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Auf zwei Minuten

"Ich stehe vor der Tür und klopfe an"

Wir müssen Jesus in unser Leben einladen, ihm die Türen öffnen

Pater Damian

Herr T. ist ein netter und hilfsbereiter Mann, mit dem alle gern zusammenarbeiten. Er ist immer bemüht, gerecht und sachlich zu sein und lädt seinen Ärger nicht auf seine Kolleginnen und Kollegen ab. So ist er in der Firma ein geschätzter Mitarbeiter. Als ich ihn im Laufe eines längeren Gesprächs nach seinem Verhältnis zu Glaube und Kirche frage, winkt er ab: "Damit habe ich nichts am Hut! Mag gut sein für manche, aber ich brauche das nicht." Solchen Menschen bin ich oft begegnet. Sie sind bewundernswert umgänglich und aufgeschlossen für die Anliegen ihrer Mitmenschen. Sie sind angenehme Gesprächspartner, mit denen man über alles reden kann, aber sie lassen sich nicht leicht auf Themen wie Glaube an Gott, Sinn des Lebens, Zukunft des Menschen und ähnliche Fragen ein. Haben sie einfach eine natürliche Scheu, über solche "intimen" Dinge zu reden? Oder sind es oberflächliche Menschen, die einem manchmal sagen: "Wenn ich zuviel nachdenke, werde ich ganz traurig und pessimistisch." Schließen sie sich ab, um nicht aus dem seelischen Gleichgewicht zu kommen? Wissen sie, was für ein Angebot sie ablehnen?

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Ich denke in diesem Zusammenhang an das Angebot Jesu, sein Wort aus der Offenbarung des Johannes (3,20): "Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten, und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir." Ein Maler hatte ein Gemälde beendet, auf dem er diese Szene mit Christus an der Tür dargestellt hatte. Der kleine Sohn des Malers schaute sich das Bild an und sagte zu seinem Vater: "Aber eins hast du falsch gemacht. Es fehlt draußen an der Tür die Klinke. Jesus kann ja gar nicht hinein. "Er kann es nur", erklärt der Vater, "wenn man ihm von innen öffnet und wenn man ihn haben will. Darum habe ich die Außenklinke weggelassen." Eine ergreifende Szene: Christus steht vor verschlossener Tür, die nur der Mensch selbst von innen öffnen kann. Wie ein Liebender an der Kammertür der Geliebten. Es ist das Bild eines Gottes, der auf der Suche nach dem Menschen ist. Er will Gemeinschaft mit dem Menschen, will ihn reich beschenken, mit ihm ein Festmahl halten, ihn beglücken, ihm mehr geben, als er sich denken kann.

Christus dringt nicht mit Gewalt in die Wohnung ein, er will eingeladen werden. Der Mensch ist Herr seines Hauses und muss selbst entscheiden, ob er Christus einlassen will oder nicht. Der heilige Bernhard von Clairvaux sagt in einer Predigt über die Liebe zu Gott: "(Gott sagt:) Wenn ich den Menschen gegen seinen Willen zwinge, habe ich einen Esel, nicht einen Menschen ... Soll ich Eseln mein Reich geben? Oder kümmert sich Gott um die Ochsen (vgl. 1 Kor 9,9)?"

Pater Damian Meyer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 28 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 11.07.2003

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