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Bistum Erfurt

Keine geschlossene Gesellschaft

Die Katholische Studentengemeinde in Jena feierte 50-jähriges Bestehen

Mein Papa ist Student in Jena: 'Alles Gute zum Geburtstag', wünscht eine der jüngsten Gratulantinnen.

Jena (as) -Zu DDR-Zeiten waren sie "intellektuelle Inseln", Räume, in denen man mal offen reden konnte, aber auch Orte religiöser Erfahrung: Die Studentengemeinden. Eine davon, die Katholische Studentengemeinde (KSG) St. Petrus Canisius in Jena, feierte vom 1. bis 5. Mai ihr 50-jähriges Jubiläum. Gelegenheit, alte Freunde wieder zu treffen, aber auch nach vorn zu blicken. Eine Schriftstellerlesung mit Lutz Rathenow, eine Festakademie, eine Theateraufführung und ein Gottesdienst gehörten zum Programm des Jubiläums.

Während sich die Studentengemeinden im Sozialismus eher in Vorsicht übten, um Unterwanderungen vorzubeugen, ist man heute offen für alle, die in Jena studieren und Anschluss suchen. "Keine geschlossene Gesellschaft", bestätigt Gerit Zangemeister, seit letztem Jahr Vorsitzende des Pfarrgemeinderates. "Studentengemeinden gehören für mich zu den munteren Elementen in der Kirche, hier liegt schließlich ihre Zukunft", ist die Englischstudentin überzeugt. Für sie ist vor allem das Gemeinschaftserlebnis wichtig. In Jena trifft man sich regelmäßig am Montagabend. Los gehts mit dem Abendbrot. Anschließend ist ein Gottesdienst -Vesper, Eucharistiefeier oder ökumenischer Gottesdienst -und ein thematischer Vortrag.

"Die Themen werden auf der jährlichen Gemeindeversammlung ganz demokratisch abgestimmt", versichert Gerit Zangemeister. Man versuche, alle Vorschläge zu berücksichtigen. Zur Gemeinde gehören rund 60 Mitglieder, 20 bis 30, die regelmäßig kommen. Enge Kontakte bis hin zu gemeinsamen Veranstaltungen bestehen mit der Evangelischen Studentengemeinde gleich um die Ecke. "Tragend sind auch die Beziehungen zu früheren Gemeindemitgliedern, die die KSG auch finanziell, zum Beispiel bei Patronatsfesten, unterstützen".

Impulse, die ein ganzes Leben prägen

Am prägendsten sind für die Vorsitzende aber die jährlichen Besinnungswochenenden der Gemeinde in einem Kloster. "Ein wirklicher Ruhepol mit vielen guten Erfahrungen", sagt Grit Zangemeister. Hier sieht auch Hochschulpfarrer Bernhard Bock einen wichtigen Teil seiner Aufgabe. "In der Studentengemeinde bekommen die Leute Impulse, die sie ihr ganzes Leben prägen", weiß Pfarrer Bock. Bei den Besinnungswochenenden gehe es zum Beispiel darum, auch "geistliche Ordnungsmodelle" vorzustellen, an denen man überprüfen kann, "wo meine eigenen Möglichkeiten liegen". Ebenso wichtig ist für den Studentenpfarrer der "Charakter der Beheimatung", die junge Leute in der Gemeinde finden können. "Zu wissen, da finde ich jemand, an den ich mich wenden und mit dem ich reden kann, ist ungeheuer wichtig", so Pfarrer Bock. Gerade in unsicheren Zeiten wolle man sich wieder zuordnen.

Keine Frage: Die Studenten fühlen sich wohl in Jena. Unsicher sei, so die Pfarrgemeinderatsvorsitzende, wo man künftig seinen ständigen "Sitz" haben werde -jetzt ist es das Gemeindehaus, später soll es ein Teil des Elisabethheimes, des ehemaligen Altersheimes, werden. Das leerstehende Elisabethheim wird von der KSG schon mitgenutzt. Nicht nur bei der Raumfrage wünschen sich die Studenten mehr Unterstützung durch die Kirche. Die Arbeit in der Gemeinde nimmt viel von der Freizeit weg? Gerit Zangemeister lächelt: "Das ist meine Freizeit."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 19 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 08.05.2003

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