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Bistum Dresden-Meißen

Wasser, Tee und Gemüsebrühe

Eine Fastenwoche der Leipziger "Orientierung" machte menschliche Werte wieder bewusst

Reinigung des Körpers und des Geistes : Schwester Susanne Schneider (Mitte) leitete die Fastenaktion in der 'Orientierung'.

Leipzig -Unter dem Thema "Fasten mit Leib und Seele" waren vom 15. bis 19. März Christen und Nichtchristen zum zweiten Mal zu einer Fastenwoche in der Kontaktstelle der katholischen Kirche in Leipzig "Orientierung" eingeladen. "Ein Löffel Honig pro Tag und soviel Wasser, Tee, Saft und Gemüsebrühe, wie man will", zählt Schwester Susanne Schneider, Leiterin der Fastenaktion, die erlaubten Mahlzeiten auf. Das Buch "Wie neugeboren durch Fasten" von Hellmut Lützner bildete die medizinische Grundlage.

In zwei Gruppen, zu je elf Personen, trafen sich die Teilnehmer an jedem Abend dieser Woche, um Erfahrungen auszutauschen und Impulse zu geben. "Die Treffen begannen mit einer Stilleübung, um in sich zu gehen und sich seines Körpers bewusst zu werden", erzählt die Schwester von den Missionarinnen Christi. Anschließend habe ein Austausch, bei dem jeder zu Wort kommen sollte, stattgefunden, um über persönliche Erfahrungen mit dem Fasten zu reden.

"Jedes Treffen wurde beendet durch einen kleinen Impuls mit anschließendem Gespräch", so Schwester Susanne, die seit September 2001 in der Kontaktstelle tätig ist. Die Impulse hätten den Teilnehmern gezeigt, wie das Fasten Körper, Geist und Leben bewusst mache. So zeigte der dritte Abend zum Beispiel, dass Fasten der Rückbesinnung auf Werte des Menschen und auf Gott dient. Das vierte Treffen habe am Beispiel Mahatma Gandhis verdeutlicht, dass Fasten das Herz für die Mitmenschen öffnet und Verständnis, Mitleiden und Solidarität fördere, so Schwester Susanne.

Frank David, Sekretär der "Orientierung", hat zum ersten Mal an der Fastenaktion teilgenommen. "Ich habe in dieser Woche viel intensiver gelebt." Er habe sich zwar schwächer als sonst gefühlt, sei aber körperlich viel leichter gewesen. "Ich war unzufrieden mit meiner Ernährungsweise und wollte die Fastenzeit bewusster erleben", beschreibt David die Gründe, die ihn dazu bewegt haben, an der Fastenaktion teilzunehmen.

Renate Seifert fastet schon zum sechsten Mal. "Ich fühle mich ausgeglichener und bin vor allem mit meiner Familie geduldiger", schildert sie ihre Erfahrungen. "Das Fasten hat mir gut getan."

Zum ersten Mal hat auch Marion Schurath-Gommlich gefastet: "Es war wie eine innere Reinigung", sagt sie. Die Seele sei aufgebaut, der Geist erfrischt und der Körper gesäubert worden. "Ich wollte die Fastenzeit intensiver erfahren und die Nachfolge Jesu in kleiner, bescheidener Weise ausprobieren", erklärt Frau Schurath-Gommlich.

Seit fünf Jahren ist die "Orientierung" in Leipzig Anlaufstelle in Lebens- und Glaubensfragen. Bildungsangebote, Beratung, Hinführung und Begleitung zu spiritueller Praxis sind einige der Aufgaben, denen sich die Kontaktstelle widmet. Seit November 2001 hat die Einrichtung ihren Sitz in der Leipziger Innenstadt. Ein Raum der Stille bietet die Möglichkeit, den Alltag für einige Momente hinter sich zu lassen. Träger der "Orientierung" ist der Jesuiten-Orden.

Silvia Leitel

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 14 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 23.06.2003

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