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Aus der Region

Jetzt heißt es: Schulgemeinschaft stärken

Leiter des Katholischen Büros Erfurt zur Schuljugendarbeit in Thüringen

Winfried Weinrich: Angebote der Schuljugendarbeit sollten familienergänzend, nicht familienersetzend sein.

Im neuen Thüringer Schulgesetz ist die Möglichkeit der so genannten Schuljugendarbeit vorgesehen. Dabei handelt es sich um außerunterrichtliche Projekte, die von Elterninitiativen, Verbänden, Vereinen und freien Trägern gestaltet werden können und vom Freistaat gefördert werden. Auch für die Kirchen eröffnet sich hier ein neues Betätigungsfeld. Zu Chancen und Grenzen der Schuljugendarbeit äußert sich Winfried Weinrich, Leiter des Katholischen Büros Erfurt.

Der Weg bis zur Einführung der Schuljugendarbeit an Thüringer Schulen war mühsam und steinig. Bevor eine Förderrichtlinie für geeignete Projekte erstellt werden konnte, musste das Thüringer Schulgesetz geändert werden.

Durch die Gesetzesänderung im Dezember 2002 wurde die Voraussetzung dafür geschaffen, dass sich die Schulen außerunterrichtlichen Angeboten, insbesondere der öffentlichen und freien Träger der Kinderund Jugendhilfe, öffnen können.

Dabei war es stets ein kirchliches Anliegen, dass auch freie Träger, etwa kirchliche Verbände und Sozialeinrichtungen, als außerschulische Partner mit den Schulen kooperieren können. Modellerfahrungen lagen schon seit längerem vor, etwa eine mehrjährige Kooperation zwischen dem Erfurter Häßler- Gymnasium und dem "Tagestreff" der Stadtcaritas. Hier helfen Schüler regelmäßig im Rahmen von Sozialpraktika in der Suppenküche für Obdachlose mit.

Außerunterrichtliche Angebote für die Schüler gewinnen dann an Bedeutung, wenn Eltern auf Grund ihrer beruflichen und familiären Situation ihre Erziehungsaufgabe nur bedingt wahrnehmen können. In dieser Situation wächst auch den freien Trägern eine größere Verantwortung zu. Allerdings sollte bei allen Bemühungen um unsere Kinder und Jugendlichen die Stärkung der Bereitschaft und Fähigkeit der Eltern, ihre Kinder selbst zu erziehen, Vorrang haben. Auch Angebote der Schuljugendarbeit sollten eher Familien ergänzend, nicht aber Familien ersetzend verstanden werden.

Positiv ist am Konzept der Schuljugendarbeit hervorzuheben, dass über die Schulkonferenz auch die Eltern einer Schule in die Entscheidungsfindung und Planung eines Projektes einbezogen werden. Es bleibt zu hoffen, dass Eltern diese Möglichkeit wahrnehmen, etwa über freizeit- und erlebnispädagogische Angebote, über Schulprojekte mit sozialer Ausrichtung, über Angebote zur Berufsorientierung oder Hausaufgabenhilfe mit zu entscheiden.

Wenn sich Schuljugendarbeit an Thüringer Schulen zu einem nachhaltigen außerunterrichtlichen Angebot entwickeln will, setzt das auch zuverlässige Kooperationspartner außerhalb der Schule voraus. Es wird sich zeigen, inwieweit freie Träger dazu in der Lage sein werden, insbesondere dann, wenn die personellen Möglichkeiten eher begrenzt sind. Trotz mancher Bedenken sollten Lehrer, Schüler, Eltern und außerschulische Partner die Schuljugendarbeit als Chance zur Stärkung der Schulgemeinschaft und der Elternverantwortung betrachten. Übrigens: Nachhaltigkeit bedeutet in diesem Sinne auch, dass der Freistaat Thüringen Projekte der Schuljugendarbeit auch über den Doppelhaushalt 2003 / 2004 hinaus weiterführt.

Winfried Weinrich, Leiter des Katholischen Büros Erfurt

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 18 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 02.05.2003

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