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Spenden und Fördermittel gut eingesetzt

Verein Humanitas St. Martin Altenburg stellte seine Arbeit vor

Altenburg (jak) - Helfen in Osteuropa ist oft eine Sache mit zwei gänzlich unterschiedlichen Gesichtern, zum einen sind die froh, die die Hilfe erhalten, zum anderen gibt es jene, die es ihnen neiden oder Hilfsaktionen weitestgehend erschweren wollen. Diese Erfahrungen machten auch die Leute vom Verein Humanitas St. Martin in Altenburg. Erst im vergangenen Dezember wurde ein Transport mit 600 Weihnachtspäckchen nicht durch den ukrainischen Zoll gelassen weil die Päckchen Molkereierzeugnisse enthielten. Eine neue ukrainische Bestimmung verlangt Zertifikate darüber, wie die Lebensmittel hergestellt worden sind. Ein zweiter Transport passierte die Grenze an einer anderen Stelle nach zweieinhalb Tagen Verhandlungen, berichtete Marianne Tannenberg, die zusammen mit Pfarrer Michael Teubner aus Borna den Verein leitet, kürzlich bei einer Informationsveranstaltung im Gemeindehaus der katholischen Pfarrei Altenburg. Ihr zur Seite standen neben Pfarrer Michael Teubner auch Pfarrer Reinhard Franitza aus Tscheljabinsk. Die beiden Seelsorger kennen sich unter anderen durch die langwierige Anschaffung einer Mühle für die deutsche Bäckerei in Tscheljabinsk. Inzwischen ist das Projekt - gefördert durch das Sächsische Staatsministerium für Landwirtschaft - fertig. Bis dahin war es ein Weg von drei Jahren, wie Pfarrer Teubner berichtet. Zahlreiche organisatorische Hürden galt es zu überwinden, beispielsweise war es nicht so einfach, eine Einfuhrgenehmigung der Mühle nach Russland zu bekommen. Dort angekommen galt es zunächst einmal, die Teile wieder flott zu kriegen - was den russischen Arbeitern auch gelang. Zwar musste die katholische Gemeinde noch rund 40 000 Mark für Schaltschränke vorschießen, doch mit der Montagearbeit durch einheimische Arbeiter wurde dennoch gespart: Die Kosten in Russland betrugen zirka 20 000 Mark, hätten deutsche Monteure gearbeitet, wären diese auf bis zu 250 000 Mark gestiegen.

Mit der neuen Mühle ist es für die Bäckerei möglich geworden, das zum Backen benötigte Mehl selbst herzustellen. In der Vergangenheit war es in Russland durch das Mühlenmonopol einiger großer Betriebe so, dass der Mehlpreis erheblich teurer als der Getreidepreis war. Dieser finanzielle Abstand hat sich zwar inzwischen mit der Gründung weiterer Betriebe verringert, eine eigene Mühle ist dennoch weiter Gold wert.

Pfarrer Reinhard Franitza kennt die deutsche Bäckerei genau, über die Jahre konnte er die nach seinen Worten gute Entwicklung dieses Betriebes verfolgen. Errichtet wurde sie aus Mitteln der Bundesrepublik, um den in Tscheljabinsk ansässigen Deutschen eine berufliche Zukunft zu geben. Die Erlöse des Betriebes sollen zusätzlich zu 60 Prozent für deutsche Interessen im Ort ausgegeben werden. Wie Pfarrer Franitza weiter mitteilte stelle die Bäckerei derzeit das beste Brot der Region her. Mit dem Engagement der Pfarrgemeinde an der Betriebsentwicklung wurde auch die finanzielle Seite der katholischen Kirche auf etwas sicherere Beine gestellt. Auf zehn Jahre erhalten Pfarrer Franitza und seine zwei Mitbrüder monatlich 4,5 Tonnen Mehl - beziehungsweise den Gegenwert nach dem aktuellen Kurs. Mit diesen Einnahmen wird die karitative Arbeit der Gemeinde finanziert. So erhalten 80 Leute täglich eine Suppe mit Brot oder Familien in besonderen Notlagen werden unterstützt. Die karitative Arbeit ist übrigens nach den Worten von Reinhard Franitza in Russland besonders wichtig, sie ist eine Tür zu den Herzen der Menschen.

Pfarrer Michael Teubner aus Borna verwies auf noch ein weiteres Projekt, welches durch das Sächsischen Landwirtschaftsministerium unterstützt wurde. So erhielt eine Kolchose in der Ukraine einen Sattelschlepper und einen Mähdrescher. Für die Menschen dort, die sich auf dem Weg zu einem landwirtschaftlichen Musterbetrieb gemacht haben, sind diese Anschaffungen wichtige Stationen ihrer Entwicklung. Der Mähdrescher arbeitet inzwischen nicht nur für die Kolchose, sondern wird auch anderen Bauern zur Verfügung gestellt. Michael Teubner verwies auf die vielen Möglichkeiten, mit öffentlichen Fördergeldern Projekte in Mittel- und Osteuropa zu unterstützen, eine weitere wichtige Hilfe seien zudem Spenden aus der Wirtschaft. Derzeit sorgt sich Pfarrer Teubner um die Finanzierung eines Labors für die deutsche Bäckerei in Tscheljabinsk.

Marianne Tannenberg nutzte den Abend auch dazu, noch einmal die Arbeit von Humanitas St. Martin vorzustellen. Gegründet wurde der Verein 1992. Damals verbrachten Kinder aus der Ukraine einen Erholungsaufenthalt in Deutschland. Eine Aktion, die wiederholt wurde. Später wurden Erholungsmöglichkeiten für ukrainische Kinder auf der Krim geschaffen. Ein wichtiges Standbein der Hilfsarbeit waren und sind die verschiedenen Transporte. In den Jahren nach der Wende wurden so beispielsweise zahlreiche medizinische Geräte in die Ukraine gebracht oder ganze Transporte mit neuer Bekleidung. Diese - in Deutschland nicht verkaufte Ware - sponserte eine Modekette. Hilfreich sind für den Verein die Kontakte vor Ort, wie Marianne Tannenberg berichtet. Sei es zu deutschsprachigen Ukrainern oder zu den drei Priestern von Tscheljabinsk. Dadurch wird sichergestellt, dass die Hilfe die Menschen auch erreicht.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 4 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 28.01.2001

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