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Aus der Region

Bischöfe empfehlen, Kirchen offen zu halten

Eine Umfrage

Norden/Leipzig/Bingen - "Was ich schon immer tun wollte, wozu ich aber keine Zeit hatte..." Eine oft gehörte Antwort von Urlaubern auf die Frage, weshalb sie eben diese Kirche besucht haben. Ob sie sich einen Augenblick Zeit für ein stilles Gebet nehmen wollten oder nur neugierig waren - das wird dem interessierten Frager eher selten anvertraut. Fest aber steht: Hinter ihrem Kirchgang steckt meist so etwas wie ein Rückzug aus dem Alltag mit seinen Sorgen und Belastungen, ein Abschalten- und Kraftschöpfen-Wollen. Was aber, wenn der Einlass Begehrende vor verschlossener Tür steht?

Missionarisch Kirche sein

Mit dem jetzt veröffentlichten Wort "Missionarisch Kirche sein. Offene Kirchen - Brennende Kerzen - Deutende Worte" ermutigen die deutschen Bischöfe die Gemeinden, sich dafür einzusetzen, dass die Kirchen geöffnet und für alle Menschen zugänglich sind. Es richtet sich besonders an die vielen Helferinnen und Helfer in den Pfarreien, die Verantwortlichen für die Pflege der Kirchenräume, des Brauchtums und der Kirchenmusik. Die Kirchenräume könnten "Helfer sein bei der Aufgabe, Menschen mit der Botschaft des Evangeliums in Berührung zu bringen. Wer mit der Kirche in Berührung kommt, soll damit rechnen dürfen, willkommen zu sein", argumentieren die Bischöfe.

Eine Einladung, die beispielsweise in Norden/Ostfriesland gern ausgesprochen wird, wie eine Umfrage dieser Zeitung ergab. "Unsere Kirche St. Ludgerus ist täglich nicht nur geöffnet, bei schönen Wetter stehen beide Torflügel weit offen", erläutert Gemeindereferentin Elke Sieksmeyer. "Das wird häufig positiv im Gästebuch erwähnt." Eine Aufsicht gebe es nicht, da immer Besucher in der Kirche anwesend seien - "der beste Garant dafür, dass nichts passiert", so ihre Erfahrung. Andere Erfahrungen macht die Propsteikirche zu Leipzig. Das Gotteshaus liegt etwas abseits vom Zentrum am Rande eines parkähnlichen Geländes. "Hier kann alles Mögliche passieren, wie die Graffity-Schmierereien an der Fassade zeigen", so Propst Lothar Vierhock. Deshalb ist außerhalb der Gottesdienstzeiten das Kirchenportal geschlossen. Über das Sekretariat gibt es aber einen Zugang, der häufig von Spaziergängern genutzt wird. Ansonsten ist die Kirche durchaus gastfreundlich offen, etwa zu Stadtteilfesten. "Die Gemeinde hat genügend Mitglieder, die Kirchenführungen übernehmen", ergänzt Vierhock.

Dass St. Martin in Bingen häufiger besucht wird als der berühmte Mäuseturm, ist für Pfarrer Gerhard Choquet keineswegs überraschend. "Allein unter kulturhistorischem Aspekt ist unsere Basilika einen Besuch wert", sagt er, "und wir halten sie immer geöffnet." Der Küster steht für Fragen zur Baugeschichte oder religiösem Hintergrund zur Verfügung und für ein paar Cent kann der Interessierte auch einen kleinen Kirchenführer mit nach Hause nehmen.

Michael Dorndorf

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 28 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 11.07.2003

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