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Aus der Region

Eucharistie braucht Gemeinschaft

Unterschiedliche Reaktionen auf die Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia"

Vatikanstadt/Bonn - Papst Johannes Paul II. hat einer Abendmahlgemeinschaft von Katholiken mit Christen anderer Konfessionen zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Absage erteilt. So wünschenswert der gemeinsame Empfang der Sakramente auch sei, setze er eine Kirchen- und Glaubensgemeinschaft voraus, die bislang noch nicht bestehe, betonte der Papst in seiner am Gründonnerstag veröffentlichten 14. Enzyklika seines Pontifikats. Das 80-seitige Lehrschreiben trägt den Titel "Ecclesia de Eucharistia" - über die Eucharistie in ihrem Verhältnis zur Kirche. "Die Kirche lebt von der Eucharistie", schreibt der Papst und nennt diese "Wahrheit" den Kern des Mysteriums der Kirche. Er bestätigt die katholische Lehre, wonach in der Eucharistiefeier Brot und Wein wesensmäßig in Leib und Blut Christi verwandelt werden. "Sie verbindet Himmel und Erde."

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann wertet die neue Enzyklika des Papstes zur Eucharistie nicht als Absage an die Ökumene. Mit seinem neuen Lehrschreiben nehme der Papst nichts vom ökumenischen Engagement der katholischen Kirche zurück, sondern verstärke es, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Ziel des Papstes sei es, in der eigenen Kirche, aber auch zwischen den Kirchen, Klarheit über das katholische Verständnis des Abendmahls zu schaffen und Missbräuche, Zweideutigkeiten und Instrumentalisierungen zu vermeiden. Dabei vermeide Johannes Paul II. jede Schärfe.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hob hervor, dass der Papst sich zur Ökumene bekannt und das Engagement der Laien bei sonntäglichen Wortgottesdiensten gewürdigt habe. Das Lehrschreiben sei damit eine Ermutigung für den kommenden Ökumenischen Kirchentag (ÖKT), erklärte ZdK-Präsident Hans-Joachim Meyer in Bonn. Er räumte ein, dass viele Christen gehofft hatten, dass der Papst als höchste Instanz der katholischen Kirche auch "konkrete Wege eröffnet oder markiert, auf denen die nächsten Schritte" zu einer Einheit der Christen gegangen werden könnten.

Die evangelische Kirche hat auf das neue Papst-Lehrschreiben zur Eucharistie mit deutlicher Distanz reagiert. In weiten Teilen sei die Enzyklika durch "eine strenge und pointiert katholische Abendmahlstheologie" geprägt, die auf der Linie früherer Veröffentlichungen verbleibe, erklärte das Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Hannover. Die Enzyklika sei "eine testamentarische Äußerung eines - wenn auch sehr besonderen - Priesters, der immer wieder und an herausgehobenen Orten in tiefer innerer Bewegung Eucharistie gefeiert hat", heißt es weiter. Es müsse daher auch angesichts des Ökumenischen Kirchentages in Berlin nüchtern festgestellt werden, dass gegenwärtig eine Verständigung über das Amtsverständnis und damit eine gemeinsame Abendmahlfeier nicht möglich erscheint.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 17 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 27.04.2003

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