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Aus der Region

Aus für Seminar für Gemeindepastoral

Ein Gespräch mit Rektor Dr. Scholz über Hintergründe und Perspektiven

Bernhard Scholz: Für den Rückgang der Bewerberzahlen gibt es ein ganzes Bündel von Gründen.

55 Jahre nach seiner Gründung wird in Magdeburg zum Ende des Sommersemesters das Seminar für Gemeindepastoral St. Gertrud (früher Seelsorgehelferinnen- Seminar) geschlossen. Grund: Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber für die Ausbildung ist so rapide zurückgegangen, dass das Seminar nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Rund 500 Frauen und ab 1990 auch 29 Männer haben die Ausbildung durchlaufen, seit 1993 auch Studierende aus der litauischen Diözese Kaisiadorys. Der TAG DES HERRN sprach mit dem Rektor des Seminars, Dr. Bernhard Scholz.

Frage:: Herr Rektor, kein Interesse an der Ausbildung zur Gemeindereferentin und zum Gemeindereferenten und das nicht nur in den Diözesen Ostdeutschlands - ist das ein Indiz für die fehlende Bereitschaft junger Christen, sich für das Evangelium zu engagieren? Oder steht dahinter ein hausgemachtes Problem, was mit dem Berufsbild zu tun hat?

Scholz: Zunächst einmal: Das Interesse an einer theologischkirchlichen Ausbildung ist in der ganzen Bundesrepublik stark rückläufig. Es gibt nur sehr wenige Bewerbungen für die Seminare. Es gibt aber zumindest einige Interessierte an einer praxisbegleitenden Ausbildung. Hinzu kommen die Möglichkeiten, den Beruf über einen Fachhochschulausbildungs- oder einen Diplom-Studiengang Theologie anzustreben. Dennoch ist der Rückgang an Interessierten unübersehbar. Ursache ist sicher ein ganzes Bündel von Gründen: Wenn die Gemeinden kleiner werden, gibt es auch weniger junge Leute, die sich zu dieser Aufgabe berufen fühlen. Vielleicht ist auch die Bereitschaft, sich ganz in den Dienst der Kirche zu stellen, nicht mehr so groß. Und dann spielt auch die Frage nach der spezifischen Berufung, nach dem in so manchen Punkten eben nicht recht klaren Berufsbild der / des Gemeindereferentin / en im Vergleich zum Priester und Ständigen Diakon eine Rolle. Hier ist viel im Umbruch. Hinzu kommt: Wir können hier im Seminar keinen staatlich anerkannten Abschluss bieten.

Frage:: Warum nicht?

Scholz: Mein Vorgänger Raimund Sternal hat sich intensiv um eine Klärung der Frage bemüht, ob eine Statusänderung in eine Fachhochschule möglich ist, deren Abschluss eine staatliche Anerkennung hätte. Von dem Verantwortlichen der Deutschen Bischofskonferenz wurde uns jedoch davon abgeraten. Für die Errichtung einer Fachhochschule war die Zahl der Studierenden zu gering und die erforderlichen Zugangsbedingungen etwa hinsichtlich des Abiturs oder einer Aufnahmeprüfung hätte die Bewerberzahl möglicherweise noch weiter reduziert.

Frage:: Nochmals zum Berufsbild: Trotz aller auf der Diözesanebene festgeschriebenen Regelungen für die Berufsgruppe hängen Wohl und Wehe der Gemeindereferenten letztlich von der Akzeptanz und der Bereitschaft des jeweiligen Priesters zur kollegialen Zusammenarbeit ab. Das dürfte manchen mit abschrecken, sich auf diesen Beruf einzulassen. Wo und wann lernen Priester, dass sie gemeinsam mit den Gemeindereferenten schauen und ihnen vielleicht helfen müssen, einen gangbaren Weg zu finden, sich seelsorglich echt zu engagieren und vielleicht gleichzeitig die Berufung zur Familie zu leben?

Scholz: Ich denke, dass die praktizierte Zusammenarbeit bei der Ausbildung von Priesteramtskandidaten, Diplomtheologen und Gemeindereferenten in der Phase des berufspraktischen Jahres eine Chance und richtungsweisend ist. Zudem gibt es die Möglichkeit, als Pfarrteam an einer Weiterbildung teilzunehmen, wie zum Beispiel die in der Pastoral Tätigen der Pfarrei Wernigerode, die diese Chance im Herbst wahrnehmen werden. Auch Dekanatskonferenzen können eine Möglichkeit sein, diese Fragen berufsgruppenübergreifend miteinander zu bedenken und nach Lösungen zu suchen.

Frage:: Nun könnten junge Leute zu dem Schluss kommen, das Seminar wird zugemacht, junge Gemeindereferenten werden nicht mehr gebraucht ...

Scholz: So ist das natürlich nicht. Zum einen gibt es das Seminar in Freiburg und auch weiterhin die Einrichtung im Bistum Hildesheim, wo junge Leute eine Seminarausbildung absolvieren können, zudem Fachhochschulen zum Beispiel in Eichstätt und Paderborn. Unter den 30- bis 40- Jährigen gibt es Leute, die sich seit Jahren in ihrer Gemeinde engagieren, bei denen sich manches im Glauben geklärt hat und die sich vorstellen könnten, ihr Ehrenamt zum Beruf zu machen. Auf diese Frauen und Männer können wir nicht verzichten. Allerdings brauchen sie eine gute Ausbildung und müssen auch eine prinzipielle Bereitschaft mitbringen, sich versetzen zu lassen.

Frage:: Also eine praxisbegleitende Ausbildung?

Scholz: Leider ist es nicht gelungen, sich mit den ehemals am Seminar für Gemeindepastoral beteiligten Diözesen Dresden-Meißen, Erfurt, Görlitz und Magdeburg für das Wintersemester 2003 auf den Start einer vertraglich geregelten, praxisbegleitenden Ausbildung zu verständigen. Ich bedauere dies persönlich sehr und hoffe, dass dies in Zukunft möglich sein wird. Im Bistum Magdeburg bieten wir einstweilen weiterhin Informationstage über den Beruf an und werden prüfen, ob eine praxisbegleitende Ausbildung auf diözesaner Ebene einzurichten ist.

Fragen: Eckhard Pohl

Hinweis: "Für Vergangenes zu danken und für Neues Gottes Segen zu erbitten" -das ist das Anliegen einer Veranstaltung, die am 11. Juli in Magdeburg stattfindet. "Wenn das Seminar für Gemeindepastoral nach fast 55 Jahren geschlossen wird, bleibt die Frage nach den Wurzeln dieses pastoralen Berufes, die auch zukünftig tragen sollen und nach neuen Wegen der Ausbildung suchen lassen", schreibt Bischof Leo Nowak (Magdeburg) in der Einladung.

Die Veranstaltung (in der Propstei St. Sebastian, Max-Josef-Metzger-Str. 1a)
beginnt um 9 Uhr (10 Uhr Akademie; 12.30 Uhr Mittagessen; 14.30 Uhr Gottesdienst).
Infos / Anmeldung
bitte telefonisch unter
(03 91) 72 50 90;
E-Mail: Info@SGP-Magdeburg.de
Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 27 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Dienstag, 08.07.2003

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