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Bistum Erfurt

Bei geringen Einkommen

Caritas unterhält Gebrauchtmöbellager in Mühlhausen

Mühlhausen (ep) - Menschen in Not helfen zu können erfordert immer auch den Mut, Neues zu versuchen und vorhandene Chancen zu nutzen. Vor gut fünf Jahren entstand in Mühlhausen aus einer solchen Konstellation das Caritas-Möbellager. "Einerseits war und ist fast täglich in der Zeitung davon zu lesen, das Leute Möbel abgeben wollen und Haushalte aufgelöst werden. Andererseits können sich Menschen mit geringem Einkommen oder Sozialhilfeempfänger neue Möbel nicht leisten. So entstand der Gedanke, ein Möbellager einzurichten, das beide Interessen zusammenbringt", sagt Sozialarbeiter Winfried Montag von der Caritas Mühlhausen, der auch Leiter des Möbellagers ist.

Heute, gut fünf Jahre später ist die geräumige Doppel-Halle am Alten Blobach 9 gut gefüllt, und wer erstmals das Caritas-Möbellager unweit des Stadtzentrums betritt, meint, in ein Einrichtungshaus zu kommen: Schrankwände, Betten, auch ein / zwei Elektroherde, Kühlschränke, Waschmaschinen. "Bedürftige haben hier die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Stücken auszuwählen. Sie müssen nicht das erste beste Stück nehmen, weil es das einzige ist", sagt Montag, der mit dieser Situation zum Wohl seiner Klientel sichtlich zufrieden ist.

"Die Menschen kommen bei Wind und Wetter", sagt Marina Werner, die im Lager die Inte-resssierten berät und die Formalitäten regelt. "Es sind 18- / 19-jährige junge Leute, die von zu Hause ausziehen wollen, aber kein Geld für eine Wohnungseinrichtung haben. Es kommen Leute, die vom Sozialamt zu uns geschickt werden und ganz bestimmte Dinge benötigen. Es kommen aber auch Ältere nach einem Möbelstück Auschau halten, die bei uns nicht zuletzt einfach ein wenig das Gespräch suchen", erzählt Frau Werner, deren ABM demnächst ausläuft, wie sie bedauernd feststellt.

Mit Hilfe eines Kleintransporters holen Ulrich Weingart, der ebenfalls über ABM bezahlt wird, und Zivi Matthias Montag die Möbel bei den Gebern ab. Zuvor haben sie sie besichtigt und über deren Brauchbarkeit entschieden. Im Möbellager, dass derzeit aus zwei nebeneinander liegenden Hallen besteht, werden die Stücke aufgestellt. Hat sich ein Interessent gefunden, der eines oder mehrere der Stücke für ein gewisses Entgeld erwirbt, werden die Möbel von Weingart und Zivi Matthias per Transporter zu dem neuen Nutzer gebracht. "Pro Jahr erhalten so etwa 550 Personen von uns Möbelstücke", sagt Caritas-Sozialarbeiter Montag. Gut 1500 Interessenten kommen pro Jahr, um sich im Lager umzuschauen. Wer etwas zum günstigen Preis erwirbt, muss unterschreiben, dass sein Einkommen unter einer bestimmten Grenze liegt. Auch wenn es am Anfang mehr waren, immer wieder kommen auch Russland-Aussiedler, um nach Mobiliar zu fragen.

Neben der Vermittlung von Möbeln bietet die Caritas in Mühlhausen Allgemeine soziale Beratung an. Seit zehn Jahren besteht die Sozialstation. Daran und an das "Fünfjährige" des Möbellagers wurde in dieser Woche mit einer kleinen Feier erinnert. Zudem ist eine Mitarbeiterin in der Migrationsberatung tätig. Bis zur Stunde gibt es eine Aufnahmeeinrichtung für Migranten in der Stadt. Hilfe brauchen auch die Russland-Aussiedler. Zurzeit bieten eine pensionierte Lehrerin und eine Aussiedlerin einmal pro Woche Deutschunterricht an. Dies ist vor allem für die meist als Ehepartner mit nach Deutschland ausgereisten Aussiedler, die keinen Anspruch auf Teilnahme an einem Sprachkurs haben, ein wichtiges Angebot, wie Sozialarbeiter Montag betont.

Geöffnet ist das Caritas- Gebrauchtmöbellager dienstags und donnerstags 9 bis 12 Uhr und 14.30 bis 17 Uhr. Sozialsta-tion, Allgemeine und Migra-tionsberatung der Caritas sind zu erreichen unter

Tel. (0 36 01) 8 32 80.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 4 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 28.01.2001

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