Jetzt 4 Wochen kostenfrei Tag des Herrn lesen!
Aus der Region

Mit der Bibel Engagement wecken

Interview mit dem Direktor der Franckeschen Stiftungen Prof. Olbertz

Direktor Prof. Olbertz Mit einem Jahr zum Thema "Wissens Wert Glaub Würdig ... nun sag, wie hast du's mit der Religion" sollen die Hallenser mit der jüdisch-christlichen Religion bekannt gemacht und angeregt werden, sich den Fragen der Zeit zu stellen. Federführend sind die Franckeschen Stiftungen zusammen mit den Kirchen und der evangelischen Theologischen Fakultät. Fragen an Professor Jan-Hendrik Olbertz (Direktor der Franckeschen Stiftungen):

Herr Direktor Olbertz, ein Jahr der Religion - wollen das die überwiegend nicht getauften Hallenser überhaupt?
Gerade weil viele keiner Glaubensgemeinschaft angehören, ist es gut, so etwas anzubieten. Als Pädagoge - und das sage ich, ohne anmaßend sein zu wollen -, darf ich nicht nur darauf sehen, was die Menschen wollen. Wir sind gefordert, etwas anzubieten, was ihnen gut tun könnte. Ich sage dies im Blick darauf, dass viele hier ihr Leben vermutlich nicht so reflektieren, dass sie daraus innere Kräfte und Hoffnung schöpfen könnten. Fast 90 Prozent der Einwohner gehören keiner Kirche an. Doch ihr Atheismus ist nicht feindselig, sondern oft aus Mangel an Begegnung mit Religion erwachsen.
Aber es gibt offensichtlich auch kein großes Interesse am christlichen Glauben ...
Ich habe den Eindruck, dass immer mehr Menschen bewusst wird, dass allein Konsum, Rationalität und Technik nicht reichen. Religion scheint das zu sein, was gerade jungen Leuten fehlt und wofür sie sich in der Musik, aber auch in Mystik, destruktiven Kulten oder Horoskopen Ersatz suchen. Deshalb wollen wir im Jahr der Religion über Glaubensfragen reden und eine Wertediskussion eröffnen, die uns auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereiten soll. Dabei geht es vor allem auch um Bildung. Wir wollen unser Publikum mit christlichen Traditionen bekannt machen, ihnen anbieten, ein Stück mehr geschichtliche Identität zu finden. Nehmen Sie Feste wie Weihnachten oder Ostern, deren Sinn nur noch wenige kennen. Baukunst, Musik, Werte wie Solidarität und Gerechtigkeit sind aus dem christlichen Verständnis heraus entstanden und ohne den Glauben kaum zu verstehen. Auch gesellschaftliche Probleme wie die fremdenfeindlichen Übergriffe gehören hierher: Wenn ich selbst keinen Boden unter den Füßen habe, ist die Gefahr groß, Fremdes als Bedrohung zu empfinden. Dies gilt es bewusst zu machen und zur Übernahme von Verantwortung zu ermutigen.
Über die Arche Noah auf dem zentralen Franckeplatz wollen Sie Kinder, Jugendliche, ganze Schulklassen erreichen. Zudem gibt es viele eher akademische Angebote. Wie soll der durchschnittliche Hallenser angesprochen werden?
Natürlich ist uns bewusst, dass wir nicht jeden erreichen können. Dennoch versuchen wir, das Programm so populär und leicht wie möglich aber auch verantwortbar zu gestalten. Es ist sehr vielfältig geworden und reicht von Vorträgen über Aktionswochen und Gottesdienste bis zu musikalischen Angeboten, Besichtigungen und Filmvorführungen. Die Veranstaltungen im Zusammenhang mit der Arche orientieren sich an den sieben Schöpfungstagen. Jeder Tag wird über drei Wochen behandelt. Wenn es im September um die Erschaffung von Tier und Mensch geht (sechster Tag), soll zum Beispiel jeweils donnerstags eine Klein- und Heimtierberatung stattfinden - Chance, mit den Tierfreunden ins Gespräch zu kommen ... In der Arche wird meist ein Gesprächspartner interessierten Erwachsenen Rede und Antwort stehen und die Geschichte von der Arche erzählen.
Sie betonen im Vorwort zu dem umfangreichen Programm, mit dem Jahr der Religion solle Bildung vermittelt, aber "niemand missioniert werden". Warum nicht?
Zunächst einmal ist dies für uns als Franckesche Stiftungen (und weltliche Einrichtung) nicht unsere eigentliche Aufgabe, sondern Sache der Kirchen. Wir greifen die Thematik in erster Linie als Kultur- und Bildungsthema auf und wollen informieren, aufklären, anregen. Aber mit dem Programm und seiner Thematik laden wir zugleich zur Auseinandersetzung ein, die zu Konsequenzen und zum Handeln führen will. Insofern sind da die Grenzen sicher fließend.

Fragen: Eckhard Pohl

Das Programmheft Teil I (März bis August) zum Jahr der Religion ist zu erhalten bei den Franckeschen Stiftungen zu Halle, Franckeplatz 1, Haus 37, 06110 Halle, Tel. (03 45) 2 12 74 00. Auskünfte über weitere kirchliche Veranstal-tungen über die Gemeinden.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 21 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 23.05.2001

Aktuelle Buchtipps