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Bistum Erfurt

Das Evangelium in die Gesellschaft tragen

Seelsorgeamtsleiter Gerhard Stöber über die Anliegen des Pastoralkongresses im Oktober

Domkapitular Stöber: Kirche muss die öffentlichen Räume nutzen.

"Das Evangelium: Licht für uns -Licht für alle". Unter diesem Motto wird am 10. und 11. Oktober der Pastoralkongress des Bistums Erfurt stattfinden. Damit soll die Initiative "Das Evangelium auf den Leuchter stellen" fortgesetzt werden. Der TAG DES HERRN sprach mit dem Leiter des Seelsorgeamtes, Domkapitular Gerhard Stöber, über das Anliegen und die Ziele des Kongresses.

Frage: Bischof Joachim Wanke hat zum Pastoralkongress nach Erfurt eingeladen. Worum soll es gehen?

Stöber: Wir hatten vor zwei Jahren die Aktion "Das Evangelium auf den Leuchter stellen -auch für Nichtchristen" gestartet. Dort wurden einige Räume benannt, in denen Nichtchristen in besonderer Weise mit dem Evangelium in Berührung kommen können, zum Beispiel wenn sie Weihnachten die Christmette besuchen, und Möglichkeiten aufgezeigt, wie sie durch uns den christlichen Glauben kennen lernen könnten. Der Bischof hatte damals angeregt, nach einigen Jahren eine Zwischenbilanz über die dabei gemachten Erfahrungen zu ziehen. Wichtig ist aber vor allem, den Prozess fortzusetzen und das Anliegen weiterzubefördern.

Frage: Wie ist die Initiative in den Gemeinden angekommen? Welche Aktionen gab es?

Stöber: Aus heutiger Sicht kann man sagen, es hat sich etwas bewegt. Die Gemeinden haben entdeckt, dass es darauf ankommt, nicht für sich selbst zu sorgen, sondern das Evangelium in unsere Gesellschaft hineinzutragen. Konkret hat sich aber auch gezeigt, dass das schwieriger ist als wir zunächst vermutet haben. So war ein wichtiges Argument in den Gemeinden, sich erst einmal über seinen eigenen Glauben im Klaren zu sein, um dann davon zu den anderen zu sprechen. Dieses Anliegen wird beim Pastoralkongress thematisiert und drückt sich schon im Titel aus. Eben auch darüber nachzudenken, was das Evangelium mir selbst bedeutet. Abgesehen davon haben viele Gemeinden Aktionen durchgeführt, die das missionarische Handeln befördern. Manche Gemeinden -das muss man zugeben -haben sich in der Umsetzung auch schwer getan. Bei einem Treffen der Pfarrgemeinderatsvorsitzenden haben viele von ihren Bemühungen berichtet. Für viele Gemeinden sollen die durchgeführten Aktionen jedoch keine einmalige Angelegenheit gewesen sein.

Frage: Wie hat die nichtchristliche Umwelt reagiert?

Stöber: Ich denke, die Nichtchristen haben das nicht als eine "Aktion" oder als einen besonderen Vorstoß der Katholiken empfunden, sondern als das, was es sein sollte: Einerseits eine Einladung, in unsere Räume zu kommen, andererseits aber auch, dass wir in die öffentlichen Räume gehen. Eine gut gestaltete Morgenansprache im Rundfunk ist schon das Bemühen darum, das Evangelium in die Öffentlichkeit hineinzutragen. Oder wenn sich eine Pfarrei um einen ansprechenden Flyer bemüht, in dem sie ihre Kirche, aber auch die Gemeinde und das innere Anliegen vorstellt, ist das ja etwas, was für die Gäste der Gemeinde und der Kirche zur Verfügung steht, ohne dass es eine aufdringliche Werbung ist.

Frage: Wo gibt es Ihrer Ansicht nach noch ganz konkrete Möglichkeiten in die Gesellschaft zu wirken?

Stöber: Die erste Wirkungsmöglichkeit einer Gemeinde ist zunächst immer der Ort, wo die Christen zu Hause sind. Es geht also nicht so sehr um überregionale Aktionen, sondern darum, sich in das Geschehen vor Ort einzubringen. Das kann auf vielfältige Weise geschehen. Einmal gibt es gerade für kleine Gemeinden, um überhaupt wahrgenommen zu werden, die Möglichkeit, sich an einem Stadtfest oder an einem ökumenischen Stadtkirchentag zu beteiligen, sich dort der Öffentlichkeit zu präsentieren und so zu signalisieren: Uns als katholische Kirche gibt es noch, und wir wollen vor Ort für die Menschen da sein. Zum anderen gibt es Möglichkeiten gerade im Bereich der Jugendarbeit. Unsere Kinder- und Jugendarbeit muss sich auch für Gäste öffnen, nichtchristliche Kinder zum Beispiel zu Religiösen Kinderwochen einladen. Einladungen kann es auch zu Jugendaktionen geben. Ein großes Feld, wo unsere Gemeinden mit Nichtchristen vor Ort in Berührung kommen können, sind sicherlich unsere Sakramente und Sakramentalien, und zwar dort, wo Gäste an unseren Feiern teilnehmen, sei es bei einer Hochzeit oder bei einer Beerdigung. Gerade hier kommen viele mit dem Evangelium erstmalig oder wieder in Berührung.

Frage: Der Pastoralkongress wird diese Dinge noch einmal ausführlicher behandeln. Wer kann eigentlich teilnehmen und wie wird der Kongress ablaufen?

Stöber: Grundsätzlich haben wir natürlich die Hoffnung, dass sich vom Anliegen jeder angesprochen und eingeladen fühlt. In der Vergangenheit gab es in unserem Bistum immer schon Pastoraltage, wo allerdings nur Delegierte und offizielle Vertreter aus den Dekanaten und Verbänden teilgenommen haben. Das Anliegen des Pastoralkongresses ist es, über die Delegiertenstruktur hinaus Interessierte einzuladen. Insgesamt werden maximal 250 Teilnehmer beim Pastoralkongress dabei sein. Wir müssen jetzt sehen, wie viel Interessenten es geben wird. Eingeladen sind wie gesagt alle, die sich einbringen wollen. Diejenigen, die nicht kommen können, wollen wir als Bistum zu nachfolgenden Tagungen und Workshops einladen. Der Pastoralkongress selbst wird so strukturiert sein, dass wir uns am ersten Tag mit der gesellschaftlichen Situation beschäftigen. Zunächst mit einem Vortrag, der mehr den Blick darauf lenkt, auf welchen "Acker" das Wort Gottes heute in Thüringen fällt. Die Teilnehmer werden sich auch untereinander austauschen, wie sie in konkreten Begegnungen die Situation für das Evangelium im Land Thüringen einschätzen, denn oftmals herrscht die Vorstellung, dass wir gar nichts tun können. Das Hauptreferat am Samstag wird Bischof Joachim Wanke zum Thema "Ich schäme mich des Evangeliums nicht (Röm 1,16)" halten. In fünf "Werkstätten" unter je einem eigenen Aspekt wird das dann vertieft.

Frage: Anliegen in der Diaspora ist es, das Evangelium in die Gesellschaft zu tragen. Wie sieht es mit dem Eichsfeld aus?

Stöber: Zunächst ist die Botschaft von der Diaspora her gesehen. Dennoch hat der Kongress auch für das Eichsfeld Bedeutung. Dort ist es unser Anliegen, diejenigen zu erreichen, die zwar getauft sind, aber der Kirche den Rücken gekehrt haben. Aufgabe der Gemeinden ist es hier, auch die fern Stehenden einzuladen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Entscheidend ist also, wie können wir als Gemeinde denen das Evangelium nahe bringen, die draußen stehen.

Interview: Andreas Schuppert

Der Anmeldeschluss für den
Pastoralkongress ist der 15. Juni.
Einladungen und Anmeldekarten
sind in den Pfarrämtern
oder im
Seelsorgeamt Erfurt,
Regierungsstraße 44a,
99084 Erfurt,erhältlich.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 20 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Dienstag, 24.06.2003

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