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Was früheren Generationen wichtig war

Biblisches auf dem Trödelmarkt und im eigenen Haus entdecken

Ein buntes Sammelsurium: Floh- und Trödelmärkte erfreuen sich heute großer Beliebtheit

Markkleeberg bei Leipzig, Agra- Messepark, irgendwann an einem letzten Wochenende im Monat. Etwas verloren steht sie da, die kleine Jesusfigur. Das gute Stück ist überteuert: 40 Euro. Zehn werden geboten. Der Händler winkt ab: "Mit solchen Preisvorstellungen werden Sie hier keinen Erfolg haben!" Etwas später findet sich dafür ein schöner Fenstertisch für 15 Euro und eine alte Lutherbibel für drei Euro. Eine "zukunftsvorhersagende" Schrift -vermutlich aus dem Umfeld der Zeugen Jehovas -verbleibt allerdings in der Kiste. Interessant war aber das Angebot eines Bildes, das Jesus mit seinen Jüngern zeigte. Der Preis -zehn Euro -ist verlockend, aber es fehlt in den heimischen Wänden an Platz, dieses Bild auch geschmackvoll aufzuhängen.

Die Bibel ist ein Kulturgut, darauf wird zu Recht im Jahr der Bibel immer wieder hingewiesen. Auf den Floh- und Trödelmärkten kann man "Biblisches" frei nach dem Motto des Jahres "Suchen. Und finden." : die Heilige Schrift selber, Auslegungen, Beschreibungen des Heiligen Landes, Darstellungen in Bild und Ton -beispielsweise Kopien des Christus von Thorwaldsen, Kreuze und Heiligenfiguren. Dazu kommen Dinge aus dem christlichen Leben: Anhänger, Rosenkränze, Erinnerungen an Erstkommunion oder Konfirmation, Marienstatuen, Andachtsbildchen, christliche Romane und Erzählungen ...Zu Letzteren gehören beispielsweise Werke von Johannes Derksen und vom evangelischen Dichterpfarrer Karl Josef Friedrich. Beide wirkten in der Mitte des 20. Jahrhunderts in unserer Region und gehörten zu den beliebten christlichen Autoren.

Interessant sind bei vielen Büchern die Widmungen und persönlichen Zeugnisse, die sich in ihnen finden. So beispielsweise in oben genannter Lutherbibel. Die ersten Seiten bieten Platz für eine kleine Familienchronik. Allem voran steht das Motto: "Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen." Die nächste Seite gibt Auskunft über die einstigen Besitzer: Otto Frohnecke und Gertrud Furk hatten am 3. Februar 1912 den heiligen Ehebund in der Berliner Lazaruskirche durch Herrn Pfarrer Schulz geschlossen. Der Trautext lautete: "Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich. (Joh 10,14)" Weitere Seiten bieten Platz für die Kinder, Patenkinder, Sterbefälle und sonstige wichtige Familienerlebnisse. All diese Seiten blieben in diesem Buch leer. Das ist der Moment, wo das Nachdenken beginnt. Verschiedene Lebenläufe sind möglich: Überlebte Otto Frohnecke den zwei Jahre später beginnenden Ersten Weltkrieg? Wenn ja, wie ist es der Familie ergangen? Hatten sie Kinder? Blieben sie ihrem Glauben treu? Keine dieser Fragen kann wirklich beantwortet werden.

All diese Vermutungen aber haben ihren Reiz und zugleich ihre Berechtigung. Rufen sie doch Menschen in Erinnerung, die weit vor unserer Zeit auf dieser Erde lebten. Geschichten und Geschichte werden lebendig, sie bekommen Namen.

Gezieltes Suchen nach biblischen Themen auf Trödelmärkten kann auch zu Begegnungen mit uns heute fremden Frömmigkeits- und Darstellungsformen werden. Ein Beispiel ist dafür das Buch "Vom göttlichen Heiland", mit Bildern von Philipp Schumacher und Texten von Franz Xaver Thalhofer. Erschienen ist das Buch um das Jahr 1900 im Verlag "Ars Sacra" in München. Beim Betrachten und Lesen darf nicht vergessen werden, dass Bücher wie dieses für vorangegangene Generationen wichtig waren und in ihrer zeitgemäßen Umsetzung die biblische Botschaft vermittelten. Ähnliche Schriften finden sich auch in vielen Haushalten. Warum nicht mal dort stöbern und nachschauen, was sich über Generationen erhalten hat. Die Bibel ist ein Kulturgut, es lohnt sich dieses auch in alten Formen zu suchen.

Holger Jakobi

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 27 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Dienstag, 08.07.2003

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