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Bistum Dresden-Meißen

"Münzen sind schwerer als Scheine"

Barbara Buhl aus Leipzig sammelt seit 20 Jahren für die Caritas

Spende für einen guten Zweck: Auch der kleine Milan Thaler steckt etwas in die Büchse von Barbara Buhl.

Leipzig -Sie ist freundlich, sie lacht herzlich und: Sie sammelt fleißig Spenden. Barbara Buhl aus Leipzig. Seit 20 Jahren geht sie für die Caritas während der Frühjahrs- und Herbstsammlung auf die Straße, spricht die Leute an, unterhält sich mit ihnen, und am Ende bekommt sie auch etwas. Frau Buhl ist behindert, aber das hält sie nicht davon ab, für Glauben, Kirche und den guten Zweck Flagge zu zeigen.

Und dass sie in den letzten Jahren emsig bei der Sache war, beweisen die vielen Dankesschreiben, die sie von der Caritas bekommen hat. Über 40 sind es inzwischen, erzählt Barbara Buhl stolz. "Ich habe sie mir alle aufgehoben."

Diesmal ist sie in Leipzig- Connewitz unterwegs, die Jahre zuvor in Lindenau. "In diesem Jahr war es ganz schön kalt, aber man kann sich ja warm anziehen", meint Barbara Buhl. Oft zählt sie die Leute mit, die etwas in die Büchse reingeworfen haben. "Am Montag waren es genau elf", sagt sie. Ein junger Mann kommt mit seinem Sohn vorbeit, der kleine Milan Thaler aus Connewitz lacht und wirft ein Geldstück in die Büchse. Barbara Buhl bedankt sich herzlich. Inzwischen ist schon wieder allerhand zusammengekommen, die Büchse wird langsam schwer. "Die meisten werfen ja Münzen hinein, und die sind nun mal schwerer als die Scheine", sagt sie. Die Leute auf der Straße sind meistens nett, weiß Barbara Buhl zu berichten, auch wenn manche achtlos vorübergehen.

Ganz glimpflich ging es für Frau Buhl in den 20 Jahren ihrer Sammeltätigkeit natürlich auch nicht ab. Noch zu DDR-Zeiten sei sie mal von einer Gruppe Jugendlicher beschimpft worden. "Die bettelt für die Kirche, haben sie dann gesagt. Aber das ging zum einem Ohr rein und zum andern raus. Ich habe mir nicht viel draus gemacht". Die eifrige Caritas-Sammlerin hatte aber auch richtig schöne Erlebnisse: Vor der Wende habe ein Volkspolizist etwas in die Büchse getan und dazu gesagt, dass er für die Kirche immer spende. "Einmal hat sogar extra ein Autofahrer angehalten und was gespendet. Das war ganz toll", freut sich Barbara Buhl.

Sie erinnert sich noch an einen älteren Mann, der "seine letzten Pfennige" gegeben hat. Das wollte sie eigentlich gar nicht, denn sie wusste, dass der Mann das Geld für andere Sachen brauchte. Aber dann spürt sie auch, dass es gerade Menschen sind, die nicht viel haben, aber die Not des anderen trotzdem sehen und mit einer Spende an sie denken.

So hat Barbara Buhl, die in der geschützten Werkstatt St. Michael in Meusdorf arbeitet, wieder ein bisschen dazu beigetragen, dass die Arbeit bei der Caritas weitergehen kann. Ob sie im kommenden Jahr noch einmal sammeln geht, weiß sie noch nicht. Aber eins scheint sicher: Das nächste Dankesschreiben vom Caritasverband in Dresden für die fleißige Sammlerin kommt bestimmt.

Andreas Schuppert

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 16 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 17.04.2003

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