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Bistum Magdeburg

Ein "Baustein der Ökumene"

Dem Träger Augustinuswerk Wittenberg gehören katholische und evangelische Institutionen an

Stellen Eisenteile für Sanitär-Installation her: Peter Bühnemann und Ingolf Ehrenberg. Hinten von links: Arbeitsgruppenleiter Kurt Trotzky, Augustinuswerk-Geschäftsführer Bernd Keitzl, Zweigstellen-Leiterin Monika Nikschtat.

Jessen (ep) -Beim ersten Ökumenischen Kirchentag vor 14 Tagen in Berlin war das Wittenberger Augustinuswerk am Agora- Stand der Kirchen Sachsen-Anhalts als einer der "Ökumene- Bausteine" (TAG DES HERRN berichtete) vertreten. Grund: Dem Trägerverein von Einrichtungen der Arbeit mit Behinderten gehören seit Gründung vor 12 Jahren die katholische Pfarrgemeinde St. Marien, der Evangelische Kirchenkreis Wittenberg, weiterer Bürger sowie das katholische Franz-Sales-Haus in Essen, eine dem Augustinuswerk vergleichbare Einrichtung, an.

Während 1990/91 zunächst nur 60 behinderte Menschen Beschäftigung finden konnten, arbeiten heute 300 geistig und mehrfachbehinderte Beschäftigte in den verschiedenen Bereichen der Einrichtung. "Der Name Augustinuswerk ist in Wittenberg mit seinem ehemaligen Augustinerkloster und dem einstigen Augustinermönch Martin Luther durchaus Herausforderung", sagt Bernd Keitzl, Geschäftsführer der Einrichtung. "Luther hatte in seinem Wappen das Herz, mit dem oft auch Augustinus auf Bildern dargestellt wird. Augustinus steht bei katholischen und evangelischen Christen in hohem Ansehen. ",Dein Wort hat mich ins Herz getroffen.' Diese Aussage von Augustinus sollte besonders im Blick auf Jesu Wort von der Nächstenliebe für uns alle gelten."

Zum Augustinuswerk gehören von den Behinderten-Werkstattbereichen über die Wohnheime bis hin zum integrativen Kindergarten und einem Altenzentrum verschiedenste Einrichtungen.

Arbeit für insgesamt 300 behinderte Beschäftigte

Als Beispiel sei hier die Zweigwerkstatt Jessen vorgestellt: "Weil eine Reihe unserer Beschäftigten aus der Gegend von Jessen kommt, war es wichtig, hier neben Wittenberg ein zweites Standbein zu schaffen", sagt Keitzl. Derzeit finden in der Jessener Werkstatt -der Neubau wurde 2001 als Ersatz für die Räumlichkeiten in Elster eröffnet -56 geistig und mehrfach behinderte Menschen einen geschützten Arbeitsplatz. Sie sind in den Bereichen Verpackung / Montage, Hauswirtschaft, Stuhlflechterei und Metall tätig. Vier Gruppenverantwortliche leiten sie an. Die Beschäftigten Peter Bühnemann (44) und Ingolf Ehrenberg (47) zum Beispiel fertigen mittels eines speziellen Fließ- und Gewindeformens besondere Stahlelemente für die Sanitär-Vorwandinstallation in Badezimmern an. Ein großer Teil der Mitarbeiter präpariert Etuis für Tabletten-Probepackungen. Andere Beschäftigte bauen besondere Transportpaletten mit aufgesetzten Verpackungskartonagen. Zudem werden alte Stühle und Kleinmöbel aufgearbeitet und geflochtene Rückenlehnen und Stuhlsitze erneuert. Einige Behinderte mit größerem Leistungsvermögen sind nach Angaben von Zweigstellen-Leiterin Monika Nikschtat aber auch auf Außenarbeitsplätzen bei anderen Betrieben beschäftigt.

"Qualität ist bei allen Arbeiten oberste Priorität, damit wir unsere Produkte absetzen können und neue Aufträge erhalten", sagt Frau Nikschtat. Und diese Aufträge sind besonders für die vielen stark leistungsgeminderten Beschäftigten sehr wichtig.

Ein großer Teil der in Jessen Tätigen wohnt im Diest-Hof in Seyda, einer Einrichtung des Diakonischen Werkes zwischen Wittenberg und Jessen. Einige Beschäftigte leben aber auch im ambulant betreuten Wohnen, andere bei ihren Eltern oder in eigenen Wohnungen. Die meisten werden morgens gebracht, manche Beschäftigte kommen selbständig, um dann von acht bis 15 Uhr in der Werkstatt zu sein.

Ziel: Integration in den ersten Arbeitsmarkt

Mit dem Aufbau einer Integrationsfirma will das Augustinuswerk die Chancen seiner behinderten Mitarbeiter auf dem freien Arbeitsmarkt weiter verbessern. "Unser Ziel ist es, viele unserer Beschäftigten auf den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln", sagt Keitzl. Eine Integrationsfirma biete dafür gute Chancen. Mit Fördermitteln angeschoben, finden in einer solchen Firma Behinderte und Nichtbehinderte Arbeit. Nach einer Anlaufzeit soll sich der Betrieb finanziell selbst tragen. Bleibt zu hoffen, dass dies gelingt.

Neben der Reparatur geflochtener Stühle und Kleinmöbel bietet das Augustinuswerk auch die Sanierung und das Binden alter Bücher sowie die Maßanfertigung von Kunststofffenstern an. Auch Service-Arbeiten wie das Beräumen von Grundstücken und Wohnungen sowie kleinere Transportarbeiten werden übernommen. Zudem werden Bekleidung und Gardinen genäht oder geändert.
Infos: Tel. (03 24 91) 6 18 90.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 24 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Dienstag, 01.07.2003

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