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Senioren in den Gemeinden nicht ausgrenzen

Gespächsabend der Katholischen Akademie Dresden

Dresden (tg) - Altenpastoral muss alles vermeiden, was Senioren in den Gemeinden ausgrenzt. Diese Ansicht vertrat der Erfurter Pastoraltheologe Franz-Georg Friemel bei einem Gesprächsabend der Katholischen Akademie in Dresden. Aufgabe von Seniorenkreisen sei es, soziale Kontakte zu knüpfen und Einsamkeit zu verhindern. "Ein Seniorenkreis kann aber auch eine Art Ghettoisierung bedeuten", so Friemel. Ältere Menschen dürften sich nicht ausschließlich in Rentner-Kreisen bewegen. Nötig seien "altersinhomogene Kreise", in denen alte und junge Menschen zusammenarbeiten. Schon im Neuen Testament sei von einer Gemeindepraxis die Rede, die alte Menschen aktiv in das Gemeindeleben einbezieht. Es gebe auch einen Dienst der Älteren an den Jüngeren in den Gemeinden, beispielsweise in der Unterstützung bei der Kinderbetreuung.

Alte Leute dürften bei der seelsorgerischen Betreuung nicht automatisch mit Kranken gleichgesetzt werden. Alt zu sein, bedeute nicht gleich hinfällig zu sein. "Altenpastoral muss sich auch vor klerikalem Versorgungsdenken hüten", betonte Friemel. Gerade weil Senioren für Hilfe dankbar seien, sei die Gefahr einer "Einbahnstraße" groß. "Seelsorge an Alten muss aber Seelsorge mit Alten sein." Altenpastoral müsse als "Austausch gleichberechtigter Subjekte" gestaltet werden. Dazu gehöre, die alten Menschen ihre Wünsche selber aussprechen zu lassen und ihnen nicht Themen vorzugeben.

Der normale Gottesdienst für Alte müsse der sein, an dem alle teilnehmen, sagte der Theologe. Zu achten sei auf gute Akustik und deutliches Sprechen. Neues sollte verständlich eingeführt werden.

Finanziell kann die Altersversorgung nach Ansicht des Staatssekretärs im sächsischen Sozialministerium, Albin Nees, am besten abgesichert werden, wenn die Kindererziehung gefördert wird. Nur wenn beispielsweise durch Erhöhung des Kindergeldes oder Erziehungsgeldes Anreize geschaffen werden, dass mehr Kinder geboren werden, könne die Versorgung der Rentner auf längere Sicht gesichert werden, sagte er bei dem Gesprächsabend.

Zur künftigen Gewährleistung der Renten müsse ein System zusätzlicher Versorgung neben einer Grundversorgung entwickelt werden. Besser jedoch sei es, die Bemessungsgrundlage zu verbreitern, indem auch heute nicht berücksichtigte Einkünfte zur Bemessung von Rentenbeiträgen herangezogen werden, so Nees. Daneben müsse die häusliche Pflege alter Menschen gegenüber der stationären Pflege Priorität erhalten. Die Pflege zu Hause sei wesentlich besser und billiger als die stationäre Betreuung. So lange aber die stationäre Pflege besser bezahlt werde, sei das nicht durchzusetzen. Nees forderte deshalb eine Gleichbehandlung der beiden Formen.

Auch die Rentenempfänger selbst könnten zur Kostenminimierung beitragen, indem sie Medikamente und Arztbesuche nur in Anspruch nähmen, wenn es auch tatsächlich erforderlich sei. Die steigende Finanzlast zur Sicherung der Renten sei nur zu schultern, "wenn sich an unserem Verhalten und Vorsorgen" etwas ändere.

Gegenwärtig kommen in der Bundesrepublik auf 100 Rentenbeitragszahler nach Angaben von Nees im Durchschnitt 52 Rentner. Der Anteil der jüngeren Menschen sinke, die Zahl der Älteren nehme zu. Aufgrund dieser demographischen Entwicklung werden für das Jahr 2020 bereits 96 Rentner auf 100 Erwerbstätige erwartet. Im Jahr 2040 werde die Zahl der Rentner die der Beitragszahler übersteigen. Die durchschnittliche Dauer des Rentenbezugs werde sich wegen der steigenden Lebenserwartung von gegenwärtig knapp 18 Jahren auf 21 Jahre im Jahr 2020 verlängern, so Nees.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 5 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 04.02.2001

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