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Bistum Görlitz

Und dann erklang der Schlussakkord...

Cottbuser Ökumenischer Oratorienchor gab vor 100 Zuhörern sein letztes Konzert

Ein letztes Mal den Chor begleitet: Lothar Graap beim Abschlusskonzert des Ökumenischen Oratorienchors.

Cottbus -Mit einem festlichen Konzert an alter Wirkungsstätte, der rund 700 Jahre alten evangelischen Klosterkirche, beendete der Cottbuser "Ökumenische Oratorienchor" am letzten April- Wochenende sein Bestehen. Mehrere Versuche, einen geeigneten neuen Leiter zu finden, waren nach dem altersbedingten Weggang von Kirchenmusikdirektor (KMD) Lothar Graap 1998 gescheitert. Graap, durch sein kompositorisches Schaffen weit über Cottbus hinaus bekannt, hatte 1965 den Chor gegründet und mit den Jahren zu einem beachtlichen Klangkörper geformt.

Mit einem Konzert am 26. April und der Gestaltung der Eucharistiefeier in der Propsteikirche St. Maria Friedenskönigin am 27. April hat sich der Chor nun aufgelöst. Erfreulicherweise werden die meisten Sänger in Kirchenchören der Region wie im Ökumenischen Chor der Cottbuser Oberkirche St. Nicolai weiterhin zum Lobe Gottes singen.

In den fast 40 Jahren seines Bestehens trat der Chor 78 Mal mit großen Oratorien, Messen, Requien etwa von Bach, Haydn, Händel, Mozart, Brahms und Dvorak an die Öffentlichkeit -ein Stück Kulturgeschichte der Stadt Cottbus. Bis zu 900 Zuhörer lockten die Konzerte in den vergangenen Jahren an. Darüber hinaus wurden viele Gottesdienste in katholischen und evangelischen Kirchen gestaltet. Mit großem Aufwand gewann Graap während seiner langjährigen Arbeit Musiker aus anderen Städten. Beispielsweise von der Berliner Staatskapelle, der Komischen Oper, vom DEFA-Orchester aus Babelsberg oder vom Leipziger Gewandhaus. Aus seiner Feder stammten das Tryptichon (1970), das Luther-Oratorium (1983) und das Oratorium: "Auf dem Weg nach Emmaus" (1995) -Werke der moderneren Literatur.

In der Zeit des kommunistischen Staatsregimes war das musikalische Wirken jedoch oft durch Willkür erheblich eingeschränkt. So wurde beispielsweise im Theater der Stadt der Spielplan mehrmals kurzfristig geändert, um die Musiker daran zu hindern, mit dem Chor Werke aufzuführen.

In den vergangenen Jahren zählte der Chor bei seinen Auftritten zwischen 60 und 90 Sänger. 16 Mal erfreuten sie ihre Zuhörer mit dem Weihnachtsoratorium von Bach. 1968 und 1970 wirkte der Solotrompeter Ludwig Güttler mit. Ein besonderer Höhepunkt war auch die Aufführung der Matthäuspassion in der Passionszeit 1975 mit Peter Schreier. Unvergesslich die Chorreisen zur Dresdener Hofkirche, zur Berliner Hedwigskathedrale oder zur Görlitzer Frauenkirche mit der "Dvorakmesse" sowie zu Kirchentagen nach Frankfurt/Oder und Dresden.

Doch nun ist der Schlussakkord des Chores erklungen: "Ohne Wehmut, jedoch mit unendlich viel Dankbarkeit sehen wir auf fast 40 Jahre ökumenischer Gemeinsamkeit zurück", heißt es im Abschlussschreiben des Chorvorstandes. Diesen Worten konnten alle Chormitglieder aus ganzem Herzen zustimmen.

Klaus Schirmer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 19 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 08.05.2003

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