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Bistum Erfurt

"Stellen Sie sich hinten an !"

Schwester Maria Romana sorgte mehr als 20 Jahre für Studenten in Jena

Resolut, aber liebevoll: Schwester Maria Romana sorgt sich um die Studenten.

Jena -"Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern zu gebären"-unter diesem, vom Philosophen Friedrich Nietzsche entlehnten Motto werden sich Studenten, Absolventen und Freunde der Katholische Studentengemeinde (KSG) St. Petrus Canisius Jena in den Tagen zwischen dem 1. und 5. Mai bei ihrem Patronatsfest eines 50-jährigen gemeinsamen Weges erinnern. Zeit auch an Menschen zu denken, die ein großes Stück dieses Weges mitgegangen sind und mitgestaltet haben.

Die Vinzentinerin Schwester Maria Romana Thurm, die 1973 nach Jena kam, gehört zu diesen prägenden Wegbegleitern der Jenaer Studentengemeinde. Zunächst für das leibliche Wohl der jüngsten Sprößlinge der Jenaer Pfarrgemeinde in der Kinderbetreuung zuständig, wechselte sie schon bald in die Studentenküche. Sie habe, so Schwester Romana in ihrer unverblümten Art, die Kochversuche der Studenten nicht mehr mit ansehen können. 27 Jahre lang, bis zum Frühjahr 2001, sorgte sie in der Studentengemeinde Jena für einen Mittagstisch, der schnell ein zentraler Bestandteil des Gemeindelebens wurde. Tägliche Begegnung, Gespräch, Informationsaustausch und nicht zuletzt Schwester Romanas Kochkünste, ihr Erfindungsreichtum in der zu DDR-Zeiten nicht immer einfachen Zutatenbeschaffung, sorgten für regen Zulauf.

Und das sicher auch deshalb, weil sie über Kochtopf- und Tellerrand hinaus am Alltag "ihrer" Studenten teilnahm, mit ihren Beobachtungen und Ratschlägen nie hinter dem Berg hielt. Leicht vorstellbar, dass nicht jede ihrer kritischen Anmerkungen immer willkommen war, dass die von ihr mit eiserner Strenge überwachte Reinigung der KSGRäume nicht nur Begeisterung auslöste. Und manchem, der bei der Essenausgabe allzu forsch nach vorn drängte, wird noch ihr "Stellen Sie sich gefälligst hinten an!" in den Ohren klingen.

Dennoch -oder vielmehr gerade deshalb -werden Generationen von Absolventen der Jenaer KSG sagen können, dass die "Schwester" für sie zu den wichtigen, den prägender Personen ihrer Studentenjahre gehört. War ihre "Einmischung" im besten Sinne doch immer von dem Gefühl einer Verantwortung für Studenten und Studentengemeinde, von hoher Identifikation mit ihrer Aufgabe bestimmt. Schwester Maria Romana war es nicht egal, wie sich das Leben ihres Nächsten in der Gemeinde gestaltete -eine Einstellung, die wohl jedem Christen gut zu Gesicht steht. Für die Jenaer KSG war sie einer jener stabilen Punkte, die im schnellen Wandel des Lebens einer Studentengemeinde nötig sind. Heute lebt Schwester Maria Romana Thurm im Ruhestand in Fulda. Aber ein bisschen ist sie -gerade wenn Anfang Mai "50 Jahre KSG" gefeiert werden -in der Katholischen Studentengemeinde Jena immer noch als "guter Geist" anwesend.

Stefan Gerber

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 17 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Samstag, 26.04.2003

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