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Aus der Region

Große Chance für die Gesellschaft

Festakt anlässlich der Integration der Theologischen Fakultät Erfurt in die Universität

Anerkennung für unermüdlichen Einsatz: Fakultäts-Dekan Tiefensee (rechts) dankt dem Leiter des Katholischen Büros, Weinrich, für sein Engagement für die Integration.

Erfurt (ep) -Die theologischen Fakultäten an den staatlichen Universitäten haben die einzigartige Chance, die Freiheit von Forschung und Lehre mit der Bindung an den Glauben der Kirche zu verbinden. Darauf hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, bei einem Festakt zur am 1. Januar 2003 vollzogenen Integration der katholischen Theologischen Fakultät Erfurt in die dortige Universität aufmerksam gemacht. Gerade mitten unter den anderen akademischen Disziplinen könne die Theologie ihre Aufgabe besonders gut erfüllen, sagte Lehmann in der Erfurter Universität.

Theologen müssten von Haus aus kritische Begleiter des Glaubens sein, so Lehmann. Deshalb sei die Theologie "weder die servile Schleppenträgerin des kirchlichen Lehramtes, noch ist sie der kühne Fähnrich von Progressivität und Modernität". Die Theologie könne keinen Glauben schaffen, sondern nur dessen Inhalte begründen und Strukturen aufzeigen -dies jedoch sei sehr wohl im Interesse des Glaubens. Für den Abbau immer wieder auftretender Spannungen zwischen Theologie und Lehramt werbend sagte Lehmann: Beide "werden eines Tages nicht daran gemessen, wie viel Konfliktpotential sie angehäuft haben, sondern daran, ob sie gemeinsam dem Schwund von Religion und Glaube in unserer Gesellschaft wirksam und überzeugend begegnet sind und den Menschen eine neue Bewährung des Glaubens angesichts unserer heutigen Lebensprobleme geschenkt haben".

Thüringens Ministerpräsident Bernhard Vogel, dem bei dem Festakt wesentliche Verdienste an der Wiedergründung der Universität Erfurt und der Integration der katholischen Theologie bescheinigt wurden, sagte, die Eingliederung der Theologischen Fakultät sei nicht zuletzt Zeichen des Respekts vor den Leistungen des früheren Philosophisch- Theologischen Studiums als "Ort der Freiheit und Unbeugsamkeit". Der Präsident der Universität, Wolfgang Bergsdorf, erinnerte an die hohe "wissenschaftliche Qualität" des Philosophisch- Theologischen Studiums, aus dem die Theologische Fakultät hervorging. Alle Bereiche der Universität würden die Integration "als menschlich intellektuelle, akademische und spirituelle Bereicherung verstehen". Dies zeige sich auch daran, dass der Dekan der neuen Uni-Fakultät, Professor Eberhard Tiefensee, zum Vizepräsidenten für Forschung und akademischen Nachwuchs an der Universität gewählt worden sei.

Bischof Joachim Wanke und Fakultäts-Dekan Tiefensee riefen in Erinnerung, dass die Gründungsväter des Philosophisch- Theologischen Studiums vor über 50 Jahren eine universitäre katholisch-theologische Fakultät ins Auge gefasst hatten, was sich unter DDR-Verhältnissen nicht verwirklichen ließ, nun aber Realität geworden sei. Tiefensee erinnerte zudem an die langwierigen Integrations-Verhandlungen zwischen dem Freistaat Thüringen und dem Vatikan und "dass es der kirchlichen Seite nicht leicht gefallen sei, das vormalige Philosophisch-Theologische Studium ziehen zu lassen".

Angesichts des Anfang des Große Chance für die Gesellschaft Festakt anlässlich der Integration der Theologischen Fakultät Erfurt in die Universität Jahres an der Universität verhängten Einstellungsstopps mahnte der Dekan Tiefensee, "einem startenden Flugzeug nicht das Gas wegzunehmen". Derzeit ist es der jungen Uni- Fakultät nicht möglich, dringend erforderliche wissenschaftliche und Verwaltungsmitarbeiter bei den Lehrstuhlinhabern anzustellen. Hingegen sei die Wiederbesetzung der vakanten Professorenstühle in den Fachbereichen Alte Kirche / Patrologie und Christliche Sozialwissenschaft von dem Einstellungsstopp nicht betroffen, so Tiefensee gegenüber dem TAG DES HERRN. -An der Katholisch-Theologischen Fakultät Erfurt mit ihren zwölf Lehrstühlen studieren gegenwärtig 173 Direktstudenten sowie einige Gasthörer.

Weitere Infos
Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 22 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 18.06.2003

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