher zusammenrücken werden. Sponsoren und Zuwendungen der Bundeszentrale für politische Bildung und des Bistums haben es möglich gemacht.

Europa -das war das Leitmotiv des Treffens. "Im Grunde ist Europa dreigeteilt", beschreibt Erbrich den alten Kontinent, "in EU-Mitglieder, EU-Kandidaten und die, die es werden wollen, aber noch nicht sind". Aus allen drei Kategorien waren Vertreter in Schmochtitz.

Und was interessiert Familien mehr als deren Situation in einem anderen Land? Die Teilnehmer stellten mit Spielen und Tänzen Bräuche aus ihrer Heimat vor, besuchten die alte Bischofsstadt Bautzen und gestalteten Gottesdienste in ihren Landessprachen. Ein Besuch des Montessori- Kindergartens in Bautzen gab interessante Aufschlüsse über die unterschiedliche soziale Entwicklung in den einzelnen Ländern. Erbrich: "Vor allem die rumänischen Ungarn waren erstaunt, dass die Kindertagesstätten in Deutschland für die Eltern dasselbe Geld kosten, egal bei welchem Träger."

Aiga und Armands Celms aus Tukums in Lettland sind mit ihren beiden Kindern Ieva und Anete nach Schmochtitz gekommen. Sie sind durch eine Freundin, die schon internationale Jugend- Singewochen im Bistum Dresden-Meißen mitgestaltet hat, auf die Möglichkeit dieses Treffens aufmerksam geworden. "Durch das Programm erfahren wir viel, wie die Familien in anderen Ländern leben", erzählt Armands Celms. "Und wir haben viel Zeit für uns", meint Mutter Aiga. Beeindruckend für die Eltern ist besonders, wie die Kinder miteinander umgehen. "Unsere Ieva spricht lettisch, das andere Mädchen ungarisch und die beiden verstehen sich trotzdem", erzählt der Vater. Für ihn ist es übrigens nicht der erste Deutschland-Aufenthalt.

Als Geodäsist hat er 1999 für zwei Monate in einem deutschlettischen Projekt in Leipzig mitgearbeitet. Das Familientreffen in Schmochtitz, das im nächsten Jahr wieder stattfinden soll, hat den Celms nicht nur interessante Einblicke in das Leben der Familien in Deutschland und anderen europäischen Ländern gegeben, sondern auch gezeigt, dass Verständigung zwischen den Völkern möglich ist. Mit diesen Eindrücken werden sie nach Hause fahren.

Andreas Schuppert

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 31 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 03.08.2003

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