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Bistum Dresden-Meißen

"Fragt uns, wir sind die Letzten..."

KZ-Überlebende in Schmochtitz und bei Bischof Joachim Reinelt / Begegnung mit Jugendlichen

Begegnung: Zum gemeinsamen Programm der polnischen Senioren und der deutschen und polnischen Jugendlichen gehörte auch eine Fahrt in den Spreewald.

Dresden (kpi) -Zwölf Überlebende nationalsozialistischer Konzentrationslager besuchten am 10. Juli Bischof Joachim Reinelt im Haus der Kathedrale in Dresden. Die fünf Männer und sieben Frauen stammen aus Polen und sind derzeit auf Einladung des Maximilian-Kolbe-Werks für zwei Wochen im Bischof-Benno-Haus in Schmochtitz zu Gast. Als Kinder und Jugendliche waren sie unter anderem in den Lagern Auschwitz- Birkenau, Ravensbrück, Mauthausen oder Lodz in Haft.

In der ersten Juli-Woche hatten die ehemaligen Häftlinge deutschen und polnischen Schülern Gelegenheit gegeben, mit ihnen über ihre Erlebnisse in den Konzentrationslagern zu sprechen. "Wir sind uns klar, dass wir zu den letzten überlebenden Zeugen dieser Zeit gehören", sagte eine Polin. "Und obwohl wir schmerzhafte Erlebnisse hatten und es genauso schmerzhaft ist, das beim Erzählen nochmals zu durchleben, wollen wir unsere Erfahrungen an Jugendliche weitergeben." In der zweiten Woche des Besuchs steht nun Erholung auf dem Programm. Gleichzeitig nutzen fünf Schülerinnen des Lessing-Gymnasiums Kamenz, die im Sommer zu Krankenbesuchen bei ehemaligen KZ-Überlebenden nach Polen reisen werden, die Möglichkeit, sich im Kontakt mit den polnischen Gästen auf ihre Arbeit vorzubereiten.

Bischof Joachim Reinelt begrüßte die polnischen Gäste in ihrer Muttersprache. Ausdrücklich dankte er ihnen dafür, dass sie ihre Erfahrungen mit der Nazi-Diktatur an die Jugend weitergeben. "Ihr Besuch wird helfen, dass sich diese schrecklichen Dinge niemals wiederholen werden", so Bischof Reinelt.

Die KZ-Überlebenden, heute zwischen 65 und 83 Jahre alt, waren als Kinder und Jugendliche verhaftet worden und zwischen neun Monaten und mehreren Jahren in Haft. Ein Überlebender dieser Zeit berichtete bei der Begegnung mit dem Bischof, er habe im Lager Bomben- Blindgänger entschärfen müssen. Eine Frau schilderte die Erfahrung: "Das Schlimmste war, wenn beim Apell einzelne Nummern herausgerufen wurden und die anderen so lange warten mussten, bis sie die Schüsse gehört hatten."

Antoni Domanski, ebenfalls KZ-Überlebender, lebt heute im polnischen Gliwice. Er war im Alter von fünf Jahren mit Mutter und Geschwistern nach Auschwitz-Birkenau gebracht worden. Die Mutter kommt dort bereits nach zwei Monaten ums Leben, die Geschwister werden getrennt. Als Domanski nach Auflösung des Lagers wieder die Freiheit erlangt, gibt es niemanden mehr, der seinen Namen und seinen Geburtstag kennt. An seinen Namen kann sich der Junge glücklicherweise noch erinnern. "Den Geburtstag allerdings habe ich von einem Arzt, der mein Alter nach meiner Größe schätzte, zugewiesen bekommen." "Jeder, der im Lager war, hat seine eigene Geschichte", sagte eine weitere Überlebende, "aber die Älteren, die noch mehr erzählen könnten, sind nicht mehr da."

Eine Überraschung hielt Bischof Reinelt bereit: Karon Genowefa, ein Mitglied der Gruppe, konnte ihren 73. Geburtstag feiern -und da umsichtige Helfer den Bischof schon vorab informiert hatten, nutzte er die Gelegenheit, der überraschten Dame mit einem Kerzenpräsent zum Geburtstag zu gratulieren. Den nächsten Besuch ehemaliger KZ-Häftlinge aus Polen hat das Maximilian-Kolbe-Werk bereits für August geplant.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 29 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Dienstag, 22.07.2003

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