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Bistum Görlitz

Stary Zakon -Altes Testament

Wittichenauer schreiben einen Teil der Bibel auf sorbisch ab / Aktion stieß zunächst auf Ablehnung

Der Mama über die Schulter geschaut: Regine Krahl mit ihrem sechs-jährigen Sohn Leo-Cornelius.

Wittichenau -Druha kniha kralow -diese drei Worte prangen in blauer Tinte auf einem Bogen Papier. Bald werden auch sie ein Teil der Bistumsbibel sein. Die Worte stammen aus dem Sorbischen und bedeuten: Das zweite Buch der Könige. Etwa acht Mitglieder aus der Gemeinde Maria Himmelfahrt schreiben im Rahmen der Aktion zum Jahr der Bibel einen Teil der heiligen Schrift auf Sorbisch ab. Bischof Rudolf Müller persönlich hatte dies zu Beginn der Planungen angeregt.

So vielseitig wie die Menschen im Bistum

Regine Krahl, eine der Schreiberinnen, findet diese Idee sehr gut: "Unser Bistum ist wie ein Mosaik. Sorbische und deutsche Menschen leben hier miteinander. So ist auch die Bistumsbibel aus vielen Teilen zusammengepuzzelt." Trotz ihrer sorbisch stämmigen Eltern wurde die 34-jährige Grundschullehrerin deutschsprachig erzogen. "Erst während meiner Schulzeit und des Studiums habe ich Sorbisch erlernt", erzählt sie. Heute empfindet sie diese Sprache als Bereicherung. Ihre beiden vier und sechs-jährigen Kinder lässt sie täglich an dieser Bereicherung teilhaben. Beide gehen in einen sorbischsprachigen Kindergarten, und auch bei Tisch folgt das sorbische Gebet direkt auf das deutsche. "An diesem Teil der Bibel mitzuschreiben war eine spontane Idee", sagt Frau Krahl. "Man setzt sich noch intensiver mit dem Abgeschriebenen auseinander." Lachend fügt sie hinzu: "Die Bibel abzuschreiben ist wie das Spickzettel- Prinzip: Selten können sich Schüler ein Thema so gut merken, als wenn sie es zuvor für einen Spickzettel einmal abgeschrieben haben."

Doch nicht nur das reine Schreiben reizt Regine Krahl an der Aktion. "Es ist auch eine Verstehensübung für mich", sagt sie. "Ich schreibe die Wörter aus einer sorbischen Bibel ab und versuche schon da den Sinn zu verstehen. Nicht immer kenne ich alle Wörter. Deshalb lese ich die Stelle noch einmal in der deutschen Bibel nach, um zu sehen, ob ich es auch wirklich verstanden habe", beschreibt sie ihre doppelte Auseinandersetzung mit dem Geschriebenen.

Aktion Bistumsbibel wurde zunächst abgelehnt

Doch beinahe hätte es diese Auseinandersetzung mit der Bibel in der Wittichenauer Gemeinde gar nicht gegeben. Als die Aktion anfänglich im Pfarrgemeinderat vorgestellt wurde, lehnten sie alle Mitglieder ab. Auch Pfarrgemeinderatsmitglied Regina Polk war dieser Auffassung. "Wir waren der Meinung, man solle besser Seminare und Kurse zum Jahr der Bibel machen, anstatt die Bibel abzuschreiben." Heute hat die 37-Jährige die komplette Organisation des sorbischen Abschreibens übernommen. Sie hat genügend Mitschreiber motiviert und auch persönlich einige Seiten geschrieben. "Der Knackpunkt bei mir war ein Gespräch mit Bekannten aus Görlitz. In ihrer Gemeinde lief die Aktion damals schon. Sie haben erzählt, wie viel Spaß das Schreiben machte und wie stolz sie sind, mitgemacht zu haben. Das konnte ich kaum glauben, und dann brach eine wahre Diskussion los", so Frau Polk. Am Ende der Diskussion hatte sie ihre Meinung zur Bistumsbibel geändert. "Jetzt bin ich genauso stolz wie meine Görlitzer Bekannten. Ich denke, die Aktion erfüllt doch ihren Sinn, denn man verinnerlicht die Worte der Heiligen Schrift wirklich. Es ist eben eine andere, aber dennoch ganz intensive Bibelbeschäftigung für jeden persönlich."

Sollten noch zusätzliche Teile abgeschrieben werden müssen, so wollen Regine Krahl und Regina Polk gern noch einen Part übernehmen. "Aber dann auf Deutsch", sagen beide lachend. "Denn das schreibt sich doch etwas einfacher ohne all diese Häkelchen."

Michaela Mürmann

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 18 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 02.05.2003

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