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Aus der Region

Im Oktober geht's los, wir sind startklar

Neu eingerichtetes Institut für Katholische Theologie in Halle bildet Religionslehrer aus

Halle/Saale - Mit dem Slogan "Abi geschafft - was Sinnvolles machen" wirbt ein Plakat, das jetzt in vielen Gemeindeschaukästen des Bistums Magdeburg zu finden ist. Es lädt ein, am neu eingerichteten Institut für Katholische Theologie und ihre Didaktik an der Martin-Luther-Universität in Halle an der Saale das Fach Religion mit der Perspektive Religionslehrer zu studieren.

Rasch gehandelt

Nach mehrjährigen, teilweise schwierigen Verhandlungen wurde die entsprechende Vereinbarung Ende April vom Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer, und dem Magdeburger Bischof Leo Nowak unterzeichnet. Die Umsetzung erfolgte wenige Monate später. "Ich bin überrascht und dankbar, wie unkompliziert und entschlossen die zuständigen Personen und Gremien der Universität gehandelt haben. Jetzt können wir ganz konkret sagen: Im Oktober geht's los, wir sind startklar", freut sich der Leiter des Katholischen Büros Sachsen-Anhalt, Stephan Rether.

Die ersten Vorlesungen wird Dieter Emeis, emeritierter Professor aus Osnabrück, halten. Er übernimmt eine Lehrstuhlvertretung, da die vorgesehenen Planstellen erst nach Abschluss der Berufungsverfahren dauerhaft besetzt werden können. Emeis war ab 1975 bis zu seiner Emeritierung 1998 Professor für Pastoraltheologie und Katechetik an der Universität Münster. "Die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Kollegen von der evangelisch-theologischen Fakultät ist für mich beeindruckend. Gerade in dieser Zeit, in der das Institut noch nicht über eigene Mitarbeiter verfügt, ist dieses Entgegenkommen eine große Hilfe und Erleichterung", sagte Emeis nach einem ersten Termin an der Hochschule.

Die ersten künftigen Studenten haben sich bereits immatrikuliert. Doch noch stehen Studienplätze zur Verfügung. Deshalb hat das Bistum Magdeburg in Absprache mit der Universität eine bundesweite Informationskampagne gestartet. Einladungen zum Studium in Halle sind an alle katholischen Gymnasien gegangen. "Das Abitur ist im Leben eine Zäsur. Neuorientierung ist erforderlich. Dafür ist die Universität in Halle mit dem neuen Studiengang ein echtes neues Angebot. Ich freue mich, wenn sich möglichst viele junge Menschen auf dieses Angebot einlassen", erläutert Stephan Rether.

Der Bedarf an Religionslehrern in Sachsen-Anhalt ist groß. Zurzeit erhalten etwa 1500 Schülerinnen und Schüler katholischen Religionsunterricht, der von 56 Lehrerinnen und Lehrern im Landesdienst und 40 kirchlichen Mitarbeitern erteilt wird. Darüber hinaus gibt es schulischen Religionsunterricht in den Gemeinden. Mit all diesen Fachkräften kann allerdings nur ein ganz geringer Teil katholischer Kinder erreicht werden. "Katholischer Religionsunterricht gilt wie einige andere Fächer, unter anderem der evangelische Religionsunterricht und der Ethikunterricht im Land Sachsen-Anhalt, offiziell als Mangelfach", weiß Peter Brause, Leiter der Abteilung Religionspädagogik im Bistum Magdeburg. "Wir haben einen fast unendlichen Bedarf an Religionslehrern. Deshalb möchten wir junge Menschen motivieren, diesen Studiengang aufzunehmen, und sie dann auch hier im Land halten."

Ein Studiengang in Halle hat für Stephan Rether noch einen ganz besonderen Reiz, der "einmalig in der gesamten Bundesrepublik Deutschland" ist. Nicht nur wegen einer "gewissen, zum Schmunzeln anregenden Pikanterie, die darin besteht, dass katholische Theologie an einer Uni gelehrt wird, die den Namen des Reformators Martin Luther trägt", wie er bemerkt. Das Institut wird seine Räume in den Franckeschen Stiftungen erhalten, einer Anlage mit mehr als 40 Gebäuden hinter einer sie umfassenden Mauer, die eine Stadt in der Stadt darstellt. Dort befindet sich das Zentrum der Lehrerausbildung, unter anderem mit der allgemeinen Pädagogik, der evangelisch-theologischen Fakultät und der pädagogischen Zentralbibliothek. Dieser Bibliothek wird auch der einzurichtende Bestand der katholischen Theologie zugeführt -über 250 laufende Meter.

Im Jahre 1695 hatte August Hermann Francke, einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Pietismus, mit einem Stammkapital von 7 Gulden dieses Areal gegründet. Zuerst baute er eine Armenschule, später ein Waisenhaus und begann drei Jahre später mit dem Bau der neuen Anstalt, den späteren Franckeschen Stiftungen.

Attraktiver Standort

Rether nennt weitere Vorteile des Studienortes: Die Universität liege mitten in der Stadt, es gebe eine rege katholische Studentengemeinde, sehr lebendige Ortsgemeinden und eine gute katholische Akademiearbeit. "Wer in Halle sein Studium anfängt, der wird es gut finden", ist er überzeugt. Und auch soviel ist sicher: "Wenn die künftigen Religionslehrer in den Landesdienst übernommen werden, wird die Ost-West-Angleichung auch bei der Bezahlung vollzogen sein." Daher könne man zuversichtlich sagen: "Da, wo ich studiert habe, kann ich auch vernünftig leben und arbeiten." Und jungen Abiturienten, die sich noch orientieren wollen, versichert er: "Wer noch Mitte September anruft und sagt, er möchte sich gern in Halle einschreiben - auch der wird berücksichtigt werden."

Michael Dorndorf

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 27 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Dienstag, 08.07.2003

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