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Hilfe aus Cottbus trotz Widerstand

Russische Behörden blockieren monatelang Caritasarbeit

Cottbus (tdh) - Sie rollen wieder: die Hilfstransporte der Caritas nach St. Petersburg. Beladen mit 2800 Bananenkisten voller Kleidungsstücke, Schuhe und Plüschtiere brachen am 16. Mai zwei Lastwagen von Leuthen bei Cottbus nach Russland auf. Es war die erste Fahrt seit sechs Monaten. So lange lag nämlich die letzte Lieferung - rund 6000 Kartons mit dringend benötigten Hilfsgütern - im St. Petersburger Caritas-Lager. Das Austeilen der Spenden verhindert hatte die Verordnung Nr. 17 der Kommission für internationale humanitäre Hilfe bei der Regierung der Russischen Föderation. Danach dürfen nur staatliche Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Schulen zollfrei humanitäre Hilfe erhalten, nicht aber religiöse und gemeinnützige Vereine.

Die Caritas habe von dieser neuen Regelung erst erfahren, als der Hilfstransport vom November bereits in St. Petersburg angekommen war, sagt Johannes Brosdetzko, der beim Caritasverband der Diözese Görlitz für humanitäre Hilfe im Ausland zuständig ist. Umgerechnet rund eine Mark verlangten die russischen Behörden für jedes Kilo gespendeter Kleidung. Erst dann hätte es die Caritas St. Petersburg an Bedürftige ausgeben dürfen. Insgesamt wären das fast 30 000 Mark gewesen - für Brosdetzko eine Summe, die den deutschen Spendern nicht noch zusätzlich zu den Transportkosten zugemutet werden kann. Er bemühte sich deshalb zunächst bei der russischen Regierung um Sonderbedingungen, schrieb an Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe. Auch der inzwischen verstorbene Monsignore Hartmut Kania nahm sich der Sache an, sprach bei der Kommission für Zollangelegenheiten vor, fuhr nach Moskau. Schließlich fand er vier staatliche Unternehmen, die bereit waren, die Waren offiziell in Empfang zu nehmen. Doch die Firmen genügten den Anforderungen des Zolls nicht. In Frage kämen nur "staatliche Organisationen" hieß es.

Wieder vergingen Wochen. Nun aber ist das Problem gelöst, das seit November versiegelte Lager geöffnet. Als Empfänger fungiert das Sozialamt im St. Petersburger Stadtbezirk Zentralny. Verteilt werden die Spenden wie bisher in den Kleiderkammern der Caritas. Das Sozialamt habe lediglich die Bedingung gestellt, dass ausschließlich Bedürftige Hilfsgüter aus Deutschland erhalten, erläutert Brosdetzko. Diese Forderung sei aber auch bisher schon erfüllt worden. Nur wer einen Berechtigungsschein des Sozialamtes vorlegen konnte, habe etwas bekommen. Allein im vergangenen Jahr habe die Caritas mehr als 30 000 Familien mit Kleidung unterstützt.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 21 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 23.05.2001

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