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Aus der Region

Gottes Wort wieder nach Europa tragen

Papst fordert Kirche zur Evangelisierung des Kontinents auf / Reaktion von Bischof Bode

Rom (rem) - Während Europa dabei ist, sich eine Verfassung zu geben, hat Papst Johannes Paul II. die Kirche in einem leidenschaftlichen Appell zur Verkündigung des Evangeliums auf dem alten Kontinent aufgerufen: "Kirche in Europa, die Neuevangelisierung ist die Aufgabe, die auf dich wartet! Sieh zu, die Begeisterung für die Verkündigung wiederzuentdecken!" Das schreibt der Papst in dem Apostolischen Schreiben "Ecclesia in Europa" vom vergangenen Wochenende, das zugleich offizielles Schlussdokument der Bischofssynode für Europa aus dem Jahr 1999 ist.

Johannes Paul II. hört auf dem Kontinent einen "Hilferuf", der "aus dem Herzen der heutigen Europäer kommt, die nach einer Hoffnung dürsten, die nicht enttäuscht". Direkt an die katholische Kirche gerichtet sagt der Papst: "Dir ist diese Hoffnung geschenkt worden, damit Du sie jederzeit und an jedem Ort voll Freude weitergibst."

Getaufte leben, als ob Christus nicht existiere

Seinen Auftrag an die Kirche begründet Johannes Paul II. mit einer Bestandsaufnahme: Kommunismus, Einwanderung und religiöse Gleichgültigkeit hätten die Zahl der Nichtgetauften anwachsen lassen. Und auch viele Getauften hätten eine erneute Verkündigung nötig. "Viele europäische Zeitgenossen meinen zu wissen, was das Christentum ist, kennen es jedoch nicht wirklich", schreibt der Papst. "Häufig sind sogar die wesentlichen Elemente und Grundbegriffe des Glaubens nicht mehr bekannt. Viele Getaufte leben so, als ob Christus nicht existiere." Die Gläubigen ruft er auf, durch regelmäßiges Lesen der Bibel Jesus Christus näher kennen zu lernen.

Keine Zweifel läßt Johannes Paul II. daran aufkommen, dass mit ihm eine Änderung der katholischen Lehre nicht zu machen ist. Festgeklopft werden in dem Apostolischen Schreiben unter anderem die Unauflöslichkeit der Ehe, die Verpflichtung zur Keuschheit vor der Heirat und die Ehelosigkeit der Priester. Mindestens ebenso deutlich lehnt der Papst Abtreibung, Verbrauch menschlicher Embryonen in der Forschung und Sterbehilfe ab.

Direkt an die europäischen Regierungen gerichtet setzt sich Johannes Paul II. dafür ein, dass in der Verfassung der Europäischen Union "ein Bezug auf das religiöse und insbesondere auf das christliche Erbe Europas deutlich werde". In diesem Zusammenhang wird vom Papst die Unabhängigkeit staatlicher Institutionen von der Kirche ausdrücklich anerkannt. Trotzdem brauche Europa eine religiöse Dimension, schreibt der Papst: "Die Hoffnung, eine gerechtere und menschenwürdigere Welt zu bauen, kann nämlich nicht von der Erkenntnis absehen, dass die menschlichen Anstrengungen vergebens wären, wenn sie nicht von der göttlichen Hilfe begleitet würden."

Bischof Bode: Ratschläge an die Pfarrgemeinderäte

Bischof Franz-Josef Bode begrüßte in Osnabrück das päpstliche Dokument ausdrücklich als ein Schreiben "zur rechten Zeit": Gegen die "Zersplitterung des Daseins in den derzeitigen Umbrüchen Europas" setze der Papst das "eindeutige Fundament, das Europa Jahrhunderte getragen hat: Jesus Christus, die Quelle der Hoffnung für Europa", erklärte Bischof Bode.

Jeder Pfarrgemeinderat finde in dem Dokument konkrete Hinweise etwa zum Umgang mit Liturgie, Ökumene, Ehe und Familie und Jugend sowie gesellschaftlichen Fragen, sagte Bode. In dem Papier sei die prophetische Leidenschaft des Papstes zu spüren für eine Vision Europas, "das in ein Europa des Geistes einmündet, um aus ihm ein wirkliches gemeinsames Haus zu machen, in dem Lebensfreude herrscht", sagte der Bischof.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 27 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Dienstag, 08.07.2003

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