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Bistum Dresden-Meißen

Für hohe Arbeitsethik Sorge tragen

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Gillo wünscht sich, dass die Christen Akzeptanz zum Prozess der

Dresden -Sachsens Wirtschaftsminister Martin Gillo (CDU) hat Christen aller Konfessionen dazu ermuntert, den Prozess der Globalisierung zu begleiten. Der Weg zur Globalisierung sei lang und löse bei manchen Menschen Ängste aus. Christen sollten dafür "Verständnis und Akzeptanz schaffen", sagte er in einem Vortrag im Kathedralforum Dresden. Ziel der Globalisierung sei "die soziale Marktwirtschaft auf Weltbasis". Dabei werde der weltweite Lebensstandard angehoben. Bildung, Ernährung, Mobilität und Mindestsozialleistungen sollten für alle Menschen auf der Welt ein Niveau erreichen, das dem gegenwärtigen europäischen Durchschnitt entspreche. "Wenn wir den eigenen Lebensstil lieben, warum gönnen wir ihn nicht auch anderen Menschen?" Nur eine erfolgreiche Wirtschaft versetze die Gesellschaft in die Lage zu teilen. Dann könne der Staat Teile der Einkünfte von Besserverdienenden an Menschen mit geringerem Einkommen weitergeben.

Viele Chancen in neuen Berufsbildern

Ängste im Zusammenhang mit der Globalisierung rührten her aus der Vorstellung, Beschäftigung gäbe es nur im produzierenden Gewerbe, meinte Gillo. Dienstleistungen, der Umgang mit Menschen bekämen jedoch künftig immer größere Bedeutung. Den Menschen müsse gezeigt werden, dass es hier viele Chancen für neue Berufsbilder gebe. Bereits jetzt sei der Wille der Ostdeutschen, andere Wege zu gehen und neue Modelle auszuprobieren, im Vergleich zum Westen Deutschlands besser ausgeprägt. Ein Beispiel dafür seien moderne Lösungen bei den Tarif-Verträgen. "Wir sollten unsere Flexibilität hier nicht unterschätzen", so Gillo.

In der modernen Industrie erhöhe sich das Tempo, mit dem sich Produktion und Produkte verbesserten. Dies erfordere von den Beschäftigten lebenslanges Lernen. Dafür könnten christliche Kommunitäten wie etwa Bruderschaften Modelle der "lernenden Organisation" ausprobieren. Überkommene christliche Lösungen müssten durch neue Ansätze verbessert und erweitert werden. "Warum für Menschen mit Sonntagsarbeit keine Montagsgottesdienste anbieten?", meinte Gillo. Kirchen sollten zudem soziale Verantwortung auf dem Weg zur Globalisierung vorleben, das Nachdenken über sozialverträgliche Übergangsmodelle mitgestalten sowie Mut zu Veränderungen schaffen.

Wer zu spät komme, ernte nur Verluste

Wichtig sei außerdem eine hohe Arbeitsethik, wie sie der Protestantismus beispielsweise entwickelt habe. Auch außereuropäischen Völkern könnten Christen dabei helfen, Quellen für eine Arbeitsethik in ihren jeweiligen kulturellen Wurzeln zu entdecken. Die Kirchen sollten "Natureinwohner" dabei unterstützen, einen Weg zur Bereicherung ihrer Wirtschaft zu finden, dabei jedoch ihre Kulturidentität nicht zu verlieren, sondern zu erweitern.

Vor seiner Ernennung zum sächsischen Wirtschaftsminister im Mai 2002 war Gillo Direktor beim amerikanischen Halbleiterproduzenten AMD in Sunnyvale (Kalifornien), seit 1996 Geschäftsführer von AMD in Dresden. In seinen Augen führt die Halbleiterindustrie beispielhaft die künftige Entwicklung aller Unternehmen vor. Diese Branche wachse -mit Schwankungen -im Schnitt um jährlich 16 Prozent. Weitere Kennzeichen der Halbleiterindustrie seien die durchschnittliche Lebensdauer eines Produktes von weniger als 18 Monaten sowie ein jährlicher Preisverfall zwischen 30 und 45 Prozent, was zur Kompensation eine Produktivitätssteigerung von 45 bis 75 Prozent erfordere. Die Hälfte der Gewinne mit einem neuen Produkt müsse ein Unternehmen in den ersten sechs Monaten erwirtschaften. Wer zu spät komme, ernte nur Verluste. "Gewinne sind abhängig von der Fähigkeit, größte Leistungen mit der geringsten Zahl von hochmotivierten Mitarbeitern zu erwirtschaften", so Staatsminster Gillo.

Tomas Gärtner

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 17 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Samstag, 26.04.2003

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