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Bistum Erfurt

Wie man Gott auf frischer Tat ertappt

Der Kindergarten St. Bonifatius in Erfurt-Hochhim feierte 100-jähriges Bestehen

Erfurt (as) -"Wir feiern heute ein großes Fest und alle sind eingeladen". Pfarrer Gert Schellhorn ist begeistert: Die Kirche ist an diesem Sonntagmorgen voll von Kindern, jungen Familien und vielen Gästen. Erfurts Oberbürgermeister Manfred Ruge ist gekommen. Der Kindergarten St. Bonifatius in Erfurt-Hochheim feiert seinen 100. Geburtstag -mit einer ganzen Festwoche und vielen Aktivitäten. Den Festgottesdienst mit der Pfarrgemeinde leitet Diözesancaritas- Direktor Bruno Heller am 18. Mai.

"Die Spur der Hoffnung gehen" singen die Kinder nach dem Sonntagsevangelium. Dabei zeigen sie Symbole, die für den Alltag in ihrem Kindergarten bestimmend sind: Zum Beispiel eine Rose, eine Sonne, einen Schmetterling, Spielzeug, Kerzen oder Hände. Bernd und Robert bringen einen Stein nach vorn: "Viele Steine werden benötigt, um ein Haus zu bauen", sagen sie dazu. "Jesus ist so ein wichtiger Stein. Er ist der Eckstein, das Fundament, auf dem alles festgefügt ist. Auch unser Kindergarten besteht aus vielen großen und kleinen Steinen".

Die Kinder nicht aus den Augen zu verlieren, sei ein wichtiges Anliegen unserer Gesellschaft, betonte Diözesan-Caritasdirektor Bruno Heller. "Das, was hier geschieht, ist nicht nur für die Kinder, sondern für die Stadt, für unser ganzes Land wichtig", sagte Heller in seiner Predigt. Heller bedankte sich bei allen, die dazu beigetragen haben, dass das Haus so viele Jahre bestehen konnte, besonders bei den Grauen Schwestern, die den Kindergarten gründeten und bis 1977 hier tätig waren, aber auch bei der Pfarrgemeinde, Eltern und Erziehern.

Als der liebe Gott die Erzieherinnen schuf

Dass es bei einem solchen Jubiläum auch um diejenigen gehen muss, die täglich die Verantwortung für die Kinder auf sich nehmen, betonte die Leiterin des evangelischen Nachbarkindergartens, Monika Wolf. Sie las eine Geschichte vor, die seit Jahren auf Fortbildungen und Erzieherinnen- Treffen kursiert und in der der liebe Gott vor der Schwierigkeit steht, eine Erzieherin zu schaffen: Sechs Paar Hände muss sie haben, die Fähigkeit, sich selbst zu heilen, wenn sie krank ist oder einen Dreijährigen davon zu überzeugen, dass man Knete nicht essen kann.

Welche Bedeutung Kinder für die Kirche und Gesellschaft haben, betonte noch einmal Pfarrer Schellhorn beim Festakt im Kindergarten. "In jedem Kind entdecken wir Gott auf frischer Tat", sagte der Pfarrer nach einem Luther-Wort. Und Erfurts Oberbürgermeister Manfred Ruge wünscht sich, dass sich die Kirche bei der Vergabe "staatlicher Kindergärten nicht zurückhält". Dass der Kindergarten in Hochheim begehrt ist, bestätigt dessen Leiterin Theresia Genter. "Wir haben lange Wartelisten", meint die Erzieherin. Zurzeit kommen 39 Kinder hier her. Vier feste Mitarbeiterinnen und zwei Praktikantinnen betreuen die Kleinen. Die Einrichtung ist nach St. Ursula der zweitälteste katholische Kindergarten in Erfurt. Er ist heute offen für alle Kinder "gleich welcher Abstammung, welcher Sprache, welcher Heimat und Herkunft", betont Frau Genter. Gemeinsam erleben Kinder und Erzieher das Kirchenjahr und pflegen Kontakte zur Pfarrgemeinde. Im Mittelpunkt stehe die christliche Erziehung der Kinder, die auch von nichtchristlichen Eltern akzeptiert werde.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 22 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 18.06.2003

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