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Die Klappe ist gefallen...

Letzte Drehbuch-Autorenwerkstatt der Katholischen Medienakademie / Verein "TOP: Talente" bemüht sich

Professioneller Pilotfilm: Im Rahmen der Autorenwerkstätten wird auch ein Teil des entstandenen Drehbuchs filmisch umgesetzt.

Leipzig (mh) -Was haben die in Leipzig spielende Krankenhaus- Serie "In aller Freundschaft", der "Marienhof" und die "Verbotene Liebe" aus dem ARD-Vorabendprogramm und "Schwester Stephanie" von SAT 1 gemeinsam? An den Drehbüchern der beliebten Fernseh- Serien schreiben Frauen und Männer mit, die bei der Katholischen Medienakademie (KMA) Ludwigshafen das Drehbuchschreiben gelernt haben. Seit 1991 bietet die Einrichtung unter dem Titel "Talente" Drehbuch- Autoren-Werkstätten an. 121 Leute wurden bisher ausgebildet. Im Rahmen dieser Werkstatt wird jeweils auch ein Pilotfilm zu der von den Teilnehmern konzipierten Serie gedreht. Mit der letzten Klappe für "Villa Zoff" -im Rahmen des jüngsten Seminars vor wenigen Tagen in Leipzig gedreht -könnte auch die Klappe für das ganze Projekt gefallen sein.

"Die KMA wird künftig keine Drehbuch-Autoren-Werkstätten mehr anbieten", erklärt Dr. Anton Magnus Dorn. Er hatte die Ausbildung 1991 wesentlich mit ins Leben gerufen. Seit vergangenem Herbst ist er Ruheständler, die Autoren-Ausbildung aber ist ihm ein Anliegen geblieben. Deshalb war er jetzt nicht nur Seminarleiter, sondern bemüht sich auch um ein Überleben dieser Ausbildung.

Hintergrund ist die Umstrukturierung des Institutes zur Förderung publizistischen Nachwuches (IFP), zu dem die KMA gehört. Aus finanziellen Gründen will sich das Institut künftig auf das so genannte Kerngeschäft beschränken: Unter dem dann neuen Namen Katholische Journalistenschule sollen -wie bisher auch -Journalisten ausgebildet werden. Aber die Angebote für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit und für Drehbuchautoren wird es nicht mehr geben.

Eine Möglichkeit zur Rettung sieht Dorn in dem von ihm 2002 mitgegründeten Verein "TOP: Talente". Ursprüngliches Anliegen war es, bereits ausgebildete talentierte Drehbuchschreiber zu fördern. Mangels Alternativen könnte der Verein nun die Grundausbildung übernehmen. "Aber dazu müssen noch finanzielle Fragen geklärt werden", sagt Dorn. Ob das gelingt, ist offen. Hoffnung besteht.

Warum ist ihm das ein so wichtiges Anliegen? Spielfilme und Serien sind für Dorn ein hervorragendes Mittel, den Menschen Wahrheiten vor Augen zu führen. "In fiktiver Form ist es einfacher, die Leute mit ethischen Problemen beispielsweise im Zusammenhang mit dem Tod oder mit dem Thema Abtreibung zu konfrontieren und sie auch wirklich zu erreichen", ist Dorn überzeugt. Außerdem habe man bei Film und Fernsehen häufig ein sehr großes Publikum vor sich. Das unterstreichen auch Susanne Benker und Christina Wirth, zwei der zwölf Teilnehmer der letzten Werkstatt. In dem von ihnen mitgeschriebenen Drehbuch zu "Villa Zoff" geht es beispielsweise um den Umgang von Menschen miteinander zwischen Egoismus und Verantwortung für andere.

Christina Wirth findet im Drehbuchschreiben eine gute Möglichkeit "gesellschaftskritisch etwas bewegen zu können". Dabei will sie auch Lösungsmöglichkeiten zeigen und so Hoffnung geben. Für die Journalistin Susanne Benker ist das Drehbuchschreiben eine interessante Alternative: "Im Journalismus geht es um Fakten, beim Drehbuchschreiben um Fiktion. Bei beidem aber geht es um Wahrheit, nur dass ich vieles leichter sagen kann, wenn ich es spielerisch und fantasievoll umsetze." Hier sieht sie auch einen direkten Bezug zur Kirche, deren Problem häufig darin bestehe, dass sie ihre Botschaft "mit der Methode Holzhammer" vermittle.

In den drei einwöchigen Seminaren haben Susanne Benker, Christina Wirth und die anderen zehn Teilnehmer die handwerklichen Grundlagen für das Schreiben von Drehbüchern gelernt. Für manchen ist das der Beginn einer neuen beruflichen Perspektive.

Die Autorenwerkstatt fand zum zweiten Mal in Sachsen statt. Gefördert wurde sie von der Sächsischen Stiftung für Medienausbildung in Leipzig. Und wenn es gelingt über "TOP: Talente" die Ausbildung weiterzuführen, will Dorn gerne wiederkommen. Nicht nur wegen der Fördergelder, sondern auch weil das Bildungshaus "St. Albert" der Leipziger Dominikaner hervorragende Bedingungen biete.

Informationen im Internet: www.toptalente.org

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 31 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 03.08.2003

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